Im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster (FEK) wurden mit einer integrierten Lösung zum digitalen Austausch von Medikationsanordnungen zwischen KIS und PDMS neue Maßstäbe für Patientensicherheit und Effizienz gesetzt. Über eine Schnittstelle erfolgt der bidirektionale Informationstransfer von dem auf Normalstation genutzten Krankenhausinformationssystem (KIS) CGM MEDICO und dem Patientendatenmanagementsystem (PDMS) Dräger ICM nahtlos und vor allem inklusive durchgängiger AMTS-Prüfung auf Basis konsistenter Daten.
Das von einem interdisziplinären Team realisierte Projekt bringt das FEK einen großen Schritt näher an die Vision eines vollständig interoperablen digitalen Klinikalltags. Die Besetzung der Interviewrunde unterstreicht die Bedeutung des Vorhabens: Vom Intensivmedizinischen Zentrum nehmen Chefarzt Prof. Dr. Jan Höcker, Hauptinitiator Michael Weiher (Oberarzt a.D.), Oberarzt Lutz Schilling und Pfl egedienstleiter Gunnar Piltz teil. Ergänzt wird das Team durch Chefapotheker Malte Dobin und Projektmanager Jens Englmaier, die ebenfalls maßgeblich an der Umsetzung des Projekts beteiligt waren.
Im Interview berichten sie von ihren Zielen, den Herausforderungen während der Projektphasen und blicken zurück auf die letzten sechs Monate seit Go-Live.
Der Mehrwert für Medikationssicherheit und Versorgungsqualität ist enorm.
Mit der Ausgangssituation waren die verantwortlichen Mitarbeiter am FEK bereits seit langem unzufrieden, denn ein Datanaustausch der beiden Systeme, die auf Intensiv- und Normalstationen im Einsatz sind, war nicht möglich. Auf Intensivstation ist die PDMS-Fachlösung ICM von Dräger im Einsatz, auf Normalstation CGM MEDICO das führende KIS.
Konkret hieß das, dass Medikationsanordnungen bei jeder Verlegung – ob auf die oder von der Intensivstation – manuell übertragen werden mussten. „Das ist ja alles schon elektronisch vorhanden, aber wenn das eine System elektronische Daten erzeugt, und das andere kann sie nicht übernehmen, dann ist das EDV zu Fuß“, bringt Michael Weiher, ehemals Oberarzt der Intensivstation, die Ausgangssituation auf den Punkt.
Das bedeutete nicht nur für das klinische Personal auf den Stationen redundantes und vor allem fehleranfälliges Arbeiten – denn die Daten mussten jeweils händisch von einem System ins andere übertragen werden. Auch für die Apotheke und hier vor allem für die Medikationssicherheit war dieser Zustand eine Herausforderung. Für Chefapotheker Malte Dobin war die Intensivstation lange eine Blackbox: „Wir konnten nie sicher sein, ob das, was wir für den Patienten vorbereiten, auch wirklich dem entspricht, was ärztlich verordnet wurde.“
Pflegeleitung Gunnar Piltz ergänzt: „Gerade bei der Masse an Patienten war der zusätzliche Arbeitsaufwand spürbar – und Fehler durch händische Übertragung konnten nie ausgeschlossen werden. Die neue Schnittstelle macht diesen Prozess sicherer, schneller und transparenter.“
Dass wir über Jahre hinweg für eine solche Lösung
gekämpft haben, zahlt sich jetzt durch mehr Übersicht,
Vereinheitlichung und vor allem Medikationssicherheit
spürbar aus.
Mit dem elektronischen Medikationsaustausch ist ein wichtiger Meilenstein für die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) erreicht worden. „Die Medikation, gerade auf der Intensivstation, ist umfangreich und wird auf verschiedenen Wegen zugeführt. Die Risiken einer Verwechslung oder etwas zu vergessen waren immer hoch – hier haben wir einen riesigen Schritt gemacht“, unterstreicht Chefarzt Prof. Dr. Jan Höcker.
Apotheker Malte Dobin merkt an: „Wir prüfen jede Medikation auf Wechselwirkung und Kontraindikationen, aber das war lange schwierig, wenn nicht alle Daten verfügbar waren. Auch ist die Anforderung an die Datenqualität durch die Anbindung an ein Unit-Dose-System sehr hoch. Durch die nahtlose Übertragung haben wir da einen besonderen Mehrwert gewonnen und zudem sind Wechselwirkungen und Höchstdosen endlich im Blick – das ist ein großer Gewinn für die Patientensicherheit.“
Auch Michael Weiher sieht Fortschritte: „Es war zwar ein hoch komplexer Prozess, alle Systeme so zu verbinden, als sprächen sie dieselbe Sprache – aber das Mapping hat sich gelohnt, denn Sie können nicht über Wechselwirkungen reden, wenn die Hälfte der Medikation im Datenschatten liegt. Jetzt bekommen Apotheke und die Stationen vollständige, konsistente Informationen.“
Die Lösung entstand in enger Kooperation von CGM (mit dem KIS CGM MEDICO), Dräger (mit dem PDMS ICM) und ID (mit ID DIACOS® PHARMA) – und sie wurde ermöglicht durch das große Engagement der FEK-Anwender.
Von der hausinternen IT-Abteilung, die im Hintergrund Unmögliches möglich machte, das Bildungsmanagement, das für die Schulung von hunderten von Ärzten verantwortlich war, über die Pflegeleitung bis zur ärztlichen Direktion und der Apotheke: Wer am Austauschprozess beteiligt war, hat diese Veränderung ab der ersten Minute mitgetragen. Projektexperte Jens Englmaier: „Es ist kein reines IT-Projekt gewesen, sondern hat die Arbeitsweisen des ganzen Hauses verändert. Deshalb gab es gemeinsam den Antrieb, dieses Ziel unbedingt erreichen zu wollen.“
Prof. Höcker ergänzt: „Unsere Mitarbeiter waren von Anfang an bereit, die Extra-Meile zu gehen und trotz Anfangsschwierigkeiten durchzuhalten. Der Mehrwert war für alle so greifbar, dass niemand daran zweifelte, dass es besser wird.“
Das ist ein großer Gewinn für die Patientensicherheit.
Vollständig medienbruchfrei werden Medikationsanordnungen nun über ID DIACOS® PHARMA zwischen den beiden Systemen übertragen – beim Wechsel von der Normalstation auf Intensiv, aber auch beim Rückverlegungsprozess. Per Mausklick können die Verantwortlichen die Vorschläge prüfen, übernehmen oder gezielt anpassen. Während ein System führend ist, sind parallele Änderungen im anderen System gesperrt – Sicherheit ohne Doppelungen, Lücken oder Widersprüche.
Pflegeleitung Gunnar Piltz beschreibt, was das bedeutet: „Der Prozess ist einfach und sicher wie nie: Medikament für Medikament kann selektiv übernommen werden, ohne alles neu anlegen zu müssen – immer mit der Möglichkeit, anzupassen. Das macht die Versorgung vor allem sicherer, spart aber auch enorm viel Zeit im Alltag.“
Die Einführung des digitalen Medikationsaustauschs im FEK war ein echtes Pionierprojekt mit hoher Komplexität und stellte das gesamte Projektteam vor große Herausforderungen: Unterschiedliche Systemlogiken mussten synchronisiert, Workflows optimiert, Nutzer an neue Abläufe gewöhnt werden.
Mit gemeinsamen Schulungen, hohem personalintensiven Support und vor allem großem Durchhaltevermögen konnten im Verlauf einige Hürden genommen werden: „Wäre uns im Vorfeld bewusst gewesen, wie intensiv diese Lernphase mit Mapping und Schulung wird – wir hätten es dennoch gemacht. Denn der Mehrwert für die Medikationssicherheit, die Versorgungsqualität und auch für die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist enorm“, sagt Chefarzt Prof. Jan Höcker.
Neben Zeitgewinnen steigt vor allem die Medikationssicherheit deutlich: Risiken durch Übertragungsfehler oder Informationen, die bisher im „Datenschatten“ lagen, werden minimiert. Die Patienten profitieren direkt – durch klarere Abläufe und die volle Übersicht über alle Medikationsdaten.
„Die Anfangsphase war holprig, aber jetzt läuft das System zuverlässig – und der Alltag ist deutlich entlastet. Jeder weiß, was zu tun ist, alle profi tieren und wollen nicht zurück“, sagt Pflegeleitung Gunnar Piltz.
Das macht die Versorgung vor allem sicherer, spart
aber auch enorm viel Zeit im Alltag.
Das Projekt hat eines deutlich gemacht: Fortschrittliche Digitalisierung braucht Teamgeist – im Krankenhaus und über Unternehmensgrenzen hinweg. Die enge Partnerschaft zwischen FEK, CGM, Dräger und ID zeigte, wie Hightech-Lösungen und gelebte Veränderungsbereitschaft zu einem echten Wettbewerbsvorteil und zu gelebter Patientensicherheit werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und erarbeiteten Lösungen sind nicht nur für das FEK wertvoll – auch zukünftige Projekte und weitere Krankenhäuser werden von diesen Learnings profitieren.
Was als Vision begann, ist heute im FEK Neumünster klinische Realität – und gibt Interoperabilität, Patientensicherheit und Effizienz ein neues Gesicht. Die Resonanz im Markt ist hoch: „Wir haben gezeigt, wie Digitalisierung im Krankenhaus alle Beteiligten voranbringt“, so Jens Englmaier und Prof. Höcker ergänzt: „Das ist ein echter Meilenstein – für uns, für die Patienten und für jedes Krankenhaus, das gleiche Ziele verfolgt.“
Dieses Projekt steht exemplarisch für Innovationsgeist und Zusammenarbeit: Es war weit mehr als ein IT-Vorhaben, sondern hat die Prozesse im ganzen Haus nachhaltig verändert.