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Warum Digitalisierung gar keinen so guten Ruf hat...

2. März 2021 | Walter Zifferer
Goldbarren
Goldbarren

Dass Digitalisierung die Patientensicherheit dramatisch verbessern kann, liegt auf der Hand. Dass es gleichzeitig Angst machen kann, bedingungslos auf Digitalisierung zu setzen, ebenfalls. 

Das Vertrauen in digitale Anwendungen ist in der Bevölkerung nicht ganz unerwartet erschreckend gering. Ein Großteil der Bürger verwendet seit Jahren Apps, ohne sich jemals "das Kleingedruckte" gelesen zu haben. Die Verlockung, das Spiel, das Programm zu nutzen, war zu groß und die gefürchteten Konsequenzen zu gering. 

"Was kann denn schon passieren? Sollen sie doch wissen, wo ich wohne und wie oft ich die App nutze..." Nennen wir diese Gruppe "die Sorglosen". Die anderen, ich nennen sie der Einfachheit halber "die Vorsichtigen" - meinten: "Sicher nicht! Ich gebe doch nichts von mir Preis - ich brauche außerdem keine Apps!". 

Meine Eltern, gar nicht sorglos, wussten bis zu ihrem ersten iPhone gar nicht, was eine App überhaupt ist. Es ist noch nicht so lange her, als die Vorsicht der Gelassenheit wich. "Heute hat doch jeder Apps. Und eine Wetter-App ist doch eh OK, oder? "Da kann mir ja keiner meine Bankomatdaten stehlen...." 

Der "Goldschatz" Nutzerverhalten

Inzwischen ist weitläufig bekannt: Konsumentenkundenkarten, Payback & Co dienen weniger den Konsumenten und mehr denen, die die Daten dazu sammeln. Medienberichterstattungen über millionenschwere Startups haben gezeigt: Das Wissen über das Konsumentenverhalten ist das neue Gold in unserer Informationsgesellschaft.

Berücksichtigt man, wie uns Konsumenten in den letzten Jahren (manchmal auch auf Basis von wilden Geschäftsmodellen und fragwürdigem Datenschutzunterbau) Informationen rund um unser Nutzerverhalten abgerungen wurde, ist es nicht wirklich Verwunderlich, dass das Vertrauen in internetbasierte Anwendungen und Plattformen endendwollend ist. 

Mündigen Usern ist heute grundsätzlich klar: es gibt nur äußerst wenige Apps, die keinem Geschäftsmodell folgen. Und dass es in der breiten Bevölkerung kein akademisches Verständnis für Business Modelle von digitalen Gesundheitsapplikationen gibt, ist auch nicht weiter verwunderlich. Genau hier liegt das Problem: wer nicht die zugrundeliegenden Motive hinter den Apps kennt, muss ganz einfach skeptisch sein. Denn dass die meisten Anbieter von Gesundheitsapps mit der Erhebung der Fitnessdaten zumindest einen kleinen Teil am Goldschatz mitnaschen wollen, ist Fakt. 

Die etwas anderen Motive

Dass es jedoch auch ganz andere Motive für Gesundheitsapps gibt, die tatsächlich dem Patientenwohl dienen, wird dann für Bürger teilweise schwierig zu verstehen. Ja, es gibt sie: Datensammlungen, die tatsächlich den Sinn haben, Patienten zu schützen. Sei es durch zuverlässige Informationsbereitstellung...

  • von validem, gesicherten medizinischen Wissen für Patienten, um aufzuklären. Mit dem Ziel, Patienten vor Fehlverhalten zu schützen, das ihnen selbst schaden würde. In der Folge kann es gelingen, mündigere Patienten mit ausgeprägter Gesundheitskompetenz zu begegnen.
  • für Patientenbehandler (Gesundheitsdiensteanbieter/GDAs), um Patienten auf Basis besserer Daten deutlich besser versorgen zu können. Arzneimitteltherapiesicherheit basiert z.B. auf ebendiesen Infos.
  • für Forscher, um aus anonymisierten Daten neue Erkenntnisse zu generieren, die wiederum die Basis für zielgerichtete, verbesserte Forschung sein können. In der Folge ist medizinischer Fortschritt eine Spirale nach oben.

Die "Geschäftsmodelle" heißen in diesen Fällen: 

  • Vorbeugung von "Gesellschaftskrankheiten" (z.B.: Diabetes Typ II), deren Behandlung dem System enorm viel Geld kosten.
  • Vermeidung von ungewünschten Behandlungsverläufen aufgrund eines lückenlosen Überblicks über eingenommene Arzneimittel sowie Informationen über Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten und vorliegenden Vitaldaten

Auch hier geht es neben dem Ziel der Erhöhung der Patientensicherheit ums Geld - keine Frage. Aber weniger ums Geldverdienen, als um die Vermeidung von unnötigem Mitteleinsatz. 

Und es ist doch ein erheblicher Unterschied, ob man am Tracking des Nutzerverhaltens profitieren will, oder aber durch Informationsnutzung und höherer Datenqualität zu besserem Patientenschutz und zu einem finanzierbaren Gesundheitssystem beitragen will. 

Letztendlich trägt Zweiteres nämlich dazu bei, volkswirtschaftlichen Nutzen zu erzielen, während im ersten Modell ausschließlich (betriebswirtschaftliche) Einzelinteressen verfolgt werden. Modell 1 macht langfristig einzelne Internet-Giganten immer wohlhabender. Modell 2 fördert die Patientensicherheit und rettet Leben.

Und der Datenschutz...

Vielleicht ist gerade der Umstand, wie sorglos viele App-Nutzer mit ihrem individuellen Schutzverhalten ihrer eigenen Nutzerdaten umgehen das Hauptproblem, warum Datenschutz im Gesundheitswesen vielerorts als Bedrohung angesehen wird. Tatsächlich kümmert es Internet-Nutzer oft sehr wenig, was im angesprochenen "Kleingedruckten" der Nutzerbestimmungen von Apps steht. 

Dass Patientendaten von Gesetz wegen zurecht den höchsten Auflagen entsprechen müssen, vergessen dann viele. Bankomatkarten sind sicher, weil wir sie in unseren Geldbörserln bei uns haben, aber Gesundheitsdaten sind es nicht? Für jeden, der dies glaubt, gibt es eine gesicherte Diagnose - wenn auch keine medizinische...

Das individuelle Verhalten von Usern sorgt täglich rund um den Globus dafür, dass es massive Betrugsfälle mit zum Teil verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen für Betroffene gibt. Aber die Digitalisierung unter Generalverdacht zu stellen, als ob sie Schuld daran wäre, dass es Betrug und Missbrauch im Jahr 2021 gibt, ist verrückt. Passiert aber, wenn auch manchmal möglicherweise gar nicht vorsätzlich.   

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