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Integrierte Versor­gung Demenz wird in ganz Ober­öster­reich angeboten

6. Juni 2019 | Philipp Streinz
Symbolbild für Demenz
Demenz

Immer mehr Menschen werden in den nächsten Jahren an Demenz erkranken. Die Gesell­schaft wird immer älter, die Lebens­erwartung steigt und damit auch die Anzahl der an Demenz – Alz­heimer Betroffenen. Die OÖGKK und das Land Ober­öster­reich haben sich daher für einen neuen Weg in der Betreuung entschieden: Die Inte­grierte Versorgung Demenz OÖ (IVDOÖ) ver­bessert die Lebens­qualität der Betrof­fenen und ihrer Ange­hörigen. Nach posi­tiver Evalu­ierung wird das Programm nun in den Regel­betrieb über­nommen und schritt­weise auf ganz Ober­öster­reich ausge­weitet. Das hat die Landes­ziel­steuerungs­kommission in ihrer Sitzung am 24. Mai 2019 beschlossen.

110.000 Menschen sind in Österreich an Demenz erkrankt. Laut Schätzungen der Öster­rei­chischen Alz­heimer Gesell­schaft ÖAG wird die Zahl bis zum Jahr 2050 auf etwa 230.000 steigen, sich also mehr als verdoppeln.

Als Demenz bezeichnet die Medizin verschie­dene Krank­heits­bilder des Gehirns, die durch fort­schrei­tende Schädi­gung und Zer­störung von Nerven­zellen im Gehirn ent­stehen. Störungen der Hirn­funk­tionen, die Gedächt­nis, Sprache, Orien­tierung, Auf­fassung oder Urteils­vermögen betreffen, sind die Folge. Die häufigste Form ist Alz­heimer. Demenz ist immer eine fort­schrei­tende und unheil­bare Krank­heit. Trotz­dem gibt es viele Möglich­keiten, das Leben der Betrof­fenen und ihrer Familien zu verbessern.

„Die Integrierte Versorgung Demenz OÖ bedeutet für die Betrof­fenen und ihre Familien einen deut­lichen Gewinn an Lebens­qualität. In den Demenz­beratungs­stellen beant­worten Exper­tinnen und Experten in einem ver­ständ­nis­vollen Umfeld Fragen zur aktu­ellen Situa­tion. Pfle­gende Ange­hörige werden im Umgang mit den Erkrankten geschult. Durch ein geziel­tes, an den Krank­heits­ver­lauf ange­passtes Training ver­zögert sich der Krank­heits­verlauf. Immer mehr Menschen werden in Zukunft Unter­stützung brauchen. Daher ist es ein Gebot der Stunde, dass wir nun ressort­über­greifend als Land OÖ gemeinsam mit der OÖGKK unser erprobtes Modell ausrollen, mit dem Ziel eines flächen­deckenden Ange­bots in ganz Ober­öster­reich“, betont LH-Stell­ver­treterin Mag.a Christine Haberlander, deren Gesund­heits­ressort den Haupt­teil der Finanzierung übernimmt.

„Mir ist es besonders wichtig, Menschen mit Demenz nicht zu stigma­tisieren, sondern ihnen so lange wie möglich ein quali­täts­volles Leben in der Mitte der Gesell­schaft anzu­bieten. Die Aus­rollung der Demenz­beratungs­stellen und die Inte­grierte Ver­sorgung Demenz in den Pilot­alten­heimen sind wichtige Schritte, um den Betrof­fenen und ihren Ange­hörigen best­mögliche Unter­stützung anzu­bieten. Zusätz­lich fordere ich vom Bund, dass Demenz bei der Pflege­geld­ein­stufung stärker berück­sichtigt wird. Konkret erwarte ich mir, dass Personen mit Demenz in jedem Fall um eine Stufe höher bewertet werden. Das hat mehrere Vorteile: In der Betreu­ung zu Hause werden Demenz­erkrankte finan­ziell besser­gestellt und im statio­nären Bereich kann mehr Personal zur Verfü­gung gestellt werden“, sagt Sozial-Landes­rätin Birgit Gerstorfer.

„Gemeinsam mit dem Land Ober­öster­reich haben wir dieses wichtige Thema erkannt und in einem Pilot­betrieb erfolg­reiche Konzept erprobt. Umso mehr freut es uns jetzt, dass wir gemeinsam die not­wendigen Mittel auf­bringen und ganz Ober­öster­reich dieses neue Angebot zur Ver­fügung stellen zu können“, meint der Obmann der OÖGKK, Albert Maringer. In der Sitzung der Landes­ziel­steuerungs­kommission wurde die Aus­rollung bzw. Über­führung in den Regel­betrieb offi­ziell beschlossen. Die Gesamt­kosten belaufen sich auf rund 1,79 Mil­lionen Euro. Davon werden rund 1,1 Mil­lionen Euro vom Land OÖ (aus dem Gesund­heits­ressort und dem Sozial­ressort) getragen. Die Umsetzung und Organi­sation über­nimmt das IVD-Management der OÖGKK.

 

„Integrierte Versorgung Demenz“

Auf Basis der österreichischen Demenz­strategie hat Ober­öster­reich ein Versor­gungs­konzept für Menschen mit Demenz und deren Ange­hörige aus­gear­beitet und seit 2013 erfolg­reich erprobt. Die IVDOÖ umfasst zwei Säulen, Demenz­beratungs­stellen und Demenz­angebote in Alten- und Pflegeheimen:

  • Die Demenzberatungsstellen bieten nieder­schwellige Angebote für Personen im häus­lichen Umfeld und deren Familien. Das sind unter anderem Bera­tung, klinisch­psycho­logische Testung und Ressourcen­training für die Betrof­fenen sowie Belas­tungs­tes­tungen und Schu­lungen für die Ange­hörigen. Die Evalu­ierung hat den Demenz­beratungs­stellen im Pilot­betrieb im Bezirk Kirch­dorf und in der Stadt Wels eine hohe Zufrie­denheit der Nutzer­innen und Nutzer zuge­sprochen sowie eine gute Kosten-/Nutzen­relation attes­tiert. Die Lebens­qualität der Menschen mit Demenz und deren Ange­hörigen hat sich ver­bessert, der Krank­heits­verlauf durch Ressourcen­training ver­zögert. Ange­hörige, aber auch Haus­ärzte wurden durch das neue Angebot ent­lastet. Bis 2025 sollen rund 2,600 Patienten mit der IVDOÖ versorgt werden, elf Demenz­beratungs­stellen werden schritt­weise aufgebaut.
  • In den Alten- und Pflege­heimen soll die Lebens­qualität der Bewohner mit Demenz ver­bessert werden. Das Konzept umfasst einen fach­ärzt­lichen, psycho­logischen und pflege­fach­lichen bzw. betreu­erischen Ansatz. Eine inter­diszi­plinäre Zusammen­arbeit und indi­viduell abge­stimmte wöchent­liche Gruppen­ange­bote wurden entwickelt. Die Evalua­tions­ergeb­nisse der fünf Pilot-Alten- und Pflege­heime in Wels, Ternberg, Mauer­kirchen und Kalham bestätigen den Ansatz.

Das Risiko an Demenz zu erkranken, steigt mit fort­schreitendem Lebens­alter. 25 bis 30 Prozent der über 85-Jährigen müssen damit rechnen, an Demenz zu erkranken. Demenz hat große Aus­wir­kungen auf das Leben der Betrof­fenen und ihrer Ange­hörigen. Für die Patienten wird es zunehmend schwieriger, den Alltag zu bewäl­tigen. Sie ver­lieren jegliche Selb­ständig­keit und werden pflege­bedürftig. An die 80 Prozent der Erkrankten werden laut ÖAG in Ober­öster­reich von der Familie betreut, mehr als ein Viertel der Betreu­erinnen und Betreuer ist selbst über 60 Jahre alt. Stoßen die Familien­mit­glieder an ihre eigenen Grenzen, über­siedeln Demenz­erkrankte ins Alten- oder Pflegeheim.

„Die Diagnose Demenz löst bei Betrof­fenen und deren Ange­hörigen unglaub­liche Ängste, Unsicher­heit und viele Fragen aus. Wir setzen daher bewusst auf nieder­schwellige Ange­bote, um die Menschen möglichst rasch zu erreichen und ihnen unnötige Hemm­schwellen zu nehmen. Beim Erkennen erster Anzeichen sollen Betrof­fene und ihre Ange­hörigen rasch eine kompe­tente Beratung und eine struk­turierte Betreu­ung erhalten. Dieses Angebot bringt mehr Lebens­quali­tät für die gesamte Familie“, so die Direk­torin der OÖGKK, Mag. Dr. Andrea Wesenauer.

 

INTEGRI für "Gesundheitspolitische Vorreiterrolle"

Bereits 2014 hat die INTEGRI-Jury das Potential dieser Initiative erkannt und das Projekt mit dem INTEGRI für die Gesund­heits­politische Vor­reiter­rolle aus­gezeichnet. Der INTEGRI ist der Öster­rei­chische Preis für Inte­grierte Ver­sorgung. Seit der Gründung durch das INTEGRI-Initiativ­forum im Jahr 2011 wird der INTEGRI von CGM orga­nisiert und alle zwei Jahre an heraus­ragende Projekte ver­liehen. Die Auswahl von IVDOÖ wurde damals folgendermaßen begründet:

Begründung der INTEGRI-Jury
"Dieses klassische IVD-Modell­projekt schließt eine Lücke in der abge­stuften Ver­sorgung von Demenz­erkrankten und in der Beratung und Ent­lastung der betreuenden Ange­hörigen. Es zeigt die Möglich­keit der präven­tiven, früh­zeitigen, adä­quaten Inter­vention durch ein nieder­schwelliges, multi­professio­nelles Leistungs­angebot. Es inte­griert viele unter­schiedliche Organi­sationen und zeigt, wie zukünftige gesell­schaft­liche Heraus­for­derungen der demo­grafischen Ent­wicklung in diesem Bereich zu bewältigen wären."

Dass dieses Projekt nun den Weg in den Regel­betrieb gefunden hat, freut CGM als Organi­sator besonders und bestätigt die hoch­karätige Jury in ihrer äußerst wert­vollen Arbeit. Weitere Infor­mationen zum INTEGRI finden Sie auf der INTEGRI-Website.

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