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Wie geht es dem Patienten?

19. Oktober 2021 | Walter Zifferer
Sitzende Patientin nutzt Tablet Device
Sitzende Patientin nutzt Tablet Device

Seit Jahren versprechen alle Hersteller von Krankenhausinformationssystemen, dass ihr KIS den Patienten in den Mittelpunkt aller Betrachtungen rückt. Die Patientenperspektive ergänzt also zusehens die bislang so wichtige Medizinerperspektive, deren Unterstützung in der Ausgestaltung der IT-Systeme bislang als oberstes Gebot galt. Schließlich werden IT-Systeme ja für Anwender gebaut und nicht für deren Klienten.

Nun aber – im neuen Verständnis der Bedürfniswelt des mündigen Patienten - wird die Ergebnisqualität von Behandlungen aus Patientensicht immer wichtiger. Personalisierte Medizin, individuelle Patientenbetreuung und Nachverfolgung rücken in den Fokus.[1] Patienten können die Auswahl jener Klinik, die sie behandeln soll, heute kaum nach messbaren Qualitätskriterien auswählen. Experten sind jedoch davon überzeugt, dass es in nicht allzu ferner Zukunft digitale Erhebungstools in flächendeckendem Einsatz geben wird, die eben dies bewerkstelligen können.[2] „Patient Reported Outcome Measures (PROMs)“ ist der korrekte Fachbegriff dafür.

PROMs dienen der Messung von Lebensqualität, Funktionalität und Gesundheit von Patienten ("Value Based Healthcare"). Sie ergänzen klinische Parameter wie Infektions- oder Mortalitätsraten und ermöglichen die Schaffung eines gesamtheitlichen Bilds von Gesundheit auf Patientenebene, sowie von Versorgungsqualität auf Systemebene.[1]

Noch gibt es sehr wenige Anbieter für derartige Erhebungstools im Markt, die den Patienten über dessen gesamten Behandlungspfad begleiten. In den Niederlanden und in Lateinamerika ist man diesbezüglich offenbar weiter, als im D-A-CH-Raum.

Von PROMs abzugrenzen sind im übrigen PREMs ("Patient Reported Experience Measures"), welche Faktoren wie die Kommunikation im Krankenhaus betreffen.[1]

In Deutschland haben bereits einzelne Kliniken gestartet, Patienten nach OPs mit Fragebögen via e-Mail je nach erfolgtem Eingriff individuell zu befragen, wie es sich rund um das Schmerzbefinden, die Motorik, das psychische Wohlbefinden verhält.

Man möchte erfahren wie es insgesamt um den Gesundheitszustand und die aktuelle Selbsteinschätzung der Lebensqualität bestellt ist. Die Antworten fließen in aufbereiteter Form zur Ärzteschaft zurück. Die Antwortquoten der Fragebögen lassen sich übrigens sehen: 70-80% der kontaktierten Patienten beantworten laut Sana Kliniken AG, die drittgrößte private Klinikengruppe Deutschlands, die digital gestellten Fragen. Die Daten werden verschlüsselt und liegen im TÜV-zertifizierten Rechenzentrum in Frankfurt. Sana misst bereits seit 2017 mittels automatisiert erfasster PROMs die Behandlungsqualität in ihren Kliniken. Besonders interessant erscheint das Thema natürlich für chronisch kranke Personen, da hier die gesundheitliche Entwicklung im Zeitablauf betrachtet wird.[2]

Michael Rosenstock <br>Leiter Sana Digital, <br>Sana Kliniken AG
Michael Rosenstock, Leiter Sana Digital, Sana Kliniken AG

Gute medizinische Qualität wird heute noch vielfach als Abwesenheit von Fehlern definiert. Patienten oder Versicherer brauchen aber eine klare Auskunft darüber, was gute medizinische Qualität überhaupt ausmacht.

Michael Rosenstock 
Leiter Sana Digital, 
Sana Kliniken AG

Wesentliche Herausforderungen zur Umsetzung

So zweifellos hochinteressant die PROMs-Idee ist, so schwierig erscheint die Umsetzung. Experten berichten über große Herausforderungen bei der Erhebung und Nutzung von PRO-Daten. Da gibt einerseits es auf Patientenebene Hindernisse beim Ausfüllen von Fragebögen, insbesondere bei älteren oder multimorbiden Personen. Andererseits ist eine Skepsis der Ärzteschaft gegenüber PROMs zu beobachten, da manchmal PROMs und PREMs verwechselt werden und Vergleiche zwischen Leistungserbringern von selbigen nicht wirklich erwünscht sind. 

Die größten Probleme stellen aber der fehlende Unterbau einer echtzeitverarbeitenden IT-Infrastruktur, eine eingeschränkte Datenqualität sowie eine fehlende Orientierung dar, wie Daten genutzt werden können und sollen. Und dann wäre da noch die gar nicht unwesentliche ungeklärte Vergütung für die nötigen Ressourcenaufwände (Medizinische Leistungen sowie Verwaltungsaufwände).[1]

 

Die Hindernisse auf eine Blick [1]

  • Fehlen von Standards (wie auch die Einbettung in Leitlinien) und politischer Unterstützung
  • Vergütungsfähigkeit von PROM-Erhebungen und -Nutzung im Rahmen der Regelversorgung
  • Beweis der Kosteneffizienz (unter Berücksichtigung der finanziellen Aufwände für das erforderliche zusätzliche Personal, IT-Lösungen und Fragebogen-Lizenzen)
  • Derzeit noch nicht vorhandene Interoperabilität zur Integration von Patientendaten über Leistungserbringer hinweg
  • Etablieren von Schnittstellen zu IT-Lösungen
  • Datenschutzbedenken und die Einhaltung der EU DSGVO und damit verbunden das Fehlen von konformen Datenmanagement-Lösungen

 

Eine Realisierung erscheint also einmal mehr nur über einen großen Wurf möglich zu sein, um das Thema auf nationalem Level zu realisieren. Es wird Kooperationen zwischen regionalen und staatlichen Ebenen brauchen, Vernetzung zwischen ambulantem und stationärem Sektor und die Einbindung von Fachgesellschaften, Verbänden und Krankenhausnetzwerken. Wo es an politischer Unterstützung mangelt, fehlen freilich auch die nötigen Messinstrumente und insbesondere auch interoperable IT-Lösungen für eine sektoren- und fachbereichsübergreifende PROMs-Erhebung und -Nutzung.[1]

 

Quelle:

  1. f&w 10/21, Viktoria Steinbeck, Sophie-Christin Kornelia Ernst, Dr. Christoph Pross: "Die richtigen Fragen stellen", S. 952
  2. f&w 10/21, Christina Spies: "Wissen, wie es Patienten geht", S. 956
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