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Viele Wege zur Assistenz am Krankenbett

29. November 2022 | Norbert Peter
Krankenpflegerin betreut ältere Patientin im Spitalsbett.
Krankenpflegerin betreut ältere Patientin im Spitalsbett.

Die Pflegereform versucht diverse Ausbildungspfade mit pekuniären Anreizen attraktiver zu gestalten. Die Schulung zur Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz soll die dünne Personaldecke kurzfristig stärken.

Nicht wenige haben es schon vor Corona erkannt, aber die Pandemie serviert es auf dem Silbertablett: Das österreichische Gesundheitssystem hat einen Pflegenotstand. 

Dieser nährt sich aus dem Personalmangel und der daraus entstehenden Überforderung derjenigen, die noch in der Pflege tätig sind. Die dann nach mehr oder weniger langer Höchstbelastung erschöpft das Feld räumen. Eine der vielen Befürchtungen: dass in der Not Dienste an Kranken geleistet werden, für die die Mitarbeiter nicht ausgebildet sind. Eine Deprofessionalisierung nähme ihren Lauf, Experten warnen schon vor „deutschen Verhältnissen“. 

Dort mahnte schon zu Beginn des Jahres 2021 die Vizepräsidentin des deutschen Pflegerates (DPR) Christine Vogler: „Die akademische Ausbildung der Pflege bricht ein.“ 

„Wir müssen in der Ausbildung bunter werden, um den zukünftigen Mangel zu kompensieren“, meint Bernhard Rauter, Pflegedirektor vom Klinikum Klagenfurt am Wörthersee. Der ehemalige Intensivkrankenpfleger und studierte Betriebswirt sieht immer mehr Herausforderungen auf das Gesundheitswesen zukommen: „Durch den Personalmangel werden die multidisziplinären Versorgungsteams an Bedeutung gewinnen: Ärzteschaft, Pflege, Therapeutische Berufe, Sozialarbeit. Auch extramural wird uns der Fachkräftemangel treffen, vielleicht zeitverzögert.“ 

Eine der Antworten, die man in der Klinik Klagenfurt gibt, ist die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz, wie sie auch schon in Tirol und Salzburg angeboten wird.

 

Neue Kompetenzen für Assistenten

Die im Frühjahr präsentierte Pflegereform soll ihren Beitrag zu einer gesunden Zukunft leisten. Ein Teil davon ist eine Korrektur im Ausbildungsangebot. Kernstück ist die Aufwertung der Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten (PA) beziehungsweise Pflegefachassistentinnen und Pflegefachassistenten (PFA). Beide Ausbildungen gibt es schon länger. Nun sollen sie aber mehr Kompetenzen erhalten. Damit sollen die diplomierten Pflegekräfte entlastet werden: Eine weitere Säule in der Ausbildung stellt das dreijährige FH-Studium für Gesundheits- und Krankenpflege dar, das mit einem akademischen Grad schließt, dem „Bachelor of Science in Health Studies (BSc)“. 

Von dort und aus Gesundheits- und Krankenpflegeschulen kommen weiterhin diplomierte Pflegekräfte auf den Markt. Diese aber fühlen sich bei der Reform übergangen, weil eine Aufwertung ihrer Tätigkeit in der Pflegereform unterlassen wurde. Obwohl dafür ausgebildet, bleiben die Aufgaben der akademisierten und diplomierten Pflegekräfte auf Drängen der Ärztekammer weiterhin beschränkt, heißt es von Pflegerseite.

Die Ausbildung von PA wird an Gesundheits- und Krankenpflegeschulen angeboten und dauert ein Jahr. Jene der PFA läuft über zwei Jahre. Seit der Pflegereform dürfen beide Berufsgruppen künftig auch neue Aufgaben übernehmen: nämlich das Ab- und Anschließen laufender Infusionen bei liegendem periphervenösen Gefäßzugang, die Aufrechterhaltung dessen Durchgängigkeit sowie gegebenenfalls die Entfernung desselben. Ausgenommen davon bleiben Zytostatika mit Vollblut oder Blutbestandteilen.

Für die PFA ist eine zusätzliche Kompetenzerweiterung vorgesehen: das Legen, der Wechsel und die Entfernung von subkutanen und periphervenösen Verweilkanülen sowie die Verabreichung von subkutanen Injektionen und ebensolchen Infusionen.

Schon bisher waren zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Als PA durfte man beispielsweise neben der Durchführung von Grundtechniken der Pflege und Mobilisation und der Dokumentation von Pflegemaßnahmen auf schriftliche Anordnung auch Arzneimittel verabreichen, Verbände anlegen und den Blutdruck messen. Wie bei den PA liegt bei den PFA ebenfalls der Schwerpunkt in der Unterstützung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege. Auch hier gehören die Pflege und die Mobilisation zu den Kernaufgaben. Hinzu kommt unter anderem das Setzen eines transurethralen Katheters bei der Frau. Die Tatsache, dass für die PFA der Tätigkeitsbereich ähnlich definiert ist, bietet Kritikern Angriffsfläche. Die Gefahr besteht, dass man vorwiegend PA einsetzt, da sie günstiger kommen als PFA oder gar diplomierte Pflegekräfte.

Das liegt auch daran, dass sich auch die Einsatzorte decken. Neben Kliniken und Pflegekrankenhäusern kommen auch Pflegeheime, Wohngemeinschaften, Hospize und die Hauskrankenpflege infrage. Ein Upgrade ist übrigens jederzeit möglich. PA, die früher noch Pflegehelferinnen und Pflegehelfer hießen, können mit einer verkürzten Ausbildung rechnen, wenn sie doch PFA werden wollen. In einem Jahr können sie ihre Kompetenz und ihr Wissen im Umgang mit kranken Menschen vertiefen.

 

Pflegeassistenz hat Zukunft

Schon die Tatsache, dass es die Pflegeassistenz unbefristet weitergeben soll, ist ein Zugeständnis an die herausfordernde Personalsituation in den Kranken- und Pflegeeinrichtungen. Eigentlich war ihr Auslaufen zugunsten der Pflegefachassistenz geplant. Der Weg zur PA und PFA führt aber nicht nur über Gesundheits- und Kranken­pflegeschulen, die meist an Kliniken angegliedert sind. 

Ein neuer Weg führt über den Schulversuch „Pflege mit Matura“: In diesem Fall führt die Ausbildung über fünf Jahre in Höheren Lehranstalten. Standorte gibt es im ganzen Land, wie zum Beispiel im Multiaugustinum im Lungau oder in Niederösterreich im Bildungszentrum der Caritas für Gesundheits- und Sozialberufe Gaming.


Alternativ dazu kommt man über Fachschulen mit dreijähriger Ausbildung seinem Traumberuf näher. Standorte gibt es unter anderem in den HLW Innsbruck, Feldkirch und Bad Ischl. Nägel mit Köpfen macht man in der Steiermark: Die Fachschule für Sozialberufe Mureck bietet in Kooperation mit der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Bad Radkersburg eine neue dreieinhalbjährige Schulform mit Pflegeassistenzausbildung an. Nach drei Jahren Fachschule wechselt man für ein halbes Jahr in die Kranken­pflegeschule.

 

Berufsbildende Schulen: Erfolgreicher Schulversuch

Lob gibt es dafür von jemandem, der sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befasst. Waltraud Haas-Wippel war bis vor Kurzem noch Pflegedienstleiterin der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz und unterrichtete an der Universität Graz am Institut für Pflegewissenschaft. Auch politisch setzte sie sich lange für eine Verbesserung der Situation der Pflegekräfte ein. In der Pension ist sie stets gefragte Keynote Speakerin und nach wie vor als Sachverständige und Gutachterin im Einsatz. 

Dass man nun auch über die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMS und BHS) zur Pflegeausbildung kommt, hält sie für einen wichtigen Schritt. 

Interessierte können in der BMS mit der mittleren Reife auch Lehrinhalte einer weiterführenden Pflegeausbildung vorziehen, in der BHS bekommt man neben der Matura auch einen Abschluss in der Pflegefachassistenz.

Der Vorteil gegenüber früher: Die Ausbildung kann schon mit der neunten Schulstufe beginnen. Da sind die meisten Jugendlichen 14 Jahre alt. In anderen Modellen gibt es das Mindestalter von 17 Jahren. 

„Somit fällt für die jungen Menschen die Stehzeit weg“, zeigt sich die Expertin von dieser Lösung überzeugt. „Und es handelt sich um Ausbildungen, die eine weitere Fortbildung ermöglichen, bis hin zum Bachelor, also zum gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege.“ Und dass die Bundesregierung dafür ein Budget von bis zu 350 Millionen Euro vorsieht, bedeutet für Waltraud Haas-Wippel, dass diese Ausbildungsform nun endgültig im Regelschulsystem ankommt, geplanter Weise 2023/24. Bis jetzt wurde sie als Schulversuch geführt. Eine Pflegelehre hingegen hält sie für eine Sackgasse.

 

8.000 neue Ausbildungsplätze

„Mit der Schaffung der neuen Pflegeschulen setzen wir einen wichtigen Part der Pflegereform der Bundesregierung um. Dabei trägt der Bildungsbereich entscheidend dazu bei, mittel- und langfristig Pflegekräfte in Österreich gut ausbilden zu können“, so Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) in einer Aussendung. Aufgefettet wird das Vorhaben auch pekuniär: Durch einen monatlichen Zuschuss von 600 Euro für die Zeit der Pflichtpraktika soll die Ausbildung an mittleren und höheren Lehranstalten für Pflege und Sozialbetreuung auch finanziell attraktiv werden. Langfristig sollen die Maßnahmen 8.000 zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen. 

Quelle: ÖKZ, 63. JG, 11/2022, Springer-Verlag.

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