Österreich

#25_INTEGRI 26 
„Präventionspfad Tirol“ 

19. Juni 2024 | Walter Zifferer
#25_Präventionspfad Tirol.
#25_Präventionspfad Tirol.

INTEGRI 26: 
„Präventionspfad Tirol“ 

Einreicher*in: Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol, Koordinationsstelle für Prävention

  • Projektpartner*in:
    Alle SV-Träger, eingeschlossene Netzwerkärzt*innen, Land Tirol
  • Preis-Kategorie:
    Modellhafte integrierte Initiative
  • Projekt-Kategorie: 
    Projekt in Umsetzung

 

Ausgangssituation - wie lautet die Problemstellung?

"Die gesunden Lebensjahre in Österreich liegen unter dem EU-Schnitt, die Lebenserwartung hingegen liegt darüber. Viele Krankheiten, die durch Präventionsmaßnahmen vermieden oder hinausgezögert werden können, gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen unserer Zeit. Der Präventionspfad setzt genau hier an und soll dazu beitragen, den Ausbruch dieser Krankheiten zu verhindern oder zu verzögern."

 

Kurzbeschreibung der Initiative

"Der Präventionspfad ist ein Projekt des Landesinstituts für Integrierte Versorgung Tirol, Koordinationsstelle für Prävention. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre individuellen Gesundheitsrisiken zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten, langfristig gesund zu bleiben. Ausgangspunkt des Präventionspfads ist eine umfassende medizinische Vorsorge- oder Einschlussuntersuchung, die sowohl Risikofaktoren als auch individuelle gesundheitliche Potenziale identifiziert. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse kann eine Zuteilung an die Koordinationsstelle für Prävention erfolgen. In weiterer Folge erhalten die Teilnehmenden eine telefonische strukturierte Präventionsberatung in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Konsumverhalten sowie psychische und soziale Gesundheit mit personalisierten Empfehlungen für Präventionsangebote, die optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Bei den Angeboten handelt es sich überwiegend um Programme der Sozialversicherungen oder dem Land. Die Ergebnisse der Gespräche werden den zuweisenden Ordinationen rückgemeldet und dokumentiert.

In der ersten Projektphase konnten 37 Ordinationen für das Netzwerk des Präventionspfad gewonnen werden, an deren Zuteilungen die größten Bedarfe detektiert werden konnten. Diese werden in weiterer Folge strukturiert ausgewertet und können den Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt werden. Aus Sicht der Projektverantwortlichen sollen für die Umsetzung bestehende Strukturen und Synergien bestmöglich genutzt werden, Parallelstrukturen werden vermieden."

 

Zielsetzung

Wurden zwischen den Beteiligten gemeinsame Ziele vereinbart?

"Ja. 
 

Welche gemeinsamen Ziele werden (darüber hinaus) zukünftig vereinbart?

  • "Eine niederschwellige, individuelle und strukturierte Begleitung der Teilnehmend
  • Eine sinnvolle und effiziente Nutzung von bereits bestehenden Strukturen und Präventionsangebote."


Welche zu erwartenden / konkreten Verbesserungen für Patient*innen (bzw. Klient*innen, Bewohner*innen, Angehörige, etc.) ergeben sich?

  • "Verbesserte Gesundheitskompetenz
  • Verbesserter Überblick über bestehende Präventionsangebote
  • Verringerung der Risikofaktoren durch individuelle Begleitung
  • Mehr gesunde Lebensjahre."
     

Welche zu erwartenden / konkreten Vorteile für Leistungserbringende ergeben sich?

  • "Entlastung von Allgemeinmediziner*innen und Primärversorger*innen
  • Verbesserter Überblick über die Versorgungslandschaft"
     

Welche zu erwartenden / konkreten Vorteile für Kostenträger ergeben sich?

  • "Vermittlung an bestehende Angebote der SV-Träger und Land und eine damit verbundene bessere Auslastung
  • Überblick über die Inanspruchnahme und Bedarfe"
     

Welche zu erwartenden / konkreten volkswirtschaftlichen Auswirkungen hat dies?

  • "Präventionsmaßnahmen reduzieren langfristig die Zahl schwerer Erkrankungen und führen damit zu einer Entlastung des Gesundheitssystems
  • Allgemeinmediziner*innen werden entlastet, da ihnen die Beratung zu verschiedenen Angeboten abgenommen wird
  • Bestehende und geförderte Angebote werden durch die Vermittlung des Präventionspfads öfter genutzt."

 

Methode

Was ist geplant bzw. wurde unternommen, um die definierten Ziele zu erreichen?

"Es wurde ein Netzwerk aus Allgemeinmediziner*innen aufgebaut, welche Teilnehmer*innen an den Präventionspfad zuteilen. Die anschließenden Beratungsgespräche werden durch eine*n Präventionsberater*in der Koordinationsstelle für Prävention durchgeführt. Den Teilnehmenden werden im Zuge dieser Beratungsgespräche verschiedene Angebote empfohlen, welche sie dabei unterstützen, ihre Risikofaktoren zu reduzieren. Die Beratungsgespräche werden dokumentiert und die Daten werden für unterschiedliche statistische Auswertungen genutzt."

 

Integration

Welche Versorgungsbereiche / Sektoren sind beteiligt?

  • "Ambulante Versorgung
  • Gesundheitsförderung
  • Prävention
  • Sozialwesen"
     

Welche Gesundheitsdiensteanbieter (GDA) bzw. Leistungserbringende aus anderen Bereichen sind beteiligt?

  • "Kostenträger / Krankenkasse(n)
  • Krankenhaus / Sanatorium
  • Ärzt*in für Allgemeinmedizin
  • Fachärzt*in für Allgemeinmedizin
  • Gruppenpraxis
  • Primärversorgungseinheit (PVE)
  • Diätolog*in
  • Psychotherapeut*in
  • Mobile Dienste
  • Soziale Einrichtungen

 

Welche konkreten Aktivitäten zur Beteiligung der PatientInnen (bzw. Klienten, Bewohner, Angehörige, etc.) gibt es / sind erforderlich?

  • "Ärztliche Einschlussuntersuchung
  • Erstgespräch (Präventionsberatung)
  • Follow-up Gespräche mit der Präventionsberatung bzw. mit den zusteilenden Ordinationen"
     

Beschreiben Sie die konkreten Aktivitäten zur Vernetzung der GDAs bzw. Leistungserbringenden aus anderen Bereichen.

"Der Präventionspfad ist in stetigem Austausch mit den unterschiedlichen Lesitungserbringern, an welche die Teilnehmenden vermittelt werden. Des weiteren finden zweimal jährlich Netzwerktreffen statt, um den Austausch und die Vernetzung der zuteilenden Netzwerkordinationen und des Projektteams zu fördern. Generell steht man Kooperationen und Vernetzungen sehr offen gegenüber."
 

Welche Aufgaben übernimmt der Kostenträger?

"Vertreter*innen der Kostenträger sind Mitglieder in der Steuerungsgruppe und im Kernteam des Präventionspfad. Somit übernehmen sie wichtige Funktionen in der Weiterentwicklung, Strategie und in der Entscheidungsfindung des Präventionspfad."
 

Welche Prozesse der beteiligten Leistungserbringenden werden / wurden aufeinander abgestimmt?

"Im Präventionspfad wurden zentrale Prozesse zwischen den beteiligten Leistungserbringern abgestimmt. Dazu zählen die standardisierte Anmeldung der Patient:innen bei der Koordinationsstelle sowie die regelmäßigen follow-up Gespräche mit den Teilnehmer*innen inkl. der Rückmeldung an die zuteilende Ordination.

Ziel ist ein nahtloser Übergang zwischen medizinischer Untersuchung, Präventionsberatung und Umsetzung von Maßnahmen."
 

Welche erfolgskritischen Schnittstellen wurden identifiziert?

"Die Übergabe von der medizinischen Einschlussuntersuchung an die Koordinationsstelle für Prävention, die niederschwellige Zuteilung zu passenden Präventionsangeboten sowie die Rückmeldung über Teilnahme, Ergebnisse und Fortschritte. Entscheidend sind eine klare Kommunikation zwischen medizinischen Einrichtungen, Koordinationsstelle und Angebotsanbietern sowie transparente Information für Teilnehmende."

 

Patient*innenzentriertheit

Durch welche Maßnahmen wird gewährleistet, dass sich die Leistungen und die Leistungserbringenden an den Bedürfnissen der Patient*innen (bzw. Klient*innen, Bewohner*innen, Angehörige, etc.) orientieren?

"Die Leistungen und die Leistungserbringung des Präventionspfad wird so niederschwellig wie möglich gehalten. Die Präventionsberatung orientiert sich stark an den Bedürfnissen der Teilnehmer:innen. Die Angebote werden den Teilnehmer*innen je nach persönlicher Lebenslage (z.B. Wohnort oder finanzielle Situation) empfohlen. Mit den externen Angebotserbringern besteht ebenfalls ein Austausch, um ein passgenaues und gezieltes Kohortenmanagement zu gewährleisten."

 

Übertragbarkeit

Ist das Vorhaben in Bezug auf Indikation bzw. Population auf andere Regionen übertragbar?

"Ja."
 

Beschreiben Sie die Voraussetzungen dafür.

"Die Voraussetzungen für eine Übertragung auf andere/mehrere Regionen liegt in der Skalierung der Präventionsberater*innen. Das Konzept wurde stets unter dem Aspekt einer möglichen kostengünstigen und effizienten Skalierbarkeit verfasst. Zudem gibt es bereits Gespräche mit anderen Bundesländern, die an dem Konzept interessiert sind."

 

Kosten-Nutzen-Relation

Setzen Sie die Kosten Ihres Projektes mit dem (zu erwartenden) Nutzen in Bezug.

"Der Präventionspfad des Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol schließt die Lücke nach der hausärztlichen Konsultation durch strukturierte Begleitung von Personen mit Risikofaktoren bzw. Gesundheitspotenzialen. Mit vergleichsweise geringem Koordinationsaufwand können kostenintensive Folgeerkrankungen reduziert oder hinausgezögert werden. Dadurch ergibt sich eine positive Kostennutzenrelation für Individuum und Gesundheitssystem."

 

Qualitätsmanagement

Beschreiben Sie den in Ihrem Projekt vorgesehenen PDCA-Zyklus (Minimalanforderung: Prozess- und Ergebnisindikatoren inklusive Intervalle).

"Das Qualitätsmanagement des Präventionspfad am Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol basiert auf klar definierten Prozessen, standardisierter Dokumentation und regelmäßiger Evaluation. Kennzahlen wie Teilnahmequote und Zielerreichung werden analysiert, Rückmeldungen von Teilnehmenden und Partnern systematisch berücksichtigt. Auf dieser Basis werden Abläufe angepasst und weiterentwickelt, um Wirksamkeit und Effizienz nachhaltig zu sichern."

 

Kommunikations- und Marketingkonzept

Beschreiben Sie das Kommunikations- und Marketingkonzept für die Umsetzung des beschriebenen Projekts.

"Die Kommunikation und das Marketing läuft hauptsächlich über die Instrumente Flyer, Poster und Website.

Eine regelmäßige Berichterstattung, sowie der Besuch von Kongressen und Vernetzungstreffen tragen ebenfalls zur Kommunikation des Projektes bei.

Von breit gestreuteren Kommunikationsmaßnahmen wird abgesehen, da das Eingangstor die ärztliche Einschlussuntersuchung bei den Netzwerkärzt*innen ist und Selbstmelder*innen nicht die Zielgruppe sind."

 

Digitalisierung

Wird das Projekt oder einzelne Prozesse durch Informationstechnologie (IT) unterstützt bzw. ist eine solche angedacht?

"Ja".
 

Welche digitalen Systeme kommen zum Einsatz?

"Der Einsatz einer digigtalen Präventionsakte zur Dokumentation und Verwaltung der Teilnehmer*innendaten ist geplant und befindet sich bereits in Umsetzung. Es handelt sich dabei um ein modulares System, welches optional erweiterbar ist, um das Kohortenmanagement zu verbessern und gegebenenfalls auf relevante Screenings oder (Impf)-Kampagnen aufmerksam machen zu können."
 

Beschreiben Sie die Funktionalitäten dieser digitalen Systeme.

  • "Digitale Ablage & Dokumentation aller Präventionsdaten
  • Ganzheitliche Übersicht über Präventions- und Vorsorgeprogramme
  • Unterstützung für Ärzt:innen, Teilnehmer:innen & Koordinationsstelle
  • Webanwendung mit sicherem Login
  • Zuweisungen, Dokumenten-Uploads & Verlaufskontrolle
  • Dashboards & Datenexporte
  • App mit Erinnerungen & Fragebögen
  • Datenplattform für Kohortenmanagement & Analysen
  • Zugriffssteuerung, Rechtemanagement

Die Präventionsakte ist nicht nur ein Tool zur Dokumentation, sondern auch ein Analyse- und Steuerungsinstrument für Prävention und hat somit einen Mehrwert für Forschung, Qualitätssicherung und die Entlastung des Versorgungssystems."
 

Beschreiben Sie das technische Konzept.

"Die digitale Präventionsakte wird als modulare, webbasierte Anwendung umgesetzt, die über eine sichere Authentifizierung erreichbar ist. Die Anwendung basiert auf einer zentralen relationalen Datenbank zur strukturierten Speicherung von Präventions-, Risiko- und Verlaufsdaten der Teilnehmenden.

Es werden rollenbasierte Zugriffe für Präventionsberater:innen ermöglicht sowie perspektivisch für zuweisende Gesundheitsdienstanbieter:innen. Zuweisungen, Beratungsdokumentationen, Follow-up-Informationen und Fragebogendaten werden standardisiert erfasst und sollen in Dashboards für Monitoring und Analyse aufbereitet werden.

Die Plattform ist interoperabel konzipiert, sodass künftig Schnittstellen zu bestehenden Gesundheits-IT-Systemen (z. B. Ordinationssoftware oder nationale eHealth-Infrastrukturen) möglich sein sollen. Datenschutz und Datensicherheit werden durch verschlüsselte Datenübertragung, Rechtemanagement und Speicherung nach europäischen Datenschutzstandards gewährleistet."
 

Geben Sie die Anzahl der Benutzer und die Anzahl der teilnehmenden GDAs an, welche die angegebenen digitalen Systeme benutzen.

"3-5 Benutzer:innen der Koordinationsstelle für Prävention; Teilnehmende Gesundheitsdienstanbieter*innen sind derzeit nicht geplant, könnten in Zukunft aber auch als Benutzer der Präventionsakte mitgedacht werden."

 

Konzept für Evaluierungen

"Die Ziele des Evaluationskonzeptes sind

  • Frühzeitige Identifikation von Erfolgsfaktoren und Lücken
  • Reichweite, Qualität und Wirkung sichtbar machen
  • Nachvollziehbarer Mitteleinsatz
  • Unterstützung bei Weiterentwicklung und Verstetigung
  • Belastbare Datengrundlage für Fördergeber und Entscheidungsträger

 

Der vorgesehene Evaluationsansatz wurde wie folgt dargestellt:

1. Quantitative Analyse zentraler Kennzahlen

2. Quantitative Analyse der Daten in der Präventionsakte inkl. PREMs

3. Qualitative Evaluierung oder mixed-method-Ansatz

 

Die angewandte Methodik beschreibt

  • Deskriptive Statistik (Häufigkeiten, Lagemaße, Streumaße, usw.)
  • Darstellung kategorialer Variablen in absoluten und relativen Häufigkeiten
  • Darstellung quantitativer Variablen mittels MW±STABW oder Median (IQR)
  • Visualisierung (von Trends) in Tabellen, Grafiken und Zeitverläufen
  • Inferenzstatistische Verfahren (z.B. Gruppenvergleich) bei Bedarf (Signifikanzniveau p<0,05)
  • Software: R, Stata, SPSS, usw."
     

Anhang

  • Anhang 1: Projektkosten und ggf. Finanzierungsplan
  • Anhang 2: Projektlogo


Wenn Sie sich für die Inhalte in den Anhängen interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit der INTEGRI-Projektleitung auf:


Ansprechperson zur Einreichung

Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol
Koordinationsstelle für Prävention

Mag. LL.M. Hanna Wagner
Koordinatorin und Juristin
Bürgerstraße 15
6020 Innsbruck
hanna.wagner@tirol-kliniken.at

BEGRÜNDUNG DER INTEGRI-EXPERTENJURY

"Die Initiative überzeugt durch die breite Einbindung und Vernetzung der Versorgungssektoren."

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