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Schlafstörungen sind in Europa häufiger als bisher angenommen. Die wichtigsten wie obstruktive Schlafapnoe, Schlaflosigkeit und Restless-Legs-Syndrom betreffen 31% der Erwachsenen. Die entstehenden jährlichen Kosten gehen in Hunderte Milliarden Euro, hat ein internationales Wissenschaftler*innen-Team mit österreichischer Beteiligung jetzt auf Basis wissenschaftlicher Literatur belegt.
"Schlaf und Schlafstörungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns (neurologische und psychiatrische Erkrankungen), des Körpers und die Gesellschaft. Trotzdem wurden die epidemiologischen und ökonomischen Belastungen durch Schlafstörungen bisher nicht ausreichend untersucht. Diese Studie untersucht die Epidemiologie und die Kosten von Schlafstörungen in 47 europäischen Ländern und identifiziert Wissenslücken in der Literatur", schrieben jetzt Claudio Bassetti (Medizinische Fakultät der Universität Bern) und seine Co-Autoren im "European Journal of Neurology" (doi: 10.1111/ene.70463), unter ihnen auch Thomas Berger (Universitätsklinik für Neurologe/MedUni Wien/AKH) und andere österreichische Co-Autoren.
Die Expert*innen führten systematische Recherchen der wissenschaftlichen Literatur für den Zeitraum von Jänner 2020 bis April 2023 durch und identifizierten dabei die relevanten epidemiologischen Studien sowie Untersuchungen zu den Krankheitskosten. Die wissenschaftlichen Untersuchungen wurden dann erneut analysiert. Berücksichtigt wurden obstruktive Schlafapnoe (OSA; häufige Atmungsaussetzer im Schlaf), Schlaflosigkeit, Narkolepsie (exzessive Tagesschläfrigkeit), Restless-Legs-Syndrom (RLS) und die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD; Verlust der Muskellähmung während des REM-Schlafs). Insgesamt wurden 47 europäische Staaten berücksichtigt, die ökonomischen Analysen konnten sich nur auf 30 Länder beziehen, weil viele Daten fehlten.
Der Personenkreis umfasste über 20-Jährige, bei der obstruktiven Schlafapnoe Menschen im Alter über 30 Jahre. Die Hauptergebnisse, so die Autoren: "Die geschätzte Prävalenz (Häufigkeit bei der berücksichtigten Personengruppe) für obstruktive Schlafapnoe (OSA), Schlaflosigkeit, Restless-Legs-Syndrom (RLS), Narkolepsie und REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) in der erwachsenen Bevölkerung betrug 18% (OSA; Anm.), zehn Prozent (Schlaflosigkeit; Anm.), drei Prozent (RLS; Anm.), 0,03 Prozent (Narkolepsie; Anm.) bzw. 0,009 Prozent (REM-Schlaf-Verhaltensstörung; Anm.)."
Der Anteil der direkten Kosten wurde mit 48% berechnet, jene der indirekten Kosten (z.B. Arbeitsausfälle etc.) mit 52%. Der jährlich durch Schlafstörungen verursachte Schaden ist offenbar extrem hoch. "Wirtschaftliche Daten lagen ausschließlich für Länder mit hohem Einkommen in Europa vor. OSA war die kostenintensivste Schlafstörung (184 Milliarden Euro), gefolgt von Schlaflosigkeit (158 Milliarden Euro), RLS (79 Milliarden Euro), Narkolepsie (905 Millionen Euro) und RBD (436 Millionen Euro)", schrieben die Wissenschaftler*innen.
Den Problemen sollte jedenfalls mehr Augenmerk gewidmet werden, so die Wissenschaftler*innen: "Die unerwartet hohe Prävalenz (Anteil der Betroffenen in der Bevölkerung; Anm.) und die erhebliche wirtschaftliche Belastung durch Schlafstörungen stehen im Gegensatz zur allgemein vernachlässigten Rolle der Schlafgesundheit und von Schlafstörungen in Strategien der öffentlichen Gesundheit."