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"Pandemie hat zu Debatten geführt, die wir nicht gewohnt sind"

6. Oktober 2022 | Michaela Endemann
Banner zum 12. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress.
Banner zum 12. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress.

Anfang Juni organisierte der Springer Medizin-Verlag den 12. Gesundheitswirtschaftskongress ÖGWK mit neuem Konzept. Susanne Herbek, Vizepräsidentin des Kongresses, erzählt von ihren Eindrücken und warum der Kongress im kommenden Jahr noch streitbarer werden soll.

 

Frau Herbek, das Motto des Kongresse lautete: „Unsere neue Realität – Erkenntnisse für eine bewegte Zukunft“. Was war damit gemeint?
Susanne Herbek: "Das Programm sollte eine Rückschau beinhalten, die ´Learnings´der Pandemie und Zukunftstrends aufzeigen sowie kritische Reflexionen ohne zu jammern bieten."

Sowohl Vortragende, Moderatoren als auch Publikum kamen aus den unterschiedlichsten Ecken des Gesundheitswesens. Spiegelte sich das auch im Austausch wider?
"Ja, denn die bewährte Mischung aus allen Berufsgruppen macht einen kritischen Austausch erst möglich. Wir hatten z.B. in der Session „Integrierte Versorgung auf dem Prüfstand. Haben wir alles richtig gemacht?“ Vertreter aus verschiedenen Institutionen und Berufsgruppen wie Pflegefachverband, Krankenhausträger, Landesvertreter und eine Hausärztin. Dabei entwickelte sich ein lebhafter Diskurs, der auch in den Pausen weitergeführt wurde."

Das Modul „Integrierte Versorgung“ fand sich am Kongressprogramm weit vorne …
"Ich denke, dass es wirklich gut war, das Thema gleich an den Anfang des Kongresses zu stellen. Im Vorfeld hatten wir überlegt, ob das nicht schon ein alter Hut sei. Haben wir das nicht schon bei allen vorangegangenen elf Kongressen angesprochen? Wir haben aber hautnah erlebt, wie integrierte Versorgung unter den verschärften Bedingungen der Pandemie stattfindet – oder eben nicht. Das war durchaus einen Rückblick wert. Gepaart mit der nahezu ikonischen Frage ´Haben wir alles richtig gemacht?´ wurde daraus eine selbstkritische, reflektierte Betrachtung und Beleuchtung aus allen Blickwinkeln des Gesundheitswesens, bei der sich das Publikum rege eingebracht hat. Man ist sich noch bewusster geworden, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, Führung noch herausfordernder geworden ist und wie viele Prozesse durch so ein Ereignis wie eine Pandemie dazukommen können. Man denke da z.B. an Prozesse in der Spitalsaufnahme, bei Besuchen, bei mobilen Diensten usw., aber auch an Aspekte der Patientensicherheit."

Die Themenblöcke waren pointiert betitelt. Hatten die kritischen Überschriften Auswirkungen auf den Zuspruch beim Kongress?
"Die Überschriften waren bewusst gewählt. Die Pandemie hat eine neue und ungeplante Beanspruchung des Gesundheitswesens mit sich gebracht, mit der alle erst umgehen lernen mussten. Daher wollten wir sowohl den Referentinnen und Referenten als auch den Moderatoren und nicht zuletzt den Teilnehmern einen Anstoß geben, sich kritisch und mitunter kontroversiell auszutauschen, nachzudenken und voneinander zu lernen."

Hat es funktioniert?
"Ja, und es freut mich sehr, dass unser Ansatz und auch unsere aktive Aufforderung dazu bei allen gut ankam. Wir haben aber auch über den Tellerrand des Gesundheitswesens geschaut, denn ich kann mich nicht erinnern – und ich habe über 30 Jahre im Gesundheitswesen gearbeitet – dass Politik, Gesellschaft und Medizin sich in einer derartigen Form, auch öffentlich sichtbar und spürbar, miteinander verweben und öffentlich politische Gesundheitsentscheidungen in der Gesellschaft diskutiert wurden. Die Pandemie hat zu Debatten in der Gesellschaft geführt, die wir nicht gewohnt sind – die von der Politik bislang nicht geführt wurden, aber auch von Expertinnen und Experten im Gesundheitswesen nicht geführt wurden."

Ein Beispiel?
"In der Session „Zwischen Ideologisierung und Dogmatisierung“ ging es um die sehr weitreichenden gesellschaftlichen und psychologischen Auswirkungen, die die Pandemie hatte und hat – mehr als wir wohl je vermuten würden, weit über das Gesundheitswesen hinaus. So sprach der Philosoph Konrad Paul Liessmann von Kränkungen und Empörung als Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse. Er sagte, es kränke die Tatsache, dass die gesetzten Maßnahmen wie Maske, Abstand etc. ja nichts Modernes, Neues sind, sondern altbewährte Methoden und dies führe auch zu Trotz. Demgegenüber führte der Psychiater Michael Lehofer seine Ansichten aus über den Umgang der Menschen mit einer Seuche, die Angst mache. Er sprach über eine Gesellschaft, die verlernt habe, einen Diskurs zu führen. Die Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, Christiane Druml, wiederum brachte das Thema Privatheit in Sachen Pandemie zur Sprache. Es entstand ein oft kontroverser Diskurs, der sehr goutiert wurde."

Sie haben sicher auch die Entwicklungen in Sachen Digital Health beobachtet?
"Als ehemalige Geschäftsführerin der ELGA GmbH interessiert mich Digital Health natürlich nach wie vor, und wir haben das auch in der Programmplanung berücksichtigt. Die Pandemie hat digitalen Tools einen großen Schritt nach vorne ermöglicht. Das zeigte sich insbesondere daran, dass dieses Thema selbst dann oft angesprochen wurde, wenn im Titel der Session oder Vorträge der Begriff Digital Health gar nicht vorkam. In zahlreichen Pausengesprächen bemerkte ich zudem, dass auch dort, wo man dem Thema früher noch kritisch gegenüberstand, zunehmend der Nutzen erkannt wird, und das freut mich sehr."

Was hat Ihnen besonders gefallen?
"Es war insgesamt eine besonders gelungene Veranstaltung. Am allerbesten hat mir gefallen, dass es den Menschen im Gesundheitswesen wieder möglich war, einander persönlich zu treffen, und dass die Vielfalt der Berufsgruppen, die sich unter dem Stichwort der Gesundheitswirtschaft wiederfindet, in einer überaus repräsentativen Art und Weise zusammengetroffen ist. Es hat mich auch für die Community sehr gefreut und es hat gutgetan, dass die Jahre der Pandemie und der Ausfälle der aktiven Teilnahme am Kongress keinen Abbruch getan haben. Wie früher war das Interesse an den gemeinsamen Themen und der Austausch mit hochkarätigen Inputs in einem beeindruckenden Maße gegeben. Referenten, Moderatoren sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer, alle haben sich begeistert und aktiv eingebracht. Der Kongress fand ja heuer erstmalig unter seinem neuen Eigentümer Springer Medizin statt und es freut mich, dass man die Veranstaltung als Marke wiedererkannt hat."

Sie haben auch viel Feedback erhalten. Was davon werden Sie aufgreifen?

Dr. Susanne Herbek,<br>Allgemeinmedizinerin und <br>akademische Krankenhausmanagerin.
Dr. Susanne Herbek, Allgemeinmedizinerin und akademische Krankenhausmanagerin.

Ab Herbst beginnen bereits die Planungen für den 13. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress, und wir behalten aufgrund des Feedbacks sowohl den zweiten Tag als auch die Abendveranstaltung bei. Zusätzlich wurde sogar geäußert, man möge doch in Zukunft noch kontroversieller werden. Das werden wir ebenfalls gerne aufgreifen!

Dr. Susanne Herbek,
Allgemeinmedizinerin und 
akademische Krankenhausmanagerin.

Dr. Susanne Herbek

ist Allgemeinmedizinerin, akademische Krankenhausmanagerin und hat viele Jahre das Gesundheitswesen in Österreich mitgestaltet. Von 2005 bis 2009 war sie als Direktorin der Krankenanstalten der Stadt Wien tätig, von 2010 bis 2016 Geschäftsführerin der ELGA GmbH. 2017 erhielt sie von der damaligen Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Bis zu ihrem Pensionsantritt Ende 2021 war sie als Chefärztin des Fonds Soziales Wien und SeniorInnenbeauftragte der Stadt Wien tätig, wo sie u.a. maßgeblich für die Entwicklung der Plattform Demenzfreundliches Wien verantwortlich war. Dr.in Susanne Herbek ist Vizepräsidentin des 12. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongresses.

Quelle: ÖKZ 8-9/2022, 63. Jahrgang, Springer-Verlag.

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