Österreich

Fakten­check: Arznei-Namen werden häufig miss­inter­pretiert

5. Juni 2026 | APAMED (APA-OTS)
Symbolbild: COVID-Vaccine.
Symbolbild: COVID-Vaccine.

Ende 2025 wurde ein neuer COVID-19-Impfstoff der Firma Moderna von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zur Zulassung empfohlen (1). Dieser heißt "mNEXSPIKE" und ist eine sogenannte Injektionsdispersion in einer Fertigspritze. In Sozialen Medien wurde die Zulassung wie schon bei früheren Impfstoffen teils kritisch aufgenommen. Wie auch in der Pandemie wird eine unbelegte Gefahr durch derartige Impfstoffe postuliert, was etwa der Name des Produkts belegen soll (2,3,4).

Einschätzung: 

Unbelegte Interpretationen der Wortherkunft von Arzneien oder Krankheiten sind immer wieder Inhalt von Faktenchecks. Es gibt keine Hinweise, dass sich der Name "mNEXSPIKE" auf ein lateinisches Wort bezieht. Er dürfte wohl eher auf die neuartige Funktionsweise hinweisen.

Überprüfung: 

Obwohl das Coronavirus die breite Öffentlichkeit nur mehr peripher beschäftigt, hält sich das Thema in Sozialen Medien konstant. Das liegt wohl auch am jüngsten Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff. Plötzlich wird ein vor gut drei Monaten zugelassener Corona-Impfstoff (5) zum Zentrum einer neuen Verschwörungserzählung.

 

EMA erkennt keine Gefahr in Namensgebung

In den Namen des Impfstoffes soll laut den vorliegenden Postings das lateinische Wort für Mord respektive "gewaltsamer Tod" verpackt worden sein. Tatsächlich bedeutet "nex, necis (f.)" im Lateinischen genau das (6). Das kleine m am Anfang des Namens bezieht sich demnach auf die mRNA-Basis des Impfstoffs. Dem "Spike"-Teil wird in den Postings keine nähere Beachtung geschenkt.

Faktisch ausschließen lässt sich eine Bezugnahme der Namensgeber auf das Wort nicht. Moderna reagierte bis zum Redaktionsschluss auch nicht auf eine Anfrage von APA-Faktencheck. Allerdings legt ein Blick in die Bewerbung des Produkts nahe, dass "NEX" für eine moderne, fortschrittliche Konnotation stehen dürfte.

Der Deutschen Apotheker Zeitung zufolge läutet "mNEXSPIKE" die "nächste Generation von mRNA-COVID-19-Impfstoffen" ein. In Studien wird ebenfalls öfter der Begriff "next generation vaccine" verwendet (7,8). Die Name Review Group (NRG) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die Arzneimittelnamen auf mögliche Gefahren für die öffentliche Gesundheit oder potenzielle Sicherheitsrisiken überprüft, erkannte auf APA-Anfrage kein Risiko hinsichtlich des Namens mNEXSPIKE.


Buchstabenabfolge "Nex" steckt in zahlreichen Arzneimitteln

Gegen die Behauptung, der Name transportiere die Geheimbotschaft "Tod", spricht, dass es zahlreiche in Österreich zugelassene Medikamente gibt, die den Teil "nex" in ihrer Bezeichnung tragen (9). Die Datenbank des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) listet aktuell 24 entsprechende Arzneimittel wie etwa "Nexmectin" (mit dem Wirkstoff Ivermectin), oder Nexium (mit dem Wirkstoff Esomeprazol).

Ein weiteres Argument gegen die Behauptung in den Social-Media-Beiträgen: Die angebliche Wortherkunft verschiedener Begriffe aus dem Gesundheitswesen ist immer wieder Grundlage für Faktenchecks. Erst vor wenigen Wochen war zum Hanta-Virus unter anderem die Falschbehauptung viral, das Wort käme aus dem Ungarischen oder Hebräischen und bedeute "Unsinn" oder "Lüge" (10). Bereits zu Corona-Zeiten kursierten Spekulationen zur Herkunft der Firmennamen verschiedener Impfstoffhersteller (11).
 

Gleiche Wirkung bei niedrigerer Dosierung

mNEXSPIKE wird zur aktiven Immunisierung von Personen ab 12 Jahren zur Vorbeugung von Covid-19 angewandt. Der neue Impfstoff enthält ein Molekül namens Boten-RNA (mRNA) (12). In der offiziellen Produktinformation (13, Seite 25) heißt es dazu: "Die Wirkung des Impfstoffs beruht darauf, dass die mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure) für die körpereigenen Zellen eine Bauanleitung liefert, um Teile des Spike-Proteins zu bilden, die auch auf dem Virus vorkommen." Für verunsicherte Verbraucher besonders wichtig: Auch mNEXSPIKE enthält das Virus selbst nicht und kann kein COVID-19 auslösen.

Mit mNEXSPIKE verfolgt Moderna eine neue Strategie: Das Vakzin codiert nicht mehr das gesamte Spike-Protein, sondern nur Teile davon. Gegenüber dem Vorgänger-Impfstoff Spikevax (auch als mRNA-1273 bezeichnet) ermöglicht das neue Vakzin (mRNA-1283) eine deutlich geringere Dosierung - um rund ein Fünftel - und verspricht eine bessere und längere Haltbarkeit bei Lagerung im Kühlschrank (14,5). Dass mNEXSPIKE ähnlich gut verträglich ist wie andere COVID-Impfstoffe, zeigt eine Studie, die im November 2025 im Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht wurde (7).

 

Impfstoff seit Februar in EU zugelassen

Europaweit wurde der neue Impfstoff am 12. Februar dieses Jahres zugelassen (15). Bereits im Dezember 2025 hatte der Humanarzneimittelausschuss (CHMP) der EMA die Zulassung empfohlen (1). Im Rahmen der Zulassung überprüft die Arbeitsgruppe "Name Review Group", den vom Antragsteller vorgeschlagenen Namen für das Arzneimittel auf verschiedene Kriterien. Der Arzneimittelname muss "entweder aus einem Fantasienamen oder aus dem Namen des Wirkstoffs in Verbindung mit einem Warenzeichen oder dem Namen des Zulassungsinhabers gebildet werden", erklärte das in Österreich für Zulassungen zuständige Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) auf APA-Anfrage. Zudem dürfe der Name nicht irreführend, z.B. im Hinblick auf Wirkung oder Wirksamkeit, sein. Nur wenn alle Kriterien - in allen EU-Mitgliedsstaaten - erfüllt sind, erfolgt die Zulassung des Arzneimittels. In Österreich findet sich mNEXSPIKE seit März auch auf der Liste der zugelassenen Impfstoffe (16).

Quellen:

  1. Empfehlung des EMA-Ausschusses für Zulassung von mNEXSPIKE: https://go.apa.at/aTnx9dvg (archiviert: https://go.apa.at/PJqYhcbm)
  2. Facebook-Post 1 aus Österreich: https://go.apa.at/9NXpdRe4 (archiviert: https://go.apa.at/Rqwdrenp)
  3. Facebook-Post 2 aus Österreich: https://go.apa.at/lcU1hwsh (archiviert: https://go.apa.at/pOYMOvEq)
  4. Facebook-Post aus Deutschland: https://go.apa.at/leSXefrR (archiviert: https://go.apa.at/WVfORlJp)
  5. Deutsche Apotheker Zeitung zu mNEXSPIKE: https://go.apa.at/RpRsB1Re (archiviert: https://go.apa.at/FnMI5Cgw)
  6. Latein-Wörterbuch, Eintrag "nex": https://go.apa.at/S8KCCJrG (archiviert: https://go.apa.at/e4RYcGqj)
  7. Studie in "The Lancet": https://go.apa.at/CwjADrz1 (archiviert: https://go.apa.at/6EjUqy9s)
  8. Studie bei Pubmed: https://go.apa.at/VjAPiV7P (archiviert: https://perma.cc/EG8V-MFAZ)
  9. Datenbank BASG: https://go.apa.at/KbtFfZtW (archiviert: https://go.apa.at/KU0OODVA)
  10. APA-Faktencheck zum Hantavirus: https://go.apa.at/NVSLJg69 (archiviert: https://go.apa.at/6DrKjgNC)
  11. dpa-Faktencheck zu Corona-Impfstoff: https://go.apa.at/U3d2SSgh (archiviert: https://go.apa.at/T2FyFqdE)
  12. EMA-Infos zu mNEXSPIKE: https://go.apa.at/eHDgVnbP (archiviert: https://go.apa.at/U9qSKfB4 )
  13. Produktinformationen mNEXSPIKE: https://go.apa.at/I0lsrmrR (archiviert: https://go.apa.at/du2gBgV1)
  14. Liste zugelassener mRNA-Impfstoffe: https://go.apa.at/6wyZanJj (archiviert: https://go.apa.at/qjNdEESF)
  15. EU-Kommission zur Zulassung des Impfstoffes von Moderna: https://go.apa.at/RekIs0TF (archiviert: https://go.apa.at/ycT5SDYM)
  16. BASG-Liste der zugelassenen Impfstoffe in Österreich: https://go.apa.at/T4sYf4PK (archiviert: https://go.apa.at/Z4JMwsun )

Wenn Sie zum Faktencheck-Team Kontakt aufnehmen oder Faktenchecks zu relevanten Themen anregen möchten, schreiben Sie bitte an faktencheck@apa.at

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