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Auch der Klinik­einkauf braucht rasch deutlich mehr Digitali­sierung!

11. Februar 2021 | Walter Zifferer
Bunte Pfeile zeigen in die selbe Richtung (Symbolbild Synergie)
Bunte Pfeile zeigen in die selbe Richtung (Symbolbild Synergie)

Bereits die erste Corona-Welle in der COVID-19 Pandemie zeigte wie nie zuvor auf: Versorgungsengpässe bei Schutzprodukten, Arzneimitteln und Medizinprodukten stellen unsere Krankenanstalten und niedergelassenen Strukturen vor völlig neue Herausforderungen. Unsere eingefahrenen Systeme sind klarerweise bislang nicht auf solch unvorhergesehene Spitzen ausgelegt. Ein Grund mehr, sich mal Gedanken darüber zu machen, wie man aus dem Stress der zurückliegenden Tage lernen kann, um künftig besser aufgestellt zu sein.

Fehlendes Material, Eingriffe der Regierung in die bestehenden Versorgungsprozesse und -strukturen (Lieferketten), extreme Nachfrageschwankungen und ungeplante operative Einflüsse (z.B. das notwendige kurzfristige Verschieben von geplanten elektiven Eingriffen) führte zu massiven zusätzlichen Anstrengungen für die betroffenen klinischen Belegschaften. Bereits in der ersten Jahreshälfte 2020 haben sich Einkauf- und Logistikabteilungen mit diesen Auswirkungen intensiv beschäftigen müsen: welche Anpassungen in der Supply Chain sind nötig, um einen uneingeschränkten Betrieb aufrecht erhalten zu können? Um zukünftig eine sichere, nachhaltige Patientenversorgung aufrecht erhalten zu können, bedarf es nicht nur des Überdenkens der offensichtlichen externen Beschaffungsstrukturen, sondern insbesondere auch angepasste hausinterne Strategien und Prozesse. Diese müssen natürlich in logi (sti) schem Einklang mit den ggf. genutzten zentrale Beschaffungsprozessen stehen. Es ergeben sich hier sowohl für kleinere Einzelhäuser, aber auch für große Krankenhausträger völlig neue Anforderungen, die sinnvollerweise strategisch definiert werden sollten.

Besonders spannend ist natürlich die Frage, wie mit der gerechte Verteilung im Krankenhausverbund umzugehen ist. Natürlich muss man Sorge dafür tragen, dass alle Einzelhäuser fair versorgt. Aber das Horten von „ausreichenden“ Mengen mit entsprechenden Sicherheitsbeständen kann durchaus dazu führe, dass kleinere Häuser außerhalb des Konzerns in umso größere Versorgungsprobleme geraten. Eine übergreifende regionale Abstimmung und Vernetzung von Logistikanforderungen und damit verbundenen Qualitätsprüfungen wäre hier durchaus ratsam – fernab von (konzern-) politischen Interessen.

Wie stark ein Verfolgen von Eigeninteressen zu Belastungen des Versorgungssystems führen kann, zeigte sich im Frühjahr 2020. Alleingänge unterfeuern natürlich auch ungewollte Preissteigerungen oder lassen gar Lieferketten abreissen. Die aktuellen Diskussionen rund um die Versorgung mit ausreichend Impfstoffen zeigen ja eindrucksvoll auf, wie unkoordinierten, auf Einzelinteressen ausgerichtete Beschaffung zum Wanken des Versorgungssystems beitrage kann. Was also auf internationalem Bankett rund um die Impfung schiefgelaufen ist, sollten wir in Österreich überall dort, wo wir aktiv und vorausschauend schlau planen und steuern können, viel besser machen.

 

Wir müssen ganz einfach weg davon, dass Einzelaktionen ein Gemeinwohl irritieren. Doch wie sieht hierzu eine faire Lösung tatsächlich aus? 

Die wichtigste Basis dazu stellt jedenfalls Transparenz dar! Es muss wohl nachvollziehbare übergreifende Systeme geben, die Kontingente steuern und überwachen. Hier können digitale Systeme helfen, die einerseits retrospektiv den tatsächlichen Verbrauch (und nicht die gehorteten Lagermengen) kennt und verbindliche Verhandlungsmengen der Einkäufer in Abhängigkeit von deren Vorsorgungsparametern berücksichtigt. Einmal mehr zeigt sich: ein vernetztes, gemeinsames Vorgehen würde nicht nur die Versorgung besser absichern, sondern auch die Einkaufskonditionen optimieren.

Eine zentralisierte Beschaffung ist selbstverständlich (hoffentlich!) auf Kosteneinsparungen und Renditen optimiert. Sowohl Rohstoffmärkte als auch Produktionen sind heute für eine Vielzahl von Medizinprodukten und Arzneimitteln auf wenige (meist asiatische) Länder, Konzerne und Standorte reduziert. In einer globalen Krise wie der COVID-19-Pandemie zeigt eine global organisierte Supply Chain natürlich ihre Schwächen. Globale Nachfragespitzen wirken sich fatal auf den europäischen Markt aus. Steigt beispielweise die Anzahl an Infizierten in den USA sprunghaft massiv an (wie es ja tatsächlich mehrfach passierte), haben es Einkäufer in Europa extrem schwer, davon betroffene Produkte zu beschaffen. 

 

Was sicher helfen würde? Wenn die Hersteller von intensivkritischen Produkten, aber auch von Commodities und Generika wieder in sinnvoller Größenordnung Europa produzieren würden, um eine entsprechende Versorgung garantieren zu können. 

Denn worum geht es? Um die bestmögliche Versorgung von Patienten aus medizinischer Sicht und um die Verhinderung von volkswirtschaftlichen Schäden aus wirtschaftlicher Sicht! Im Klinikeinkauf bedeutet dies, systemrelevante Produkte ständig verfügbar zu halten – und zwar in einer Menge, die einerseits Sicherheit bietet, andererseits ein übermäßiges Horten verhindert. Es braucht wohl Lösungen, wie man sie teilweise aus dem Handel kennt: Gemeinsame Lagerkapazitäten, übergreifende Szenarien für effizientes Continuous Replenishment. Doch im Gegensatz zum Handel sollte darauf abgezielt werden, Produktvarianten so reduziert wie nötig/sinnvoll zu halten, ohne gleichzeitig Innovationen zu verhindern. Qualität und Geschwindigkeit in der Versorgung sollte jedenfalls grundsätzlich wichtiger als Variantenvielfalt sein. 

Ja, dazu braucht es gewiss europaweit geltende Standards und völlig neue Ansätze, um das Vorhalten von medizinischen Kapazitäten finanzierbar zu gestalten.

 

Digitalisierung nutzen!

Eines hat die Coronakrise ganz deutlich gezeigt: Den unglaublich großen Rückstand der Gesundheitsbranche in punkto Digitalisierung! Denn bereits vor 2020 stand in vielen Krankenhäusern die dringende Notwendigkeit an, digitale Einkaufslösungen zu nutzen, um Supply Chains zu optimieren. Collaboration Tools, wie sie in der Industrie seit 15 Jahren und länger genutzt werden, sind in Akut- und Rehaeinrichtungen längst nicht flächendeckend umgesetzt. Konzernweite, unternehmensübergreifende, ja regionale Einkaufskoordinationen (bis hin zur Einbindung des benachbarten Auslandes wie etwa in Bayern, Tschechien oder Südtirol) zur Unterstützung ländlicher Versorgungsstrukturen wären evt. grundsätzlich sinnvoll und denkbar. Wo es sogar erfolgreiche Lösungsansätze und -konzepte für integrierte medizinische Versorgungsmodelle gibt, kann eine Bündelung von Einkaufsprozessen nicht unmöglich sein! 

Themen wie der ethisch korrekte und dennoch wirtschaftliche Umgang mit knappen Ressourcen, kollaborative Sourcing-Strategien und gemeinsame Optimierung von Logistik- und Wertschöpfungsketten braucht moderne IT-Systeme als Unterbau. Innovative IT-Firmen nutzen heute Künstliche Intelligenz und Predictive Analytics, um komplexe Fragestellungen zu lösen. Gleichzeitig klären uns Schlagzeilen über fragwürdige steuerzahlerfinanzierte Digitalisierungsprojekte wie "Kaufhaus Österreich" auf. Die Kluft zwischen diesen beiden Welten ist unsagbar groß. Es wäre angesichts der durch die Pandemie aufgerissenen Neuverschuldung des Staates wohl an der Zeit, jene Digitalisierungsprojekte zu identifizieren, die volkswirtschaftlich nachhaltig Sinn machen. Die Hausaufgabe des Gesundheitsbereichs wäre es freilich, vorab schleunigst die zugrundeliegenden Strukturen kritisch zu hinterfragen. 

Hier wäre also ein sehr sinnvoller Ansatzpunkt, der zudem viel Potenzial zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in Europa bietet. Wenn es dafür jetzt keine Fördermittel und Anschubhilfen gibt, wofür und wann den bitte dann? 

Denn eines sei gewiss: 
Die nächste Pandemie kommt bestimmt!

Inspiration:

f&w, 1/2021, S.55: Lennart Eltzholtz, Johannes Müer: „Zukunft im Klinikeinkauf - Auf das Wir kommt es an!".

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