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Ein zukunfts­fähiger Gesamt­vertrag für die Primär­ver­sorgung

13. November 2025 | Maria M. Hofmarcher-Holzhacker
Maria M. Hofmarcher-Holzhacker.
Maria M. Hofmarcher-Holzhacker.

Ein Gesamtvertrag braucht ein einheitliches, aber regional differenziertes Honorarsystem, das Grundversorgung und innovative Versorgungsformen unterstützt.

Die vorzeitige Sterblichkeit in Österreich liegt unter dem EU-Durchschnitt. Doch der Rückgang der Sterblichkeit durch chronische Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren verlangsamt. Er ist langsamer als in vergleichbaren Ländern wie Dänemark oder die Schweiz. Zudem bestehen auffällige regionale Unterschiede, deren Ursachen bisher nur unzureichend erforscht sind. Vor diesem Hintergrund gewinnen Hausärzt*innen – ob in Einzelpraxen oder Primärversorgungseinheiten – als zentrale Säule der Versorgung weiter an Bedeutung.

Das Gesundheitssystem steht dabei vor mehreren, miteinander verknüpften Herausforderungen: die wachsende Zahl chronisch Kranker und die Schaffung von Möglichkeiten, gesund und aktiv zu altern; den Aus- und Aufbau der ambulanten Versorgung am „best point of service“; die Sicherstellung ausreichender personeller Ressourcen auf allen Ebenen; die bessere Abstimmung zwischen Gesundheit und Pflege; sowie die nachhaltige Finanzierung durch Effizienzsteigerung, Digitalisierung und kluge Allokation.

Die Honorierung von Hausärzt:innen ist deshalb weit mehr als ein Vergütungssystem – sie ist ein strategisches Steuerungsinstrument, um Qualität, Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit der Primärversorgung zu sichern. Derzeit ist die Situation in Österreich heterogen: Die bestehenden Einzelverträge der Krankenkassen unterscheiden sich deutlich in Leistungsdefinitionen und Honoraren zwischen den Bundesländern – besonders herausfordernd für strukturschwache Regionen.

Ein zukunftsorientierter Gesamtvertrag muss diese Unterschiede ausgleichen und zugleich neue Anreize für Hausärzt:innen schaffen. Dazu gehören flexible, leistungsgerechte Honorierungsmodelle, die neben Patient:innenkontakten auch koordinierende Tätigkeiten, Vorsorge und multidisziplinäre Zusammenarbeit abbilden. Ein klar definierter Rahmen für flächendeckende Versorgung, gekoppelt an transparente Indikatoren für Qualität und Effizienz, sorgt dafür, dass Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Die zentralen Elemente eines erfolgreichen Gesamtvertrags sind aus meiner Sicht: Erstens, ein einheitliches, aber regional differenziertes Honorarsystem, das sowohl Grundversorgung als auch innovative Versorgungsformen unterstützt. Zweitens, die Förderung von Prävention, Patient*innenbetreuung und digitaler Infrastruktur, die Hausärzt*innen entlastet und den Versorgungsauftrag effizient gestaltet. Drittens, klare Regelungen für Vertragsinhalte, Leistungsumfang und Anpassungsmechanismen, um administrative Hürden zu reduzieren und Planungssicherheit zu erhöhen – etwa durch verbesserte Koordination der Versorgung und die Honorierung zukunftsweisender Zuwendungsmedizin.

Ein moderner Gesamtvertrag muss nicht nur die erbrachten Leistungen abbilden, sondern auch den optimalen Mix zwischen Pauschalhonorierung und Einzelleistungen finden, die Versorgung in strukturschwachen Regionen stärken und präventive sowie koordinierende Tätigkeiten honorieren. Nur so können Hausärzt*innen als zentrale Säule der Primärversorgung langfristig unterstützt, regionale Unterschiede ausgeglichen und die Attraktivität der Gesundheitsberufe gesichert werden. Dies verbessert nicht nur die Versorgung der Patient*innen, sondern stärkt die Stabilität des gesamten Gesundheitssystems. Wichtig sind dabei auch Mechanismen, die Honorare für innovative Leistungen zeitgemäß anpassen – ein Schlüssel zur Nachhaltigkeit der Finanzierung. 

Quelle: ÖKZ 5/2025, 66. Jahrgang, Springer Verlag.

 

Quellen und Links:

Bennett JE et al., Benchmarking progress in non-communicable diseases: a global analysis of cause-specific mortality from 2001 to 2019, The Lancet, 406(10509), 1255–1282.

Carter R et al., The impact of primary care reform on health system performance in Canada: a systematic review, BMC Health Serv Res, 16:324, 2016.

Hofmarcher MM, Singhuber C., Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme in Zeiten von COVID-19, HS&I Projektbericht, Wien 2020.

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