"Der Schlaganfall stellt eine große medizinische und gesundheitspolitische Herausforderung dar. Die Erkrankung steht an vorderster Stelle der Todesursachenstatistik, ist die häufigste Ursache von körperlicher Behinderung im Erwachsenenalter und eine häufige Ursache für die Entstehung einer Demenz oder Depression.
Die Anzahl der Schlaganfallpatient*innen in Tirol liegt über die letzten Jahre bei einer Größenordnung von 1.500 jährlichen Ereignissen, also im Schnitt ca. 4 pro Tag."
"Der Integrierte Patientenpfad / Behandlungspfad Schlaganfall Tiro wurde im Jahr 2009 als Projekt gestartet. Im Pfad ist die optimale Patient*innenbehandlung und effiziente Ablauforganisation in den Behandlungsstufen prähospitale Phase, hospitale Phase, stationäre Rehabilitation / Akutnachbehandlung und ambulante Schlaganfallversorgung beschrieben.
Im Jahr 2016 wurde das Projekt bereits einmal für den INTEGRI eingereicht und war auch unter den Preisträgern. Seitdem konnte der Pfad bis heute nicht nur erfolgreich am Leben erhalten und vom Projekt in den Regelbetrieb übergeführt werden, sondern wurde und wird nach wie vor ständig evaluiert weiterentwickelt.
Zwischenzeitliche Aktivitäten umfassten zB die Integration der Subarachnoidalblutungen, die Definition der Prozesse für die endovaskuläre Therapie, die flächendeckende Ausrollung der ambulanten aufsuchenden Schlaganfallversorgung, die Anwendung eines einheitlichen teilhabeorientierten Assessments ("SINGER"), die Wartung und Weiterentwicklung sämtlicher Pfaddokumente, die Entwicklung und Implementierung einer Software (digitale Dokumentations- und Kommunikationsplattform), die Einführung der APSS-gestützen Triage, laufende sowie anlassbezogene Evaluierungen.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war dabei auch die Etablierung einer fixen "Koordinationsstelle Ambulante Schlaganfallversorgung" am Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol.
a) Homepage Land Tirol: www.schlaganfall-tirol.info
b) Homepage Landesinstitut für integrierte Versorgung Tirol: www.schlaganfall-tirol.at
c) Homepage tirol kliniken - Pfaddokumente: https://schlaganfallpfad.tirol-kliniken.at"
"Ja.
Vorgehen nach im Konsens festgelegten Prozess- und Behandlungsstandards, begleitende Qualitätssicherung, Orientierung an vordefinierten Zielwerten (Benchmarks), gleicher Zugang zur Versorgung unabhängig vom Wohnort."
"Dies obliegt grundsätzlich den beiden begleitend zum Pfad eingesetzten Gremien (Ausschuss, Fachbeirat).
Aktuell diskutiert werden z.B.: Sicherstellung der ambulanten Versorgung, Optimierung Aufnahmeprozesse, Integration Teletherapie und Psychologie."
"Nach Analysen des Erlanger Schlaganfall-Registers verursacht ein Hirninfarkt im ersten Jahr Behandlungskosten von durchschnittlich ca.15.000 €, auf die gesamte verbleibende Lebenszeit gerechnet und mit einem Diskontsatz von 3% abgezinst von ca. 43.000 € (Kolominsky-Rabas et al. 2006). Bei Patienten die ohne Behinderung aussteigen fallen nur die einmaligen Kosten der Akutbehandlung an. In Tirol erleiden jährlich ca. 1500 Personen einen akuten Schlaganfall, davon ca. 1/4 im erwerbsfähigen Alter."
"Methode des integrierten Behandlungspfades zur Optimierung von Behandlungsprozessen. Dazu wurde der Weg eines Patienten für die Dauer eines Behandlungsfalles als ganzheitlicher, interdisziplinärer und institutionsübergreifender Prozess moduliert. Der erarbeitete Behandlungspfad gewährleistet eine optimale Kooperation der verschiedenen Leistungsanbieter des Gesundheitswesens in den Behandlungsstufen prähospitale Phase, hospitale Phase, stationäre Rehabilitation/Akutnachbehandlung und ambulante Rehabilitation.
Im Übergang vom Projekt zum Regelbetrieb wurden in allen Bereichen die entsprechenden Strukturen etabliert, um die Versorgung nachhaltig umsetzen und begleiten zu können."
"Weiterhin werden - ergänzend zu Informationen auf den Webseiten - regelmäßig alle 2 Jahre Schwerpunkte in der Öffentlichkeitsarbeit im Hinblick auf rasche Symptomerkennung und Handeln gesetzt (Folder, Plakate, Broschüren, Videos, Fernsehspots, Radio, …).
In der ambulanten Nachsorge werden die Therapien großteils als Hausbesuche durchgeführt, um die Betroffenen und ihre Angehörige bestmöglich in Ihrem konkreten Alltag zu unterstützen und aktiv einzubinden.
Feedback auch via Patientenbefragungen."
"Die bereits im Zuge des INTEGRI 2016 beschriebenen Strukturen der Vernetzung sind auch 10 Jahre später im Regelbetrieb weiter aufrecht (Häuserrunden mit den Akut-Krankenanstalten und Rehazentren, lokale Netzwerktreffen in der ambulanten Nachsorge).
Weiters gibt es Schlaganfallnetzwerk-Symposien und Fortbildungsangebote mit Schwerpunkt interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Auch Aktualisierungen der Pfaddokumente werden unter möglichst breiter Einbindung aller Betroffenen vorgenommen."
"Grundsätzlich alle entlang der vier definierten Behandlungsphasen (prähospitale Phase, Akutkrankenhaus, stationäre Reha, ambulante Nachsorge).
Insbesondere z.B. Kriterien zur Auswahl des jeweils richtigen Zielkrankenhauses, Übergabeprozesse zwischen KH und Nachbetreuung (z.B. SINGER-Score als Instrument in der ambulanten Nachsorge), Plattform StrokeNet als digitale Kommunikations- und Dokumentationsplattform der ambulanten Schlaganfallnachsorge."
"Bearbeitung Notrufeingang, Transport ins richtige Zielkrankenhaus, Identifikation von Kandidat*innen für eine rekanalisierende Therapie, Entlassungsmanagement in die stationäre / ambulante Reha, Koordination der Nachsorge, Übergabe von Informationen zwischen den Behandler*innen in der Nachsorge."
"Zufriedenheitsumfrage Betroffene: Mit Start der ambulanten Schlaganfallnachsorge bekommt jede/r Betroffene einen Patient*innenfragebogen zugeschickt, mit der Bitte diesen am Ende der Behandlung entweder ausgefüllt der Netzwerkkoordinatorin zu übergeben oder per Post an das LIV (Landesinstitut für integrierte Versorgung Tirol) zu schicken."
"Ja."
"Ein Behandlungspfad muss spezifisch für die betreffende Region von den an den Behandlungsschritten beteiligten Gesundheitsberufen gemeinsam erarbeitet und beschrieben werden; nur so wird er in der täglichen Routine auch umgesetzt.
Eine regelmäßige Berichterstattung über definierte Qualitätsindikatoren unterstützt die kontinuierliche Verbesserung und hält die Kommunikation untereinander aufrecht.
Nachhaltig etablierte / finanzierte Strukturen ermöglichen ein Betreiben über die Projektphase hinaus."
"Inzwischen befindet sich das Projekt in der Regelfinanzierung der einzelnen Institutionen. Direkte Projektkosten fallen somit nur noch für Bezirkskoordinatoren, Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildungen und Software an. Angesichts der großen Zahl der Betroffenen, die von einem strukturierten Pfad profitieren, wird die Kosten-Nutzen-Relation eindeutig positiv gesehen. Die Wirksamkeit des Pfades ist durch wissenschaftliche Aufarbeitung belegt."
"Qualitätsindikatoren sind in allen Behandlungsphasen definiert und gemessen, tw. mit Zielwerten hinterlegt. Diese umfassen z.B. Prähospitalzeit, Zeitspanne von der KH-Aufnahme bis zur Bildgebung, Häufigkeit rekanalisierender Therapie (Lyse i.v., Thrombektomie), Häufigkeit von Früh-Reha im Akut-KH, Pneumonierate, Versorgungsanteile stationäre und ambulante Reha, Therapiebeginn und Therapiefrequenzen in der ambulanten Nachsorge, …
Es werden Berichte erstellt und im kollegialen Dialog reflektiert."
"Ja".
Digitale Plattform StrokeNet:
"Die Software ist als Web-Applikation umgesetzt. Die Systemarchitektur ist serviceorientiert und modular aufgebaut, was Erweiterbarkeit und Wartbarkeit sichert.
Technologische Grundlage ist ein OpenSource Webframework, welches eine stabile und skalierbare Basis für datenbankgestützte Webanwendungen sowie integrierte Funktionen für Sicherheit und Benutzerverwaltung bietet. Das Statistikmodul setzt auf das Observational Medical Outcomes Partnership (OMOP) Common Data Model (CDM), um standardisierte und interoperable Datenstrukturen für analytische Auswertungen zu gewährleisten.
Das Sicherheitskonzept beinhaltet eine durchgängige HTTPS-Verschlüsselung für den Web-Client. Zugriffskontrollen umfassen das Logging aller Zugriffe, eine 2-Faktor-Authentifizierung (2FA) sowie ein granulares Rollen- und Berechtigungssystem. Dieses definiert klar strukturierte Benutzerrollen mit spezifischen Zugriffsrechten und setzt das Prinzip der minimalen Rechtevergabe um: Anwender*innen erhalten nur Zugriff auf die für sie freigegebenen Funktionen und Daten.
Regelmäßige Wartung und kontinuierliche Anpassung an aktuelle Sicherheitsstandards sichern ein hohes Maß an Datenschutz und -integrität."
"a) Bestehendes absichern
Ein Projekt zu initiieren ist das eine – es über viele Jahre hinweg nachhaltig zu etablieren und erfolgreich fortzuführen das andere. Dies geschieht nicht von selbst. Vielmehr erfordert es eine kontinuierliche strategische Begleitung: das Thema dauerhaft präsent zu halten, den Dialog mit den Systempartnern aktiv zu gestalten, veränderte Rahmenbedingungen frühzeitig zu berücksichtigen sowie Prozesse regelmäßig zu evaluieren und weiterzuentwickeln.
b) Weiterentwicklungen planen
z.B. Triage für Zielkrankenhaus im Rettungs- und Notarztwesen noch weiter optimieren, weiterer Ausbau der endovaskulären Behandlung durch möglichst optimale Patient*innenselektion, Stärkung der ambulanten Nachsorge (Sicherstellung ausreichender therapeutischer Ressourcen, Prüfung neuer zusätzliche Elemente wie Einsatz einer Tele-Therapie-Applikation oder Integration einer psychologischen Begleitung)."
"Ein zentrales Thema in den letzten drei Jahren sind die Tarife der bestehenden Vertragspartner*innen und die Knappheit der personellen Ressourcen in der Versorgung von Betroffenen in der ambulanten Schlaganfallnachsorge. Interessierte Therapeut*innen gibt es in Tirol, es ist jedoch unter den aktuellen Rahmenbedingungen schwieriger geworden, ausreichend viele für die Zusammenarbeit und für eine ausreichende Patient*innenübernahme zu gewinnen. Ein ausreichender Pool an Therapeut*innen, die bereit sind viele akute Schlaganfallpatient*innen zu versorgen, ist Voraussetzung um die definierten Kriterien in der ambulanten Nachsorge (wie zeitgerechter Beginn der Therapie und Einhaltung der medizinisch notwendigen Therapiefrequenz) weiter erfüllen zu können."
Wenn Sie sich für die Inhalte in den Anhängen interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit der INTEGRI-Projektleitung auf:
Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol
Koordinationsstelle für Prävention
Mag. LL.M. Hanna Wagner
Koordinatorin und Juristin
Bürgerstraße 15
6020 Innsbruck
hanna.wagner@tirol-kliniken.at