Im Krankenhaus beruhen immer mehr Prozesse auf Daten. KI benötigt sie, klinische Entscheidungen ebenso wie Abrechnung, Qualitätssicherung und Forschung. Gleichzeitig wandern Anwendungen in die Cloud, Systeme vernetzen sich stärker und Informationen werden über immer mehr technologische Grenzen hinweg verarbeitet.
Damit rückt eine Frage ins Zentrum, die lange vor allem als Aufgabe für Datenschutzbeauftragte galt: Wer behält eigentlich die Kontrolle über diese Daten?
In der Diskussion um Europas digitale Wettbewerbsfähigkeit hält sich die These, strenge Datenschutzvorgaben würden Innovation bremsen. Ein Policy Paper der vom Fraunhofer ISI koordinierten Plattform Privatheit stellt diesen Zusammenhang infrage. Die Forschenden argumentieren, dass Innovationsfähigkeit, Datenschutz, Selbstbestimmung und digitale Souveränität zusammengedacht werden können. Gerade vertrauenswürdige Technologien könnten zu einer europäischen Stärke werden.
Für Krankenhäuser ist diese Diskussion besonders relevant. Sie sollen Daten besser nutzen, Cloud-Technologien einsetzen, KI integrieren und Informationen über Systemgrenzen hinweg verfügbar machen und gleichzeitig hochsensible Gesundheitsdaten schützen. Die Schwierigkeit liegt deshalb nicht in der Frage, ob Daten genutzt werden dürfen, sondern vielmehr darin, wie eine Infrastruktur aussehen muss, in der Daten sicher, kontrolliert und gleichzeitig sinnvoll nutzbar sind.
Damit verändert sich auch der Blick auf Datenschutz. Datensouveränität betrifft längst die Architektur der gesamten Krankenhaus-IT.
Wo liegen Informationen? In welcher Struktur werden sie gespeichert? Können unterschiedliche Anwendungen sie nutzen? Lassen sich neue Systeme integrieren? Und können einzelne Komponenten modernisiert werden, ohne die gesamte IT-Landschaft neu aufzubauen?
Besonders deutlich wird das beim Thema Cloud. Die einfache Gegenüberstellung „Cloud oder On-Premises?“ greift zu kurz. Entscheidend sind die Bedingungen, unter denen Daten verarbeitet werden: Welche Sicherheitsmechanismen gelten? Wie transparent bleiben Datenflüsse? Und wie viel Kontrolle und technologischen Handlungsspielraum behält das Krankenhaus?
Auch bei künstlicher Intelligenz zeigt sich, wie eng Datensouveränität und Innovation zusammenhängen.
Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere KI. Das Fraunhofer ISI verweist unter anderem auf Qualität und Passgenauigkeit der verwendeten Daten. Für Krankenhäuser ist das entscheidend.
Diagnosen, Laborwerte, Befunde, Medikationen, Dokumentationen und Abrechnungsinformationen entstehen jeden Tag in großer Zahl. Die Herausforderung besteht darin, sie so strukturiert und eindeutig verfügbar zu machen, dass sie zuverlässig weiterverarbeitet werden können. Genau hier treffen sich Interoperabilität, Datenqualität und KI.
Eine KI-Anwendung kann nur mit den Informationen arbeiten, die sie erhält und deren Bedeutung sie einordnen kann. Strukturierte und semantisch beschriebene Daten werden deshalb zu einer wichtigen Grundlage für den Einsatz von KI in klinischen und administrativen Prozessen.
Für moderne Krankenhausinformationssysteme bedeutet das: Schnittstellen allein reichen auf Dauer nicht aus. Systeme müssen Daten nicht nur transportieren, sondern ihre Bedeutung möglichst eindeutig abbilden können.
CGM CLINICAL setzt deshalb auf semantische Interoperabilität und Workflow-Steuerung. In CGM CLINICAL RCM beispielsweise basiert die Datenarchitektur auf einem semantischen Datenmodell, das internationale Standards wie HL7 FHIR, openEHR, SNOMED CT und LOINC berücksichtigt. Daten können dadurch für unterschiedliche Prozesse und Anwendungen nutzbar gemacht werden.
Gleichzeitig müssen bestehende Systeme nicht zwangsläufig ersetzt werden. Offene Schnittstellen und modulare Strukturen ermöglichen es, neue Lösungen in vorhandene IT-Landschaften zu integrieren und einzelne Komponenten schrittweise zu modernisieren.
CGM CLINICAL RCM kann beispielsweise sowohl gemeinsam mit CGM CLINICAL als auch als eigenständiges Modul an bestehende klinische Systeme angebunden werden. So lässt sich etwa die Patientenadministration und -abrechnung modernisieren, während andere Bestandteile der IT-Landschaft zunächst bestehen bleiben.
Damit bekommt Datensouveränität eine strategische Dimension. Ein Krankenhaus muss seine Daten schützen. Gleichzeitig sollte es darüber bestimmen können, wie sie genutzt werden und wie sich seine IT weiterentwickelt.
Kann eine neue KI-Anwendung integriert werden? Können Informationen zwischen Anwendungen ausgetauscht werden, ohne neue Datensilos aufzubauen? Können einzelne Systeme modernisiert werden, ohne damit automatisch die gesamte IT-Landschaft verändern zu müssen?
Datenschutz, Cybersecurity, Interoperabilität, Cloud und KI werden häufig als einzelne Themen behandelt. Technologisch hängen sie längst zusammen.
Je stärker Daten zur Grundlage klinischer und administrativer Prozesse werden, desto wichtiger wird deshalb eine Architektur, die ihre Nutzung ermöglicht und gleichzeitig Kontrolle schafft.
Hohe Anforderungen an Datenschutz müssen Innovation dabei nicht zwangsläufig verlangsamen. Wenn Technologien von Beginn an sicher, interoperabel und souverän gestaltet werden, schaffen sie Vertrauen und damit eine wesentliche Voraussetzung dafür, neue Möglichkeiten tatsächlich nutzen zu können.
Am Ende entscheidet nicht allein, wie viele Daten ein Krankenhaus besitzt. Entscheidend ist, wie gut es diese versteht, wie sicher es mit ihnen umgehen kann und ob es selbst darüber bestimmen kann, was mit ihnen geschieht.