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Künstliche Intelli­genz ist die neue Dampf­maschine

23. Juni 2019 | APAMED
Dampflokomotive

Der gesellschaftliche Wandel ist derzeit vor allem Technologie-getrieben. Das Zentrum ist das Silicon Valley in Kalifornien. Dorthin strömen derzeit IT-Wissen­schaftler, Medizin­forscher - und das große Geld. Dies erklärte beim Austrian Health Forum in Leogang Thomas Schulz, "Spiegel"-Wirtschafts­korres­pondent und Buchautor zum Thema KI und Medizin.

"Die Künstliche Intelligenz wird zu einer Basis­technologie wie ehemals die Dampf­maschine oder die Elektrizität. Alles, was da interessant ist, spielt sich derzeit im Silicon Valley ab. Der größte Faktor ist dort das riesige Netzwerk. Jeder bringt Wissen mit, das geteilt wird. Was techno­logisch funktioniert und was nicht funk­tioniert, wird ausge­tauscht. Sack­gassen in techno­logischer Hinsicht fallen schnell auf. Als die Algo­rithmen aus den 1980er-Jahren 2013 auf den Computern als KI zu funk­tionieren begannen, dauerte es in Kalifornien vier Monate, bis alle daran arbeiteten. Es hat drei Jahre gebraucht, bis das in Mittel­europa jemand aufgenommen hat", sagte der Journalist.

So disruptiv in Zukunft das autonome Auto­fahren für den Individual­verkehr sein dürfte, das ganz große Geld - weil dort jetzt schon in den ent­wickelten Staaten ein ständig wachsender Teil des BIP einfließt - wird auf diesem Gebiet von Gesund­heit und Medizin erwartet. "Da gibt es das Unter­nehmen Grail in Silicon Valley, das um die Ecke von Face­book per Liquid Biopsy (gene­tische Marker im Blut; Anm.) ein Krebs-Screening schaffen will. Wenn sich hundert Millionen Menschen einmal im Jahr unter­suchen lassen und pro Patient zwei Terabyte Daten vorhanden sind, sieht man, was da bewegt werden soll. Der Gründer, ein ehe­maliger Google-Manager, hat eine Milliarde US-Dollar Start­kapital. Die zweite Milliarde ist auf dem Weg", schilderte Schulz.

Ein paar Schritte weiter finde sich Organovo. Das Unter­nehmen versucht, Organ­gewebe aus dem 3D-Printer zu schaffen. Leber­gewebe über­lebt bereits zwei Monate, was zumindest die Anwendung in Experi­menten erlaubt, schilderte der "Spiegel"-Korres­pondent. Das erfolge mit 500 Mil­lionen US-Dollar Risiko­kapital. Und der Chan Zuckerberg Biohub wolle mit 600 Mil­lionen US-Dollar Finanz­aus­stattung einen Blut­test auf alle möglichen Infek­tionen entwickeln.

Der Unterschied zu Europa, wie Schulz erklärte: "Es hat sich dort ein uner­hörter Forschungs­opti­mismus durch­gesetzt. (...) Wir haben uns in Europa stark zum Skepti­zismus entwickelt."

Trotzdem, die neuen technologischen Möglich­keiten von Bio­infor­matik, Molekular­bio­logie, Next-Gene­ration-Sequencing und Künst­licher Intelli­genz zum Daten­manage­ment sind im Prinzip Werk­zeuge, welche die Wissen­schaft auch demo­krati­sieren können. 

"In Schott­land bemerkte man in einer kleinen Klinik an einer Patientin nach einer Hüft­operation, dass sie nach der Operation keine Schmerz­mittel benötigte. Das war auch schon bei einer anderen Operation der Fall gewesen. Mit Genom­sequen­zierung hat man neue Muta­tionen fest­ge­stellt, die dafür ver­ant­wort­lich sein könnten. Acht Wochen später waren schon Pharma­unter­nehmen da, welche nach möglichen Therapie­zielen suchen wollen." 

Das Fazit: Modernstes Daten­manage­ment und Bio­infor­matik werden sich an viel mehr Orten als jetzt ver­breiten und so zu einer Demo­krati­sierung der Forschung beitragen.

Die Schnelligkeit der Entwicklung kann aller­dings auch Gefahren bieten. "Neue Gen­therapien werden von den Arznei­mittel­behörden oft im Fast-Track-Ver­fahren zugelassen. Eine Nutzen-Risiko-Abschätzung ist da aus­ge­sprochen schwierig", meinte der Jour­nalist. Für solche Therapien werden aber von den Pharma­kon­zernen sofort Preise bis in die Millionen Euro hinein verlangt.

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