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Spotlight: 50 Prozent

15. September 2022 | Nicole Graf

Die Hälfte aller Krankenhauseinweisungen aufgrund von Medikationsfehlern wäre vermeidbar

Es kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland rund 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich auf Medikationsfehler zurückzuführen sind. Die Hälfte davon, also 50 %, wären vermeidbar. Das Thema des diesjährigen Welttags der Patientensicherheit „SICHERE MEDIKATION“ am 17. September 2022 richtet deswegen den Fokus auf einen der wichtigsten Faktoren in Bezug auf die Patientensicherheit: die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS).

Mehrheit der Medikamente auf Rezept

Arzneimittel gehören zu den wirksamsten und am häufigsten angewendeten ärztlichen Therapiemöglichkeiten. Insgesamt wurden im Jahr 2019 in Apotheken mehr als eine Milliarde Arzneimittelpackungen abgegeben. Der überwiegende Teil davon wurde ärztlich auf Rezept verordnet. Etwa ein Drittel der abgegebenen Arzneimittelpackungen haben sich Patientinnen und Patienten im Rahmen der Selbstmedikation in der Apotheke gekauft. Eine medikamentöse Therapie soll bei Patientinnen und Patienten krankhafte Beschwerden heilen oder zumindest lindern. Demgegenüber stehen die potenziellen Risiken, die bei jeder Arzneimitteltherapie grundsätzlich auftreten können. Schädliche Wirkungen können aber auch durch Medikationsfehler auftreten. 

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen: mehr Tote als im Straßenverkehr

Treten unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) in Folge von Medikationsfehlern auf, bedeutet dies vermeidbares menschliches Leid, im schlimmsten Fall bis hin zum Tod. So wird in Deutschland die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme mehrerer verschiedener Medikamente auf 16.000 bis 25.000 pro Jahr geschätzt. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 starben etwa 2.700 Menschen im Straßenverkehr. Medikationsfehler sind weltweit eine der Hauptursachen für vermeidbare Schäden im Gesundheitswesen. Nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern auch für Mitarbeitende im Gesundheitswesen ist die Sicherheit innerhalb der medizinischen Behandlung elementar wichtig. Die anhaltende Covid-19-Pandemie hat das Risiko von Medikationsfehlern und damit verbundenen arzneimittelbedingten Schäden erheblich verschärft. 

Welttag richtet Fokus auf Arzneimitteltherapiesicherheit

In diesem Zusammenhang hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit „SICHERE MEDIKATION“ als Thema für den Welttag der Patientensicherheit 2022 mit dem Motto „MEDIKAMENTE OHNE SCHADEN“ ausgewählt. Bereits seit seiner Gründung widmet sich das Aktionsbündnis Patientensicherheit intensiv dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. Unter Arzneimittelsicherheit versteht man dabei die Gesamtheit aller Maßnahmen zur laufenden und systematischen Überwachung der Sicherheit eines Arzneimittels mit dem Ziel, auch die bei vorschriftsmäßigem Gebrauch auftretenden unerwünschten Wirkungen zu entdecken, zu bewerten und zu verstehen. Übergeordnetes Ziel ist es, entsprechende Maßnahmen zur Risikominimierung zu entwickeln und zu ergreifen. 

AMTS durch sektorenübergreifenden Austausch

Früher ging es vor allem darum, dass das Arzneimittel selbst sicher ist. Die AMTS geht jedoch darüber hinaus: Sie umfasst nicht nur die Sicherheit des Arzneimittels selbst, sondern auch den Prozess der Anwendung. Risiken ergeben sich meist nicht allein aus der Substanz an sich, sie treten bei der therapeutischen Anwendung auf – von der ärztlichen Verordnungsentscheidung bis zur Einnahme durch die Patientinnen und Patienten. Die Sicherstellung der AMTS erfordert deswegen Teamarbeit: Alle am Arzneimitteltherapieprozess Beteiligten übernehmen insofern Verantwortung. Eine sektorenübergreifende Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern, Pflegekräften und Angehörigen weiterer Gesundheitsberufe ist dabei wichtige Voraussetzung.

Telematikinfrastruktur als technische Grundlage

Die Informations- und Kommunikationstechnologie hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland gewonnen. Ziel der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist es, durch eine bessere Datenverfügbarkeit die Sicherheit und Qualität der medizinischen Behandlung zu verbessern. Ausgangspunkt dafür ist eine sichere digitale Dateninfrastruktur im Gesundheitswesen – die Telematikinfrastruktur –, die die an der Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten beteiligten Akteurinnen und Akteure so verbindet, dass sie sicher, schnell sowie einrichtungs- und sektorenübergreifend digital miteinander kommunizieren können. 

Wesentliche Kernanwendung der Telematikinfrastruktur zur Verbesserung des Informationsaustauschs im Gesundheitswesen ist die elektronische Patientenakte (ePA). Die ePA bietet Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, umfassende medizinische Informationen, beispielsweise zu Diagnosen und Befunden oder Allergie- und Unverträglichkeitsangaben, zur Unterstützung ihrer persönlichen medizinischen Behandlung bereitzustellen. Auf Wunsch kann Patientinnen und Patienten auch der elektronische Medikationsplan (eMP) bereitgestellt werden. Dieser trägt mit einem Überblick über die aktuellen Medikationsdaten dazu bei, die Sicherheit der Arzneimitteltherapie weiter zu erhöhen. Eine weitere wichtige Anwendung ist das elektronische Rezept (E-Rezept), das bereits bei der Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel ansetzt. Auch das E-Rezept unterstützt dabei, aktuelle Medikationsdaten und damit Anknüpfungspunkte zur AMTS zu berücksichtigen.

Weitere softwaregestützte Lösungen für Ärztinnen und Ärzte

Darüber hinaus haben weitere Entwicklungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen Einfluss auf die AMTS. Vermehrt kommen auch mobile Anwendungen, Big-Data-Anwendungen und Künstliche Intelligenz (KI) sowie elektronische Verordnungsplattformen, zentrale Datenbanken und Softwaremodule in der Gesundheitsversorgung zum Einsatz. Auch spezielle Softwarelösungen wie der Arzneimitteltherapiesicherheits-Check THERAFOX PRO zur Überprüfung von z. B. Arzneimittelinteraktionen, Kontraindikationen, Doppelmedikationen, oder Allergierisiken haben das Potenzial, die Arzneimitteltherapie sicherer zu machen.

Quellen:

  • Aktionsplan 2021–2024 des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland 
  • Faktenblatt ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
  • PraxisWissen: Mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie
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