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Die Arbeit der Tor­männer

11. Februar 2022 | Walter Zifferer
Bernhard Staudinger, starker Rückhalt seines SK Vorwärts Steyr!
Bernhard Staudinger, starker Rückhalt seines SK Vorwärts Steyr!

Vollgas für den Zweitligisten SK Vorwärts Steyr am Fußballrasen, Vollzeit für CGM im Home Office...

Montag Morgen, 9:00 Uhr; Bernhard Staudinger trinkt wie immer um diese Zeit seinen zweiten Kaffee. Heute ist noch nicht viel los. Er sitzt in seinem „All-in-One“-Büro (so nennt der Spieler von SK Vorwärts Steyr sein Schlafzimmer, das er in Homeoffice-Zeiten zum Arbeitsraum umfunktioniert hat) an seinem Schreibtisch. Vor ihm an der Wand hängen Zeichnungen seiner Tochter, neben ihm steht ein multi-funktionales Fitnessgerät - Gewichte und eine Faszienrolle liegen darauf. 

„Wenn einmal etwas weniger zu tun ist, kann ich zwischendurch ein paar Übungen machen“, sagt Staudinger gut gelaunt. „Das Homeoffice hat auch seine Vorteile.“ 

Bernhard ist Zweitliga-Fußball-Tormann und dabei einer der wenigen im Kader, die arbeiten - Bernhard macht dies ganze 38,5 Stunden in der Woche! Er ist für CompuGroup Medical (CGM) für das SAP-Ticketsystem verantwortlich. Konkret heißt das, wenn es bei Krankenhauskunden für SAP-Anwender zu Troubles kommt, unterstützt Bernhard die dortigen User: Der studierte Wirtschaftspädagoge sorgt dafür, dass Problemfälle möglichst rasch und zuverlässig den richtigen Adressaten bei CGM finden. 

Bernhard Staudinger,<br>SAP Support Professional /<br>Application Management bei<br>CGM Clinical Österreich
Bernhard Staudinger

Ich bearbeite selbst inhaltlich keine Tickets, aber ich monitore den Serviceprozess dahinter und kümmere mich darum, dass unsere Kunden so schnell wie möglich problemfrei weiterarbeiten können.

Bernhard Staudinger,
SAP Support Professional /
Application Management bei
CGM Clinical Österreich

Jeden Tag macht er das, von 7:00 bis 16:00 Uhr. Die Vormittagstrainings am Rasen muss er ausfallen lassen. Doch der Beginn der Nachmittagseinheiten geht sich problemlos aus - mit dem Fahrrad sind es von Bernhards Wohnung nur zwei Minuten bis zum Vorwärts-Stadion. An Spieltagen hört man die Atmosphäre bis ins Wohnzimmer.

Bernhard Staudinger in seinem Home-Office

Bernhard Staudinger in seinem Home-Office.

Früher noch, als die Vorwärts in die 2. Liga aufgestiegen ist, hat es mehr Spieler gegeben, die nebenbei gearbeitet haben. Die Hälfte sei es ungefähr gewesen. Heute, sagt er, gehen nur mehr zwei einer Vollzeitbeschäftigung nach, ein weiterer arbeitet Teilzeit, einige Spieler studieren. 

„Es hat eine Professionalisierung stattgefunden“, sagt Bernhard. „Aber ich mag es, zu arbeiten. Manchmal sagen mir Mannschaftskollegen, sie hätten auch gern einen Job, damit sie nicht immer nur an Fußball denken müssen.“

Am Feld arbeitet sich der 28-Jährige gerade zurück von einem Infekt, der ihn im Herbst plagte. Zwei Spiele hat er seither bestritten, die letzten eineinhalb Jahre war er Stammtorhüter.

„Natürlich ist es schwerer, sich das Einserleiberl wieder zu holen, wenn man nicht immer im Trainings sein kann“, sagt er. „Aber das verstehe ich. Und ich habe vollstes Vertrauen in meine Fähigkeiten.“ 

Daran erinnern auch die drei Dressen, die an der Wand des Schlafzimmers hinter ihm hängen. Die trug er in den Saisonen, seit die Steyrer in die Zweitklassigkeit zurückgekehrt sind. Am liebsten erinnert er sich an gehaltene Elfmeter, sein Spezialgebiet, wie Staudinger selbst sagt. In der Vorsaison hielt er zum Beispiel gegen Torschützenkönig Fabian Schubert, nicht nur einmal. Denn weil sich der Tormann beim ersten Anlauf zu früh von der Linie bewegte, durfte Schubert noch einmal antreten – und scheiterte wieder. Staudinger ermöglichte der Mannschaft damit einen Punktgewinn gegen den späteren Meister Blau-Weiß Linz. 

„Im Rückspiel hat Schubert dann einen verwandelt“, sagt er. „Aber er hat mir danach gesagt, wie schwer es ist, gegen mich anzutreten. Das hat mir viel bedeutet.“

Die Paraden gegen Schubert haben auch in der Arbeit Eindruck hinterlassen. Zwei Kollegen seien Fans der Blau-Weißen, die hat Staudinger damit etwas ärgern können, wie er lachend erzählt. Vorwärts-Fans gäbe es in der Firma auch. „Die sind manchmal sogar besser informiert als ich“, sagt der Tormann. „Sie stehen im Ostblock und jubeln mir dann besonders zu.“ 

Er freut sich, wenn das nach dem Ende der Corona-Maßnahmen problemlos möglich sein wird. Als Tormann lebe man von den Emotionen im Stadion. Nur das Homeoffice, das könne ruhig bleiben. „Ich habe mich gut eingerichtet“, sagt Staudinger.

Quelle: Auszug aus "ADMIRAL Journal der 2.Liga" (Offizielles Journal der zweiten österreichischen Fußballliga), 2-2020/21, S.22 - 25., Moritz Ablinger, Peter K. Wagner: "Die Arbeit der Tormänner".

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