"Die gesunden Lebensjahre in Österreich liegen unter dem EU-Schnitt, die Lebenserwartung hingegen liegt darüber. Viele Krankheiten, die durch Präventionsmaßnahmen vermieden oder hinausgezögert werden können, gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen unserer Zeit. Der Präventionspfad setzt genau hier an und soll dazu beitragen, den Ausbruch dieser Krankheiten zu verhindern oder zu verzögern."
"Der Präventionspfad ist ein Projekt des Landesinstituts für Integrierte Versorgung Tirol, Koordinationsstelle für Prävention. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre individuellen Gesundheitsrisiken zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten, langfristig gesund zu bleiben. Ausgangspunkt des Präventionspfads ist eine umfassende medizinische Vorsorge- oder Einschlussuntersuchung, die sowohl Risikofaktoren als auch individuelle gesundheitliche Potenziale identifiziert. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse kann eine Zuteilung an die Koordinationsstelle für Prävention erfolgen. In weiterer Folge erhalten die Teilnehmenden eine telefonische strukturierte Präventionsberatung in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Konsumverhalten sowie psychische und soziale Gesundheit mit personalisierten Empfehlungen für Präventionsangebote, die optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Bei den Angeboten handelt es sich überwiegend um Programme der Sozialversicherungen oder dem Land. Die Ergebnisse der Gespräche werden den zuweisenden Ordinationen rückgemeldet und dokumentiert.
In der ersten Projektphase konnten 37 Ordinationen für das Netzwerk des Präventionspfad gewonnen werden, an deren Zuteilungen die größten Bedarfe detektiert werden konnten. Diese werden in weiterer Folge strukturiert ausgewertet und können den Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt werden. Aus Sicht der Projektverantwortlichen sollen für die Umsetzung bestehende Strukturen und Synergien bestmöglich genutzt werden, Parallelstrukturen werden vermieden."
"Ja.
"Es wurde ein Netzwerk aus Allgemeinmediziner*innen aufgebaut, welche Teilnehmer*innen an den Präventionspfad zuteilen. Die anschließenden Beratungsgespräche werden durch eine*n Präventionsberater*in der Koordinationsstelle für Prävention durchgeführt. Den Teilnehmenden werden im Zuge dieser Beratungsgespräche verschiedene Angebote empfohlen, welche sie dabei unterstützen, ihre Risikofaktoren zu reduzieren. Die Beratungsgespräche werden dokumentiert und die Daten werden für unterschiedliche statistische Auswertungen genutzt."
"Der Präventionspfad ist in stetigem Austausch mit den unterschiedlichen Lesitungserbringern, an welche die Teilnehmenden vermittelt werden. Des weiteren finden zweimal jährlich Netzwerktreffen statt, um den Austausch und die Vernetzung der zuteilenden Netzwerkordinationen und des Projektteams zu fördern. Generell steht man Kooperationen und Vernetzungen sehr offen gegenüber."
"Vertreter*innen der Kostenträger sind Mitglieder in der Steuerungsgruppe und im Kernteam des Präventionspfad. Somit übernehmen sie wichtige Funktionen in der Weiterentwicklung, Strategie und in der Entscheidungsfindung des Präventionspfad."
"Im Präventionspfad wurden zentrale Prozesse zwischen den beteiligten Leistungserbringern abgestimmt. Dazu zählen die standardisierte Anmeldung der Patient:innen bei der Koordinationsstelle sowie die regelmäßigen follow-up Gespräche mit den Teilnehmer*innen inkl. der Rückmeldung an die zuteilende Ordination.
Ziel ist ein nahtloser Übergang zwischen medizinischer Untersuchung, Präventionsberatung und Umsetzung von Maßnahmen."
"Die Übergabe von der medizinischen Einschlussuntersuchung an die Koordinationsstelle für Prävention, die niederschwellige Zuteilung zu passenden Präventionsangeboten sowie die Rückmeldung über Teilnahme, Ergebnisse und Fortschritte. Entscheidend sind eine klare Kommunikation zwischen medizinischen Einrichtungen, Koordinationsstelle und Angebotsanbietern sowie transparente Information für Teilnehmende."
"Die Leistungen und die Leistungserbringung des Präventionspfad wird so niederschwellig wie möglich gehalten. Die Präventionsberatung orientiert sich stark an den Bedürfnissen der Teilnehmer:innen. Die Angebote werden den Teilnehmer*innen je nach persönlicher Lebenslage (z.B. Wohnort oder finanzielle Situation) empfohlen. Mit den externen Angebotserbringern besteht ebenfalls ein Austausch, um ein passgenaues und gezieltes Kohortenmanagement zu gewährleisten."
"Ja."
"Die Voraussetzungen für eine Übertragung auf andere/mehrere Regionen liegt in der Skalierung der Präventionsberater*innen. Das Konzept wurde stets unter dem Aspekt einer möglichen kostengünstigen und effizienten Skalierbarkeit verfasst. Zudem gibt es bereits Gespräche mit anderen Bundesländern, die an dem Konzept interessiert sind."
"Der Präventionspfad des Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol schließt die Lücke nach der hausärztlichen Konsultation durch strukturierte Begleitung von Personen mit Risikofaktoren bzw. Gesundheitspotenzialen. Mit vergleichsweise geringem Koordinationsaufwand können kostenintensive Folgeerkrankungen reduziert oder hinausgezögert werden. Dadurch ergibt sich eine positive Kostennutzenrelation für Individuum und Gesundheitssystem."
"Das Qualitätsmanagement des Präventionspfad am Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol basiert auf klar definierten Prozessen, standardisierter Dokumentation und regelmäßiger Evaluation. Kennzahlen wie Teilnahmequote und Zielerreichung werden analysiert, Rückmeldungen von Teilnehmenden und Partnern systematisch berücksichtigt. Auf dieser Basis werden Abläufe angepasst und weiterentwickelt, um Wirksamkeit und Effizienz nachhaltig zu sichern."
"Die Kommunikation und das Marketing läuft hauptsächlich über die Instrumente Flyer, Poster und Website.
Eine regelmäßige Berichterstattung, sowie der Besuch von Kongressen und Vernetzungstreffen tragen ebenfalls zur Kommunikation des Projektes bei.
Von breit gestreuteren Kommunikationsmaßnahmen wird abgesehen, da das Eingangstor die ärztliche Einschlussuntersuchung bei den Netzwerkärzt*innen ist und Selbstmelder*innen nicht die Zielgruppe sind."
"Ja".
"Der Einsatz einer digigtalen Präventionsakte zur Dokumentation und Verwaltung der Teilnehmer*innendaten ist geplant und befindet sich bereits in Umsetzung. Es handelt sich dabei um ein modulares System, welches optional erweiterbar ist, um das Kohortenmanagement zu verbessern und gegebenenfalls auf relevante Screenings oder (Impf)-Kampagnen aufmerksam machen zu können."
Die Präventionsakte ist nicht nur ein Tool zur Dokumentation, sondern auch ein Analyse- und Steuerungsinstrument für Prävention und hat somit einen Mehrwert für Forschung, Qualitätssicherung und die Entlastung des Versorgungssystems."
"Die digitale Präventionsakte wird als modulare, webbasierte Anwendung umgesetzt, die über eine sichere Authentifizierung erreichbar ist. Die Anwendung basiert auf einer zentralen relationalen Datenbank zur strukturierten Speicherung von Präventions-, Risiko- und Verlaufsdaten der Teilnehmenden.
Es werden rollenbasierte Zugriffe für Präventionsberater:innen ermöglicht sowie perspektivisch für zuweisende Gesundheitsdienstanbieter:innen. Zuweisungen, Beratungsdokumentationen, Follow-up-Informationen und Fragebogendaten werden standardisiert erfasst und sollen in Dashboards für Monitoring und Analyse aufbereitet werden.
Die Plattform ist interoperabel konzipiert, sodass künftig Schnittstellen zu bestehenden Gesundheits-IT-Systemen (z. B. Ordinationssoftware oder nationale eHealth-Infrastrukturen) möglich sein sollen. Datenschutz und Datensicherheit werden durch verschlüsselte Datenübertragung, Rechtemanagement und Speicherung nach europäischen Datenschutzstandards gewährleistet."
"3-5 Benutzer:innen der Koordinationsstelle für Prävention; Teilnehmende Gesundheitsdienstanbieter*innen sind derzeit nicht geplant, könnten in Zukunft aber auch als Benutzer der Präventionsakte mitgedacht werden."
1. Quantitative Analyse zentraler Kennzahlen
2. Quantitative Analyse der Daten in der Präventionsakte inkl. PREMs
3. Qualitative Evaluierung oder mixed-method-Ansatz
Wenn Sie sich für die Inhalte in den Anhängen interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit der INTEGRI-Projektleitung auf:
Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol
Koordinationsstelle für Prävention
Mag. LL.M. Hanna Wagner
Koordinatorin und Juristin
Bürgerstraße 15
6020 Innsbruck
hanna.wagner@tirol-kliniken.at