Österreich

#23_INTEGRI 26 
„Integrierte Adipositas Versorgung in der Primärversorgung“ 

19. Juni 2024 | Walter Zifferer
#23_"Integrierte Adipositas Versorgung  in der Primärversorgung".
#23_"Integrierte Adipositas Versorgung in der Primärversorgung".

INTEGRI 26: 
"Integrierte Adipositas Versorgung in der Primärversorgung“ 

Einreicher*in: Gesundheitszentrum Reininghaus

  • Preis-Kategorie:
    Modellhafte integrierte Initiative
  • Projekt-Kategorie: 
    Projekt in Umsetzung

 

Ausgangssituation - wie lautet die Problemstellung?

"Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Betreuung erfordert. Mit der zunehmenden Nutzung von GLP-1-basierten Abnehmmedikamenten fehlt oft eine strukturierte, multiprofessionelle Begleitung zur nachhaltigen Lebensstiländerung. Ohne integrierte Versorgung besteht ein hohes Risiko für Gewichtszunahme nach Absetzen der Therapie. Es braucht daher ein koordiniertes, langfristiges Versorgungsmodell."

 

Kurzbeschreibung der Initiative

"Unser Projekt "Integrierte Adipositas Versorgung in der Primärversorgung" etabliert ein strukturiertes, multiprofessionelles Versorgungsprogramm für Patient*innen mit Adipositas, die eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten erhalten. Ziel ist es, medikamentöse Gewichtsreduktion mit nachhaltiger Lebensstilveränderung zu verbinden. Vor Therapiebeginn erfolgen medizinische Abklärung, Labor, diätologische Beratung sowie psychologische Einschätzung. Nach Start der Medikation werden Patient*innen kontinuierlich durch ein interprofessionelles Team aus Ärzt*innen, DGKP, Diätologie, Physiotherapie und Psychotherapie begleitet. Regelmäßige Kontrollen, Ernährungsumstellung, Bewegungsprogramme und Verhaltensarbeit sichern langfristige Effekte. Das Programm verhindert Fehlgebrauch der „Abnehmspritze“, stärkt Selbstwirksamkeit und erhöht die Chance, das erreichte Gewicht auch nach der medikamentösen Phase dauerhaft zu halten."

 

Zielsetzung

Wurden zwischen den Beteiligten gemeinsame Ziele vereinbart?

"Ja. Sichere und sinnvolle Anwendung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten (Ozempic, Mounjaro, Saxenda) bei ausgewählten Patient*innen; Vermeidung von Fehlgebrauch der "Abnehmspritze"; Ganzheitliche, multiprofessionelle Betreuung; Nachhaltige Gewichtsreduktion."
 

Welche gemeinsamen Ziele werden (darüber hinaus) zukünftig vereinbart?

"Telemedizin/Digitalisierung: Schaffung digitaler Möglichkeiten zur Optimierung der Patient*innen-Journey Forschung: Beteiligung an Forschungsprojekten zu ALS Weiterbildung für verschiedene (Berufs-) Gruppen zu ALS / Selbsthilfeangebote für Betroffene."


Welche zu erwartenden / konkreten Verbesserungen für Patient*innen (bzw. Klient*innen, Bewohner*innen, Angehörige, etc.) ergeben sich?

  • "≥5–10 % Gewichtsreduktion nach 6 Monaten
  • Verbesserung 0der Körperzusammensetzung (BIA-Messung)
  • Reduktion des Taillenumfangs
  • stabile Ernährungsgewohnheiten; gesteigerte körperliche Aktivität
  • Therapieadhärenz."
     

Welche zu erwartenden / konkreten Vorteile für Leistungserbringende ergeben sich?

"Definierte Aufnahmekriterien und klare Leitlinien erhöhen die Behandlungssicherheit. Standardisierte Abläufe stärken die interprofessionelle Zusammenarbeit. Die Einrichtung positioniert sich als kompetente Anlaufstelle für GLP-1- Therapie."
 

Welche zu erwartenden / konkreten Vorteile für Kostenträger ergeben sich?

"Nachhaltige Gewichtsreduktion und stabile Lebensstiländerungen senken langfristig Folgeerkrankungen. Der strukturierter Programmablauf verhindert Fehl- und Überversorgung mit GLP-1-Therapien und reduziert langfristige vermeidbare Folgekosten."
 

Welche zu erwartenden / konkreten volkswirtschaftlichen Auswirkungen hat dies?

"Reduzierte Krankheitslast und Komplikationen durch Adipositas, weniger Arbeitsausfälle, höhere Produktivität, geringere Kosten für Gesundheitssystem und Sozialversicherung durch strukturierte Therapie und nachhaltige Lebensstiländerungen."

 

Methode

Was ist geplant bzw. wurde unternommen, um die definierten Ziele zu erreichen?

"Um die Ziele zu erreichen, etablieren wir ein strukturiertes, multiprofessionelles Versorgungsprogramm für Adipositas Patient*innen mit definierten Einschluss- und Ausschlusskriterien. Vor Beginn der GLP-1-Therapie erfolgen medizinische Abklärung, Laboruntersuchungen, diätologische Beratung und psychologische Einschätzung. Während der Therapie werden Patient*innen kontinuierlich von einem Team aus Ärztinnen, DGKP, Diätologie, Physiotherapie und Psychotherapie begleitet. Regelmäßige Kontrollen gewährleisten die sichere Medikamentenanwendung, unterstützen Ernährungsumstellung und Etablierung eines Bewegungsprogramms und fördern langfristige Verhaltensänderungen. Der Therapieablauf und die Dokumentation erfolgen anhand eines standardisierten Protokolls innerhalb der Einrichtung."

 

Integration

Welche Versorgungsbereiche / Sektoren sind beteiligt?

  • "Ambulante Versorgung
  • Prävention

Welche Gesundheitsdiensteanbieter (GDA) bzw. Leistungserbringende aus anderen Bereichen sind beteiligt?

  • Ärzt*in für Allgemeinmedizin
  • Primärversorgungseinheit (PVE)
  • Pflege (-einrichtungen)
  • Diätolog*in
  • Physiotherapeut*in
  • Psychotherapeut*in

 

Welche konkreten Aktivitäten zur Beteiligung der PatientInnen (bzw. Klienten, Bewohner, Angehörige, etc.) gibt es / sind erforderlich?

"Patient*innen werden aktiv eingebunden durch: Erstgespräch bei Ärzt*in mit Anamnese und Aufklärung, Ernährungsberatung mit BIA-Messung, Zielsetzung und Ernährungsprotokoll, psychologische Begleitung zu Motivation und Rückfällen, Erstellung eines individuellen Trainingsplans in der Physiotherapie sowie regelmäßige Verlaufs- und Erfolgskontrollen inkl. Labor, Gewicht, Taillenumfang und Anpassung der Maßnahmen."
 

Beschreiben Sie die konkreten Aktivitäten zur Vernetzung der GDAs bzw. Leistungserbringenden aus anderen Bereichen.

"Die Vernetzung in der PVE wird durch einen standardisierten Behandlungsablauf und einheitliche Dokumentation sichergestellt. Regelmäßige interdisziplinäre Besprechungen zum Therapiefortschritt und fortlaufende Evaluation des Ablaufs ermöglichen koordinierte Entscheidungen, Optimierung der Maßnahmen und eine hochwertige, abgestimmte Patientenversorgung."
 

Welche Aufgaben übernimmt der Kostenträger?

"Die Sozialversicherung übernimmt die Finanzierung der Patient*innenbetreuung innerhalb der Richtlinien aus dem geltendem Gesamtvertrag für Primärversorungseinheiten."
 

Welche Prozesse der beteiligten Leistungserbringenden werden / wurden aufeinander abgestimmt?

"Die Abläufe von Ärztinnen, DGKP, Diätologie, Physiotherapie und Psychotherapie wurden aufeinander abgestimmt. Einheitliche Dokumentation, regelmäßige interdisziplinäre Besprechungen und gemeinsame Evaluierung des Therapiefortschritts sichern koordinierte Entscheidungen, optimieren Maßnahmen und gewährleisten eine durchgängige, hochwertige Patientenversorgung."
 

Welche erfolgskritischen Schnittstellen wurden identifiziert?

"Als erfolgskritische Schnittstelle wurde vor allem die langfristige Therapieadhärenz der Patient*innen identifiziert. Diese wird gefördert durch kontinuierliche Motivation innerhalb der psychotherapeutischen Begleitung sowie durch diätologische, physiotherapeutische und ärztliche Beratung. Als Modell wird hier die motivierende Ansprache zur Verhaltensänderung genutzt."

 

Patient*innenzentriertheit

Durch welche Maßnahmen wird gewährleistet, dass sich die Leistungen und die Leistungserbringenden an den Bedürfnissen der Patient*innen (bzw. Klient*innen, Bewohner*innen, Angehörige, etc.) orientieren?

"Die Leistungen orientieren sich an den Bedürfnissen der Patient*innen durch individuelle Zielsetzung, personalisierte Ernährungs- und Bewegungspläne, psychotherapeutische Begleitung, regelmäßige Feedbackgespräche sowie durch die regelmäßige Evaluierung des Programms im interdisziplinären Team."

 

Übertragbarkeit

Ist das Vorhaben in Bezug auf Indikation bzw. Population auf andere Regionen übertragbar?

"Ja."
 

Beschreiben Sie die Voraussetzungen dafür.

"Das Modell ist auf andere Primärversorgungseinheiten übertragbar. Voraussetzung ist ein interprofessionelles Team aus Ärzt*in, Diätologie, Physiotherapie, Psychotherapie/Psychologie und DGKP, standardisierte Abläufe, einheitliche Dokumentation, regelmäßige Teambesprechungen sowie Monitoring und Evaluierung, um Therapiequalität und patientenorientierte Versorgung sicherzustellen."

 

Kosten-Nutzen-Relation

Setzen Sie die Kosten Ihres Projektes mit dem (zu erwartenden) Nutzen in Bezug.

"Die Personalkosten für Ärzt*innen, DGKP, Diätologie, Physiotherapie, Psychotherapie/Psychologie und DGKP bilden die Hauptinvestition, welche teilweise durch Kostenersätze für die Primörversorgung durch die ÖGk gedeckt sind. Dem gegenüber steht der Nutzen für die Teilnehmer*innen: ≥5–10 % Gewichtsreduktion, stabile Lebensstiländerungen, höhere Therapieadhärenz und geringere Folgeerkrankungen, wodurch langfristig Kosten im Gesundheitssystem eingespart werden können."

 

Qualitätsmanagement

"Der PDCA-Zyklus umfasst: Plan: Festlegen individueller Therapieziele, Ernährungs- und Bewegungspläne sowie der Medikation. Do: Umsetzung durch Ärzt*in, DGKP, Diätologie, Physiotherapie, Psychotherapie inklusive Medikation. Check: Regelmäßige Kontrolle von Gewicht, Labor, BIA, Adhärenz und Fortschritt. Act: Anpassung der Maßnahmen und Optimierung der Abläufe basierend auf Ergebnissen zur Sicherung von Qualität und nachhaltigem Therapieerfolg."


Kommunikations- und Marketingkonzept

Beschreiben Sie das Kommunikations- und Marketingkonzept für die Umsetzung des beschriebenen Projekts.

"Da GLP-1-Rezeptoragonisten mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden sind, werden Patient*innen ausschließlich auf das Programm hingewiesen, wenn sie selbst den Wunsch nach der GLP1-Therapie äußern und Commitment zu langfristiger, begleitender Lebensstiländerung besteht. Die Information erfolgt gezielt durch die betreuende Ärztin in der PVE an betroffene Patient*innen."

 

Digitalisierung

Wird das Projekt oder einzelne Prozesse durch Informationstechnologie (IT) unterstützt bzw. ist eine solche angedacht?

"Nein."
 

Konzept für Evaluierungen

"Das Evaluierungskonzept zielt darauf ab, Wirksamkeit, Effizienz und Patient*innenzufriedenheit des Programms systematisch zu bewerten. Gemessen werden Patient*innenindikatoren wie Gewichtsreduktion (≥5–10 % nach 6 Monaten), Körperzusammensetzung (BIA), Taillenumfang, Stabilität von Ess- und Bewegungsgewohnheiten, Therapieadhärenz und selbstberichtete Lebensqualität. Prozessindikatoren umfassen Einhaltung des Behandlungsablaufs, Termintreue und Commitment zum Programmablauf. Monatliche Kontrollen sichern die laufende Beobachtung, während nach sechs Monaten eine Gesamtauswertung erfolgt, um Therapiepläne anzupassen und Entscheidungen über Fortsetzung oder Beendigung der medikamentösen Therapie zu treffen. Alle Daten werden standardisiert erfasst. Die Ergebnisse werden genutzt, um über den PDCA-Zyklus Abläufe, Patient*innenbetreuung und Therapieeffizienz kontinuierlich im interdisziplinären Team zu besprechen und zu optimieren."
 


Ansprechperson zur Einreichung

Gesundheitszentrum Reininghaus

Michaela Partel
PVE-Managerin
Am Steinfeld 
8020 Graz
management@gz-reininghaus.at

BEGRÜNDUNG DER INTEGRI-EXPERTENJURY

"Die Initiative erfüllt wesentliche Eigenschaften, die sie indikations- und populationsbezogen zu hervorragend übertragbaren Modelle machen."

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