"Die Versorgung und Vorbereitung von Patient*innen auf einen elektiven Eingriffen weist strukturelle Lücken auf. Lange Wartezeiten bleiben oft ungenutzt, wodurch präoperative Maßnahmen (Reha-Antrag, Untersuchungen) entfallen. Diese mangelnde Vorbereitung führt zu längeren Klinikaufenthalten, verzögerter Reha und späterer Rückkehr in den Beruf. Das Resultat sind vermeidbare Belastungen und erhebliche Mehraufwände für das Gesundheitssystem."
"Prozesse bei elektiven Eingriffen und chronischen Erkrankungen sind ineffizient und risikobehaftet. Geringe Gesundheitskompetenz von Patient*innen führt zu Non-Adhärenz und suboptimalen Gesundheitsergebnissen (unnötige Rehospitalisierungen). Zudem fehlt eine sektorenübergreifende Vernetzung der Gesundheitsdiensteanbieter*innen (GDA - Niedergelassener Bereich, Krankenhaus, Reha, Pflege). Diese Sektorenbrüche verursachen Informationsverluste, ineffizienten Ressourceneinsatz und Überforderung der Patient*innen, da Modelle der integrierten Versorgung (IV) fehlen. In der Versorgung von Patient*innen mit chronischen Erkrankungen oder elektiven Eingriffen (wie Hüft- oder Kniegelenksersatz) bestehen erhebliche strukturelle und patient*innen-seitige Lücken. Die langen Wartezeiten bis zur Operation (häufig bis zu einem Jahr) sind Phasen der Passivität, in denen notwendige präoperative Maßnahmen (Übungen, häusliche Vorbereitung, Anämie-Screening etc.) oft versäumt werden. Diese Defizite in der Vorbereitung führen zu längeren stationären Aufenthalten, verzögertem Reha-Beginn und späterem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben, was messbare Mehraufwände im Gesundheitssystem generiert. Die Gesundheitskompetenz vieler Patient*innen ist nach wie vor niedrig (HLS-EU 2011/2019), wodurch komplexe Informationen missverstanden oder ignoriert werden. Die Patienten*innen fungieren notgedrungen als die alleinige, fehleranfällige Schnittstelle zwischen den Versorgungssektoren.
CoPilot-Gesundheit definiert den State-of-the-Art neu, indem es erstmals eine vollständig integrierte, sektorenübergreifende, evidenzbasierte Digital Patient Journey für die komplexen Indikationen Hüft- und Kniegelenksersatz entwickelt.
Durchführung der klinischen Studien für Hüfte (derzeit laufend mit dem TRL6-Status und Knie (offen), um den Mehrwert belastbar zu evaluieren. Der Nachweis des Nutzens muss sich auf harte 0utcomes beziehen. Für den Kunden: Reduktion von Wartezeiten, Aufenthaltsdauer, Komplikationen, Entlastung). Für den Endnutzer=Patient*in: Verbesserter 0utcomes (Steigerung von PROMs/PREMs und Therapieadhärenz). Der nutzer*innen-zentrierte Design-Ansatz ist integraler Bestandteil der Entwicklung und Validierung von CoPilot-Gesundheit und erfolgt über drei Phasen und ist in den Arbeitspaketen (AP) ,,Produktentwicklung" und „Klinische Validierung" verankert.
Die Entwicklung basiert auf einem strukturierten, iterativen Prozess:
"lntramural: Reduktion ...
Extramural:
"Strukturierte Prähabilitation und Monitoring senken Komplikationen und Wiederaufnahmen. Telemedizin halbiert ambulante Termine pro Fall. Verbesserte PROMs/PREMs sichern die Vergütung in künftigen qualitätsbasierten Abrechnungsmodellen."
"Ziel: Liegezeit um 0,5 bis 1 Tag senken. Bei 36.000 Eingriffen und 1.800 € Tagessatz spart dies bis zu 64 Mio.€. Automatisierte Aufklärung und Checklisten entlasten zudem das Personal und reduzieren Absagen sowie Rückfragen signifikant."
"In der ersten Projektphase wurde im Co-Design-Ansatz mit allen Stakeholdern eine digitale Patient Journey WebAPP erstellt.
Diese befindet sich derzeit in der Indikation Hüft-OP in klinischer Testung am LKH-Univ. Klinikum Graz. 12/2026 wird die Studie abgeschlossen sein und danach ist die Anbindung in das KIS vorgesehen.
CoPilot-Gesundheit basiert auf einem klar strukturierten, diversifizierten Konzept mit hohem Skalierungspotenzial auf weitere Indikationen. Die Kombination aus nachgewiesenem Mehrwert und frühzeitiger Regulatorik-Planung (Medizinprodukt Klasse 1) bietet die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung. Die Ziele sind:
"Zielgruppe sind 40- bis 90-Jährige. Um geringe digitale Literacy im Alter zu überbrücken, unterstützen „Copiloten" (Angehörige) die Nutzung der APP. Einschränkungen wie
Sehschwächen oder Sprachbarrieren werden durch Barrierefreiheit (Vorlesefunktion, einfache Inhalte) und Mehrsprachigkeit adressiert. Ein geplanter Chatbot soll zudem einfache Rückfragen schnell klären und so die Zugänglichkeit für alle Patientengruppen sicherstellen. Patient, copilotierende Angehörige benötigen ein Device."
"Copilot-Besundheit ist eine ans KIS angebundene Software und begleitet die Patienten während der Wartephase auf die OP. Informationen in der APP geben den Patienten Hinweise, wann welche Tätigkeiten im extramuralen Setting durchzuführen sind (Reha-Antrag, Hauskrankenpflege, Untersuchungen extramural)."
"Bei Einführung von CoPilot-Gesundheit mit nachgewiesenen Erfolgsfaktoren (Ziele & Studie) kann der Kostenträger die Verwendung der WebAPP für weitere Indikationen mitunterstützen und bei Krankenhausträgern die Nutzung zur Kostenreduktion einfordern."
"Gemäß Stakehoder-lnterviews wurden Aspekte der perioperativen Vorbereitung (Anämieabklärung, Narkoseuntersuchung, Reha-Antrag, Pflegebedarf) abgestimmt."
"Durch Stakehoder-lnterviews und Co-Creation wurde die ass sich die Leistungen und die Leistungs-WebAPP entwickelt. Eine abgeschlossene User-Experience-Studie mit dem Prototypen zeigte die hohe Zufriedenheit der Nutzenden. Einfache Sprache & Bedienbarkeit, Mehrsprachigkeit unterstützen die Patienten und Angehörige."
"Ja."
"CoPilot-Gesundheit kann vo jedem Krankenhausträger eingesetzt werden, es bedarf einer KIS-lntegration. Das Projekt soll ab 2027 für den österreichischen Markt erhältlich sein. Die WebAPP ermöglicht das Einspielen "neuer" Inhalte, dadurch können zukünftig weitere Indikationen aufgenommen werden."
"Die derzeitigen Entwicklungskosten von Euro 200.000,- plus einer weiteren geplanten Finanzierungsrunde (ca. Euro 500.000,-) stehen theoretisch Einsparungen von bis zu 64 Millionen Euro gegenüber (bei einer Indikation "Hüfte" mit ca. 36.000 Operationen pro Jahr). Durch die Skalierbarkeit auf weitere elektive Eingriffe besteht ein hoher zu erwartender Nutzen für Kostenträger und Patienten."
"Derzeit befindet sich das Projekt in klinischer Testung und in einer FFG-Antragsphase für ein Spin-off-Fellowship. Darin enthalten ist die Fertigstellung des Prototyps und ein Vermarktungskonzept. Die primäre Zielgruppe sind Krankenhäuser und orthopädische Fachabteilungen (B2B, Erlösmodell 1). Die sekundären Zielgruppen sind Krankenkassen (über Selektivverträge oder DiGA-Listung-in DE und AUT) und in weiterer Folge Patient*innen selbst (B2C-Appstore, Erlösmodell 2)."
"Ja."
"Die Webapplikation hat eine FHIR-fähige Auslegung inkl. Anbindung an das KIS (HL7). Die Endgeräte der Nutzer können sein: PC, Tablet, Laptop und Smartphone. CoPilot-Gesundheit ist iOS und Android-tauglich (Windows, MacOS), es bedingt eine 2-Punkt-Authentifizierung, ist DSGVO-konform."
"Es existiert eine Internetseite (allgemeine Hinweise mit einem Login-Bereich. Über Passworteingabe (wird derzeit bei der Rekrutierung von Patient*innen für die klinische Studie direkt vergeben) steigt der Patient bzw. Copilot (Angehöriger) in die WebAPP ein. In der Menüleiste sind fünf Kategorien:
In einem übersichtlich geführten Menü sind die nächsten Termine besonders hervorgehoben (Arztbesuch, PNU Termin, OP-Termin). Im Menüpunkt "Mein Gesundheitspfad" finden sich zeitlich getriggerte Informationen, Hinweise, Übungen, Wissenschecks. Inhalte sind beispielsweise:
Offene und nicht erledigte Aufgaben erscheinen unter "Meine Aufgaben".
Werden diese bis zu einer Frist nicht erfüllt, ergehen Push-Nachrichten an die User. Über ein Dashboard (derzeit noch rudimentär erstellt) ist es dem Krankenhaus möglich nachzuverfolgen, wo der Patient in "seinem Gesundheitspfad" steht. Ziel ist es, dass der Patient bis vor der Operation alle offenen Punkte abgeschlossen hat."
"Der Prototyp wurde von einem Kleinunternehmen technisch entwickelt. Es gibt definierte Benutzergruppen:
Datenschnittstellen werden nach Erstellung des Prototypens konkretisiert und je nach Anfordernissen gemeinsam mit der Fachabteilung Medizininformatik hergestellt. Zum Austausch der Daten aus den IT-Systemen im Gesundheitswesen sollen die Schnittstelle FHIR von HL7 herangezogen werden. Weitere Verknüpfungen sind zum Patient*innen- und zum Medizin-Portal der KAGes zum KIS und zur Gesundheitsplattform ELGA geplant. Grundsätzlich sollen so wenig Daten wie möglich, aber so viele wie notwendig ausgetauscht werden (z.B. Eindeutige Identifikation einer Person anhand des Namens, Geburtsdatums, Sozialversicherungsnummer). Bei der Erhebung, Speicherung und Verarbeitung der Daten erfolgt die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ("besonders schützenswerte Daten")."
"Derzeit wird CoPilot-Gesundheit in einer klinischen Studie am LKH-Univ. Klinikum Graz verwendet."
"Gemäß Studienprotokoll "Einsatz einer Software-Applikation zur individuellen Patient*innen-lnformation und Steigerung der Gesundheitskompetenz. - Pilotstudie - Kurztitel: CoPilot-Gesundheit" wurden folgende klinischen Endpunkte definiert: Patient*innen mit der Entscheidung für eine elektive Hüftoperation durch die behandelnde Ärztin bzw. den behandelnden Arzt, mit einem Alter von mindestens 18 Jahren werden in der orthopädischen Ambulanz am LKH-Universitätsklinikum Graz rekrutiert und randomisiert in zwei Gruppen unterteilt. Die A: Interventionsgruppe erhält die Software im Vollumfang, die B: Kontrollgruppe erhält Informationen, auf die bisher übliche Weise (Standard Care), über Broschüren und andere manuell verteilte Schriftstücke.
Die Aufnahme der Patient*innen in die Studie erfolgt vor Ort in der orthopädischen Ambulanz der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie. Es ist angedacht insgesamt 150 Patient*innen in diese Studie mit einzubeziehen, um eine signifikante Aussagekraft der Studie angesichts der angenommenen Heterogenität der Studienpopulation und der gewünschten Unterscheidung der Erwartungswerte {128 Patient*innen) zu erreichen.
Die randomisierte Zuordnung zu A: lnterventions- und B: Kontrollgruppe wird mit einer angestrebten 50:50 Geschlechter-Verteilung durchgeführt. Ebenfalls mit einbezogen in die Zuordnung wird das Alter der Patient*innen. Für die Randomisierung wird das Programm https://www.randomizer.at/ der Medizinischen Universität Graz verwendet.
Patient*innen welche die Studie vorzeitig verlassen (Drop-Out) werden ersetzt bis in Summe 128 Patient*innen die Studie abgeschlossen haben.
Einschlusskriterien sind der ärztliche Beschluss zum Einsatz einer Hüftgelenks-Endoprothese, ein Alter von über 18 Jahren, die Einwilligungsfähig und ausreichende Deutsch-Kenntnisse zur Beantwortung der Fragen durch/von Patient*innen. Des Weiteren muss eine Zugriffsmöglichkeft für die Patient*innen auf die Software-Applikation über das private Smart-Phone oder den privaten PC bestehen.
Ausschlusskriterien sind das Vorliegen kognitiver Beeinträchtigungen sowie vorangegangene Hüft-Operationen. Es erfolgt kein Einschluss von Personen aus geschützten Gruppen oder von Patient*innen welche im Zuge eines notfallmäßigen Eingriffes eine Hüftendo-Prothese eingesetzt bekommen sollen. .
Ebenfalls werden Patient*innen ausgeschlossen, welche Smartphone oder PC nicht bedienen können und/oder gleichzeitig an anderen Studien teilnehmen, welche mit der aktuellen Studie in Konflikt stehen.
Deskriptive Auswertung (Explorativ, Berechnung von Mittelwert, Streuung, Quartile und Erstellung von Histogrammen und Häufigkeitsdiagrammen) mit 95%-Konfidenzintervall und Gruppenvergleiche."
Wenn Sie sich für die Inhalte in den Anhängen interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit der INTEGRI-Projektleitung auf:
Medizinische Universität Graz
Univ. Prof. Priv. Doz. Mag. Dr. Gerald Sendlhofer
Leitung der Research Unit
Auenbruggerplatz 5
8036 Graz
gerald.sendlhofer@medunigraz.at