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Sichere medizinische Behand­lungs­wege für Öster­reichs Patient*innen

30. Januar 2026 | APAMED (APA-OTS)
Labyrinth.
Labyrinth.

Österreichs Allgemeinmediziner*innen und Internist*innen wollen einen Ausweg zu zeit- und kostenintensiven sowie die Ressourcen verstopfenden Patientenirrwegen durch das Labyrinth des fragmentierten Gesundheitswesens bieten. Sie entwickeln gemeinsam Behandlungspfade mit qualitativ hochstehender und effizienter Versorgung, hieß es am Mittwoch bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

"Die Freiheit der Arztwahl ist eine Drei-Klassen-Medizin: Kassenmedizin, Zusatzversicherung - und man kennt jemand", sagte Alexander Rosenkranz, Nephrologe von der Grazer Universitätsklinik und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM).

"Kontinuität und Koordination (in der ärztlichen Versorgung; Anm.) ersparen Leid, Geld und Folgekosten. Patienten leben länger, sind weniger krank, Prävention wirkt besser", erklärte Stephanie Poggenburg, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM). Der strukturelle Vorteil einer kontinuierlichen und geplant abgestuften medizinischen Versorgung liege in weniger Inanspruchnahme von Krankenhäusern und Notfallambulanzen. "Und wir sparen Geld", sagte die Allgemeinmedizinerin.

 

Zwischen Primärversorgung und spezialisierter Klinik

In Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium haben die Fachgesellschaften der Allgemeinmediziner und der Internisten einen ersten gemeinsamen Behandlungspfad zwischen Hausarztpraxis bzw. Primärversorgungseinheit, niedergelassenen Internisten und spezialisierten nephrologischen Ambulanzen bzw. Spitalsabteilungen erarbeitet. Mehr als ein Dutzend weitere (kardiologisch, rheumatologisch etc.) sollen folgen. Mit den vorhandenen Facharzt-Zusatztiteln für Spezialfächer der Internen Medizin könnte man auf rund hundert kommen, betonte Rosenkranz.

Derzeit würde von manchen Proponenten des Gesundheitssystems in Sachen Steuerung der Patientenströme teilweise auf das falsche Pferd gesetzt, betonte ÖGAM-Vizepräsidentin Susanne Rabady: "Es gibt einen Trend in Richtung 1450-Telefondienst. Wir sehen das große Ziel aber in einer kontinuierlichen Primärversorgung." Nur über die langfristige Betreuung von Patienten in der Allgemeinmedizin - sei es über PVEs oder Hausarztordinationen - könne eine koordinierte, strukturierte, qualitativ hochstehende sowie gleichzeitig Ressourcen-schonende Medizin gewährleistet werden.

Häufig vorkommende Schmerzsymptome im Brustbereich nannte ÖGAM-Generalsekretär Anton Wankhammer als Beispiel: "Die Ursache kann in sechs bis sieben verschiedenen medizinischen Fachgebieten liegen." Kardiologie, Orthopädie, Gastroenterologie und andere mehr kämen infrage. Die Ersteinschätzung - abseits von akut lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Problemen - erfolge am besten über den Allgemeinmediziner, der den Betroffenen auch möglichst längerfristig kenne.

 

Call-Center-Medizin nur bedingt tauglich

Susanne Rabady: "Nach Ausschluss einer lebensbedrohlichen Situation geht die Abklärung beim Allgemeinmediziner super schnell." Dieser könne auch allfällige weitere Schritte einleiten, die Inanspruchnahme von Fachärzten planen und die Betreuung koordinieren. "Der Zugang zum Gesundheitswesen über Call-Center (z.B. 1450; Anm.) ist gut, wenn sonst keiner da ist. Dort macht man aber vor allem eine Dringlichkeitsbeurteilung." Aus natürlich bestehendem Sicherheitsbedürfnis könne aber über solche Dienste oft auch sinnlos überreagiert werden. Bei einem "Mir tut's am Herz weh", habe ein 1450-Service "keine andere Chance, als sofort ans Herz zu denken." Auch Telemedizin laufe optimal nur durch die sonst auch betreuenden Hausärzt*in /Allgemeinmediziner*in ab.

Die oft erfolgende schnelle "Selbstzuweisung" von potenziellen Patienten gleich zu Fachärzt*innen läuft laut der ÖGAM-Spitzenvertreterin in vielen Fällen schief: "Was tut der Facharzt? Er klärt in seinem Fachgebiet ab. Jeder Mensch beim Kardiologen ist ein kardiologischer Patient. Die Patienten ordnen sich so selbst zu. Das kann nicht funktionieren. Die Leute gehen damit außerdem an den Ort ihrer größten Angst."

Natürlich habe das an sich gute österreichische Gesundheitswesen Probleme. Dies seien im Gegensatz zu den Fachärzt*innen gleich bleibende Zahlen von Allgemeinmediziner*innen, lange Wartezeiten, fragmentierte Zuständigkeiten, Fachkräftemangel und verstopfte Spitalsambulanzen etc., hieß es bei dem Presse-Hintergrundgespräch. Stephanie Poggenburg: "Aber wir können das System retten, wenn wir koordinieren und Patientenpfade haben. Mit dem Doctor-Shopping wird's teuer."

 

Hausarztsystem in Baden-Württemberg

Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, so Stephanie Poggenburg, gibt es seit Jahren ein Hausarztsystem, bei dem sich Kassenpatient*innen bei ihrer Allgemeinmediziner*in einschreiben lassen können und der abklärt, in seiner Kompetenz behandelt und koordiniert. Das verschaffe den Patient*innen auch schnellere Kassenfacharzt-Termine. Ein allgemeines Zugangssystem zur medizinischen Versorgung via Allgemeinmedizin*in werde derzeit für ganz Deutschland ins Auge gefasst.

Überbordende Primärversorgungseinheiten ohne kontinuierliche Arzt-Patienten-Beziehung sind für Stephanie Poggenburg auch nicht das sprichwörtliche "Gelbe vom Ei": "Es besteht die Gefahr der Ambulanzbildung." Das sei erst recht ein Widerspruch zu einer kontinuierlichen und auf persönlichen Kontakt basierenden Patientenversorgung.

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