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KI im Kranken­haus-Controlling - Vom Berichts­wesen zur voraus­schauenden Steuerung

26. Februar 2026 | KMS
Storytelling.
Storytelling.

Künstliche Intelligenz verändert das Gesundheitswesen rasant – von smarteren Auswertungen klinischer Daten bis hin zu automatisierten Meldungen und Frühwarnsystemen. Wie sich dieser Wandel konkret in Produktarchitektur, Medizincontrolling und Klinik-IT niederschlägt, darüber spricht unser Vice President Product Architecture und promovierter Gesundheitsökonom Dr. Stephan Werthebach im Interview.

Dr. Stephan Werthebach, <br>Vice President Product Architecture bei KMS
Dr. Stephan Werthebach, Vice President Product Architecture bei KMS.

Die KI kann Kennzahlen erläutern, Herleitungen sichtbar machen und Ergebnisse in verständlicher Sprache zusammenfassen – etwa als Management-Story für die Geschäftsführung. So werden unsere Kernwerte Genauigkeit, Transparenz und Effizienz im Alltag direkt spürbar. 

 

Dr. Stephan Werthebach, 
Vice President Product Architecture bei KMS

Stephan, in welchen Bereichen siehst Du aktuell das größte Potenzial für KI-Anwendungen im Controlling für Gesundheitseinrichtungen?

 

Stephan Werthbach: "Ich sehe das größte Potenzial überall dort, wo heute hochqualifizierte Controller:innen viel Zeit mit Routinetätigkeiten verbringen, statt ihre Expertise für die eigentliche Steuerung des Hauses zu nutzen. Konkret heißt das: KI kann Datenqualität automatisiert prüfen, Auffälligkeiten markieren und Daten aus vielen Quellen so vorbereiten, dass sie verlässlich steuerungsrelevant werden – ein riesiger Hebel im Klinikalltag.

Der zweite große Bereich sind Prognosen und Szenarien: Wie entwickeln sich Erlöse und Kosten bei bestimmten Leistungsstrukturen? Wie wirkt sich eine veränderte Belegung auf Personalbedarf, OP-Kapazitäten oder Reha-Plätze aus? KI-Modelle können hier auf Basis der historischen Daten eines Hauses sehr konkrete, hausindividuelle Antworten liefern – weit über klassische Trendfortschreibungen hinaus.

Drittens wird Controlling deutlich zugänglicher werden: Statt komplexe Filter und Auswertungslogiken zu kennen, können Controller:innen und Entscheider:innen über „Conversational Analytics“ in natürlicher Sprache mit den Daten sprechen – zum Beispiel: „Zeig mir alle Stationen, bei denen Erlöse und Personaleinsatz auseinanderlaufen.“ KI übersetzt diese Frage in die passende, technisch komplexe Abfrage über mehrere Module hinweg."

 

KMS setzt auch auf Künstliche Intelligenz und hat unter anderem eine KI in das Data Warehouse eisTIK® implementiert. Was genau sind denn die Vorteile für Endnutzer:innen?

"Für unsere Anwender:innen ist KI in eisTIK® vor allem eines: ein Assistent, der ihnen Zeit zurückgibt. Statt lange Berichte zu bauen, hilft die KI dabei, die richtige Kennzahl, den passenden Filter und die sinnvollste Darstellung zu finden – maßgeschneidert für die Fragestellung im Krankenhaus.

Gleichzeitig senken wir die Hürde für anspruchsvolle Analysen. Controller:innen müssen nicht mehr wissen, in welchem Cube oder in welchem Modul die Daten liegen. Die KI führt sie durch die Datenlandschaft von eisTIK®, schlägt sinnvolle Auswertungen vor und unterstützt bei der Interpretation: „Ist diese Entwicklung normal oder ein Ausreißer? Welche Bereiche verhalten sich ähnlich?“.

Ein weiterer Vorteil: Wir machen komplexe Zusammenhänge erklärbar. Die KI kann Kennzahlen erläutern, Herleitungen sichtbar machen und Ergebnisse in verständlicher Sprache zusammenfassen – etwa als Management-Story für die Geschäftsführung. So werden unsere Kernwerte Genauigkeit, Transparenz und Effizienz im Alltag direkt spürbar."

 

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die Einrichtungen erfüllen müssen, damit KI-Lösungen im Rahmen eines Data Warehouses sinnvoll eingesetzt werden können?

"Die wichtigste Voraussetzung ist eine verlässliche, zentrale Datenbasis. Ohne ein strukturiertes Data Warehouse wie eisTIK®, das Daten aus KIS, OP-Management, Abrechnung, Dienstplan, Personal, Finanzen und weiteren Systemen standardisiert zusammenführt, kann KI ihr Potenzial nur sehr eingeschränkt entfalten.

Zweitens braucht es klare Spielregeln: ein Rollen- und Rechtemodell, definierte Datenverantwortlichkeiten und ein gemeinsames Verständnis von Kennzahlen. Wenn geklärt ist, welche Daten wofür genutzt werden dürfen und wie sie fachlich zu interpretieren sind, kann KI auf dieser Grundlage sicher und zielgerichtet arbeiten.

Drittens sollte eine Einrichtung bereit sein, ihre Mitarbeitenden mitzunehmen: KI im Controlling ist kein Selbstzweck. Es geht darum, Controller:innen zu entlasten und ihre Rolle zu stärken – hin zu Sparringspartner:innen für Management und Fachbereiche. Das gelingt dann besonders gut, wenn Data Literacy und ein Grundverständnis für KI bewusst gefördert werden."

KI im Controlling darf nur dann eine Zukunft haben, wenn sie Datenschutz und Informationssicherheit von Anfang an mitdenkt – und genau danach richten wir unsere Architektur aus.

Wie steht es um den Sicherheitsaspekt: Besteht die Gefahr, dass sensible Daten über die KI ins Netz gelangen?

"Diese Sorge begegnet uns häufig – und ich kann sie klar einordnen: Die KI-Funktionen in eisTIK® arbeiten auf der gleichen gesicherten Infrastruktur wie das Data Warehouse selbst. Das heißt: Es gibt keinen unkontrollierten ´Datenabfluss´ in öffentliche, frei zugängliche KI-Dienste.

Wir unterscheiden ganz bewusst zwischen Consumer-KI im Internet und professionellen, im Krankenhauskontext betriebenen KI-Funktionen. In eisTIK® gelten die gleichen Datenschutz- und Sicherheitsmechanismen wie für alle anderen Auswertungen: Rollen- und Rechtekonzepte, Protokollierung von Zugriffen und – wo erforderlich – Pseudonymisierung oder Aggregation von Patientendaten.

Grundsätzlich gilt: Die Einrichtung behält die Hoheit über ihre Daten. Weder werden Patientendaten für das Training öffentlicher Modelle verwendet, noch werden sensible Informationen ohne ausdrückliche Freigabe in externe Dienste übertragen. KI im Controlling darf nur dann eine Zukunft haben, wenn sie Datenschutz und Informationssicherheit von Anfang an mitdenkt – und genau danach richten wir unsere Architektur aus.

 

Wie sorgt ihr bei der Entwicklung von KI-basierten Funktionen im Data Warehouse dafür, dass die Ergebnisse für Controller:innen transparent und nachvollziehbar bleiben?

"Transparenz ist ein Kernwert unseres Produktes – KI ändert daran nichts, im Gegenteil: Sie soll die Nachvollziehbarkeit erhöhen, nicht verringern. Deshalb verstehen wir KI in eisTIK® als Assistenzsystem, nicht als „Blackbox-Entscheider“. Jede Empfehlung der KI lässt sich auf klassische Auswertungen zurückführen: Welche Datenbasis wurde genutzt, welche Filter wurden gesetzt, welche Kennzahl wurde berechnet? Diese Schritte bleiben sichtbar und dokumentiert.
Zudem legen wir großen Wert auf erklärbare Ergebnisse. Unsere KI beschreibt nicht nur was auffällig ist, sondern auch warum – zum Beispiel, welche Stationen oder Leistungsbereiche maßgeblich zu einer Entwicklung beitragen oder welche historischen Muster als Vergleich herangezogen wurden. Das unterstützt Controller:innen in ihrer Kernaufgabe: bewerten, einordnen, entscheiden.

Und: Wir kombinieren KI mit Data Storytelling. Das heißt, eisTIK® hilft, aus Zahlen verständliche Geschichten zu machen – mit klaren Botschaften, nachvollziehbaren Herleitungen und visuellen Darstellungen, die sich direkt in Managementrunden einsetzen lassen."

 

Wie wird sich aus Deiner Sicht der Einsatz von KI im Krankenhaus-Controlling in den nächsten 3–5 Jahren entwickeln?

"Ich erwarte einen Wandel vom rückblickenden Berichtswesen hin zu einer vorausschauenden, nahezu ereignisnahen Steuerung. Statt einmal im Monat einen Bericht zu verschicken, werden Häuser kontinuierlich sehen: Wo stehe ich heute – und wie wahrscheinlich ist es, dass ich meine Ziele mit der aktuellen Entwicklung erreiche?

KI wird Prognosen und Szenarien in den Alltag bringen: „Was passiert mit meinem Ergebnis, wenn sich der Fallmix verschiebt?“, „Wie muss ich meinen Personaleinsatz anpassen, wenn die Notaufnahmen stärker ausgelastet sind?“ Solche Fragestellungen werden in wenigen Klicks – oder per Spracheingabe – beantwortbar sein. Parallel dazu werden KI-gestützte Controlling-Funktionen stärker in operative Systeme hineingreifen, zum Beispiel in die OP-Planung oder Dienstplanung, und so den Kreis zwischen Analyse und Handeln schließen."

 

Welche konkreten Schritte sind dabei bei KMS geplant?

"Wir verfolgen einen klaren Pfad: Kurzfristig bauen wir KI-Unterstützung direkt in eisTIK® ein – vor allem dort, wo Controller:innen heute viel Zeit verlieren: bei der Erstellung und Interpretation von Berichten. Ziel ist es, vom „leeren Blatt“ zu geführten Analysen und verständlichen Management-Summaries zu kommen, die sich unmittelbar einsetzen lassen.

In einem zweiten Schritt erweitern wir diese Funktionen über weitere Fachmodule hinweg und öffnen die Plattform für fortgeschrittene Analytik – etwa über integrierbare Data-Science-Tools. Gleichzeitig arbeiten wir an einer noch engeren Verzahnung mit den CGM-Kliniksystemen, damit Erkenntnisse aus eisTIK® direkt wieder in die operativen Prozesse zurückfließen können.

Langfristig ist unser Anspruch, mit eisTIK® die Basis für nahezu Echtzeit-Auswertungen und spezialisierte Daten-Services zu schaffen. So wird aus einem klassischen Data Warehouse eine klinische Daten- und KI-Plattform, auf der Krankenhäuser Schritt für Schritt ein modernes, datengestütztes Steuerungsmodell aufbauen können – sicher, skalierbar und mit einem klaren Fokus auf die Anwender:innen.

Vielen Dank Stephan, für diese interessanten Ein- und Ausblicke rund um die KI-Möglichkeiten im Gesundheitswesen.

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