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Starke Auswirkung der Pandemie auf Kinder-Psyche

6. April 2022 | APAMED (APA-OTS)
Depressives Kind
Depressives Kind

Experten sind über die Häufigkeit der psychischen Erkrankungen und Störungsbilder bei Kinder und Jugendlichen besorgt. Gerade die Belastungen durch die Folgen der Corona-Pandemie haben sich auf junge Menschen deutlich ausgewirkt. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien forderte anlässlich des Weltgesundheitstages am Donnerstag (7. April) mehr Versorgungsmöglichkeiten. Die Wiener Grünen wollen einen Kindergesundheitsgipfel.

Psychische Erkrankungen stellen eine Beeinträchtigung der Körper-Seele-Einheit mit Auswirkungen auf den gesamten Lebenskontext eines betroffenen Menschen dar. Bereits von einem Jahr hat eine Studie der Donau-Uni Krems und der Medizinischen Universität Wien (rund 3.000 Befragte) gezeigt, dass sich die psychischen Gesundheit von Schülern durch die Corona-Pandemie massiv verschlechtert hat. Demnach zeigten 56% der Über-14-Jährigen eine depressive Symptomatik, die Hälfte zeigte Angstsymptome. Die Häufigkeit dieser Beschwerden hat sich, wie auch jene von Schlafstörungen, demnach verfünft- bis verzehnfacht. Bereits 16 Prozent haben suizidale Gedanken, auch das ist ein deutlicher Anstieg.

Nach zwei Jahren Pandemie hat sich die Situation nicht wirklich verbessert. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft beklagte am Mittwoch in einer Aussendung die anhaltend unzureichende psychosoziale und psychotherapeutische Versorgung und bezeichnete die Situation als "prekär". Gesundheit sei der Schlüssel für eine bestmögliche Entwicklung von Kindern, denn sie sei Voraussetzung sein Potenzial entfalten zu können, am beruflichen und sozialen Leben teilzuhaben, leistungsfähig zu bleiben und nicht zuletzt am Zusammenhalt der Gesellschaft mitzuwirken.

Dunja Gharwal,<br>Kinder- und Jugendanwältin<br> 
Dunja Gharwal, Kinder- und Jugendanwältin

Ein Kind kann nur dann als psychisch gesund bezeichnet werden, wenn es mit den altersüblichen Lebensbelastungen umgehen kann und weder im sozialen noch im schulischen Umfeld unter Ängsten, Depressionen oder Unsicherheiten leidet.

Dunja Gharwal,
Kinder- und Jugendanwältin
 

Nach zwei Jahren der COVID-19-Pandemie bedarf es mehr denn je rascher, kostenfreier sowie niederschwelliger Angebote für junge Menschen zur Verbesserung ihrer Gesundheitsversorgung. Der UN-Kinderrechtsausschuss hat sich in seinem jüngsten Staatenprüfprozess Österreichs vom März 2020 - also bereits vor der Corona Krise - besorgt über die Häufigkeit der psychischen Erkrankungen und Störungsbilder bei Kinder und Jugendlichen gezeigt. 

"Auch für die Psyche braucht es ein Schutzschild, denn solange man leidet, kann man nicht als gesund bezeichnet werden", erklärte der Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs und forderte, die längst fällige Gesundheitsprävention als auch Gesundheitsversorgung für Kinder anzuheben.

Auch die Wiener Grünen verlangten am Mittwoch, "diese Unterversorgung rasch" zu beseitigen. "Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Wien ist höchst mangelhaft", kritisierte Gesundheitssprecherin Barbara Huemer

"Nach der Wochenendschließung der Kinderpsychiatrie in Hietzing wird sich die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen weiter verschlechtern. Viele Familien wurden schon bisher abgewiesen oder auf lange Wartelisten vertröstet. Ab Juli gibt es dann nur mehr eine einzige bettenführende Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie in ganz Wien, die auch am Wochenende offen hat", so Huemer.

Die Grüne Gesundheitssprecherin forderte wegen der Dringlichkeit der Situation die Einsetzung eines Wiener Krisengipfels zur Kindergesundheit, um alle Betroffenen - von den Kinderärztinnen und -ärzten bis zu den Eltern - mit der Politik an einen Tisch zu bringen. "Der Bereich der Kindergesundheit ist voller Baustellen", so Huemer. Bei dem Gipfel sollen dann Lösungsvorschläge ausgearbeitet werden.

Die Betreuungssituation an den Schulen sei ähnlich mangelhaft, führten die Grünen weiters aus. Schulärzte seien nur wenige Stunden an Ort und Stelle und bräuchten mehr Unterstützung durch Fachpersonal wie Psychotherapeuten, Logotherapeuten oder Ergotherapeuten. Auch die Versorgung durch Kinderärzte mit Kassenvertrag werde immer weniger und die deutliche Mehrheit der Kindermediziner seien Wahlärzte.

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