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Mit Grusel in das 21. Jahrhundert

16. November 2021 | Martin Gruber
Der Linzer medSpace: Auf einer über 50m2 großen Projektionsfläche werden CT- und MR-Scans in 8K und 3D gezeigt. Auch im Programm: Livestreams aus dem OP.
Der Linzer medSpace: Auf einer über 50m2 großen Projektionsfläche werden CT- und MR-Scans in 8K und 3D gezeigt. Auch im Programm: Livestreams aus dem OP.

Der MED Campus der Kepler Universität Linz hat seinen Betrieb aufgenommen. Man setzt auf die enge Zusammenarbeit zwischen Klinikbetrieb, Forschung und Lehre – und auf futuristische Technologie, die bislang einzigartig ist.

Die Studierenden starren gebannt auf das fast sechs Meter große menschliche Skelett. Sie sehen die doppelte Krümmung der Wirbelsäule. Sie sehen die einzelnen Wirbel – groß und klar, aus jedem Blickwinkel. Sie sehen feine, aber wichtige Nuancen, je nach Funktion und Aufgabe: die großen, stabilen Lendenwirbel, die viel Gewicht tragen müssen und schon stark abgenutzt sind, oder die schlanken Halswirbel, die sehr beweglich sein sollten, aber bei diesem Exemplar massiv versteift sind. Immer wieder geht ein Raunen durch den Saal, wenn der Redner mit der futuristischen Brille, die man aus Virtual-Reality-Spielen kennt, auf einen neuen Befund hinweist.

Aber virtuell ist hier nichts, und das Ganze ist kein Spiel. Die Zuschauer sind Studenten der medizinischen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz. Und der Redner ist ihr Professor. Die Damen und Herren befinden sich im sogenannten medSPACE. Bei diesem handelt es sich um eine 125 Quadratmeter große Black-Box, die als Hörsaal, Forum oder Bühne dient.

Auf einer sechs mal neun Meter großen Leinwand können Computertomographie- und Magnetresonanz-Scans, die im benachbarten Klinikum von Patienten aufgenommen wurden, in hoher Qualität in 8K und 3D gezeigt werden. Zudem sind Live-Übertragungen aus dem Operationssaal möglich. Und die Ärzte nutzen die neue Technologie selbst: Sie sehen vor dem Eingriff das betroffene Organ oder Gelenk dreidimensional, können es vergrößern und aus allen Perspektiven betrachten. Der medSPACE ist weltweit noch einzigartig. Dementsprechend euphorisch ist man in Linz: „Wir haben eine Fakultät für das 21. Jahrhundert gegründet. Damit war klar, dass wir nicht lehren können wie im 20. Jahrhundert“, sagt Meinhard Lukas, Rektor der Kepler Universität.

 

Kraftakt des Landes

Der medSPACE ist das Vorzeigeprojekt des neuen MED Campus der Uni Linz, der im September am Areal des Kepler Universitätsklinikums eröffnet wurde. Der Campus wiederum ist ein großer Schritt für die junge medizinische Fakultät, die erst seit 2014 existiert. Die Baukosten in Höhe von 105 Millionen Euro wurden vom Land Oberösterreich übernommen. Das laufende Budget trägt der Bund.

Derzeit lernen 1.100 Studenten am MED Campus. Im Vollausbau im Jahr 2028 sollen es 1.800 sein. Dann sollen auch 300 neue Studienplätze pro Semester angeboten werden. Im heurigen Wintersemester waren es 240, für die es beim Aufnahmetest mit mehr als 2.200 Anmeldungen ein Vielfaches an Bewerbern gab – so wie an den anderen Medizin-Universitäten in Österreich. Unterrichtet werden die Studenten derzeit von 15 Professorinnen und Professoren. Im Vollausbau sind 32 geplant.

Bei der Eröffnung des Campus waren sich die Honoratioren in ihren Reden einig. Die Vernetzung von Versorgung der Patienten, Lehre und Forschung an einem Ort ist der Schlüssel, um die Medizin der Zukunft zu entwickeln und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Das Zusammenspiel von Klinik und Campus soll auch die Wirtschaft beflügeln. Die Medizintechnik-Branche in Oberösterreich hat bereits jetzt eine beachtliche Größe. Sie umfasst mehr als 60 Unternehmen mit rund 7.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro.

Der medSPACE ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Kooperation: Er wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Kepler Universität, Siemens Healthineers und dem Ars Electronica Futurelab in Linz entwickelt. Projekte wie der medSPACE „sind nur möglich, wenn mehrere Player über Jahre intensiv zusammenarbeiten und am selben Strang ziehen“, so Horst Hörtner, Direktor des Ars Electronica Futurelab.

Er gerät bei den Möglichkeiten des medSPACE ins Schwärmen: „Wir setzen hier eine Technologie ein, die es uns erlaubt, die Zukunft der High Education im medizinischen Bereich völlig neu zu denken.“ Professor Franz Fellner, der das Projekt initiiert und mitentwickelt hat, sieht das ganz ähnlich: „Das ist erst der Anfang. Das hat unglaubliches Potenzial. Was noch genau kommt, wissen wir nicht. Aber wir wissen, da ist noch gewaltig was drin in der Zukunft.“

Mit dem MED Campus rückt die Kepler Universität, deren Campus sich im Norden von Linz befindet, in das Zentrum der Stadt. Er soll einen sogenannten Begegnungsraum schaffen und das Stadtviertel rund um das Keplerklinikum aufwerten. Am Gelände gibt es eine Bäckerei, eine Bank, einen Lebensmittelmarkt und ein Café mit Terrasse, auf der die Studenten entspannen und bei gutem Wetter die Sonne genießen können. Weitere Geschäfte sollen folgen.

 

Ungelöste Nachwuchsprobleme

Neben lokalpolitischen Ambitionen des damaligen Landeshauptmanns Josef Pühringer gab es 2014 eine Mehrzahl von Gründen, in Linz eine neue MedUni zu installieren – selbst wenn die traditionellen MedUni-Standorte Wien, Graz und Innsbruck wenig erbaut waren. Hauptargument der Oberösterreicher war die absehbare Versorgungsproblematik. Bis 2030 würde die Pensionierung der Boomer-Jahrgänge (1958 bis 1965) einen deutlich erhöhten Bedarf an jungen Ärztinnen und Ärzten hervorrufen. 

Heute wissen wir: Die Bedarfsprognosen waren zu vorsichtig. Und der Aufbau der MedUni Linz mit 300 oberösterreichischen Studienplätzen pro Semester kann daran wenig ändern, wenn laut Ärztekammerstatistik von rund 1.700 Medizin-Absolventen nur rund 40 Prozent als Ärzte in Österreich bleiben. Eine weitere Aufstockung der Ausbildungsplätze, wie zuletzt von der Vizerektorin für Lehre an der MedUni Wien, Anita Rieder, bei einer Pressekonferenz gefordert, wird den Trend nicht brechen können. 

Dabei ist das Mismatch zwischen Studieninteressenten und Studienplätzen riesig: Im zweiten Corona-Sommer 2021 bewarben sich exakt 12.777 Studenten durch abgegebene Prüfungsarbeiten um 1.740 Studienplätze. So wird nur für die wenigsten Bewerber der Wunsch des Linzer Uni-Administrators Alexander Freischlager in Erfüllung gehen, der sich anlässlich der Eröffnung wünschte: „Die Menschen sollen sich am neuen MED Campus wohlfühlen. Ich bin sicher: Er wird einen großen Beitrag zur bestmöglichen Ausbildung und Forschung leisten.“

Quelle: ÖKZ 11/2021, 62. Jahrgang, Springer-Verlag.

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