Österreich

Pflege - Diakonie fordert von Regierung mehr Präven­tions­maß­nahmen

26. Mai 2026
Prävention ist besser als Heilung.
Prävention ist besser als Heilung.

Die Diakonie fordert von der Regierung mehr Präventionsmaßnahmen im Pflegebereich. Die Pflegefinanzierung sei nicht nur eine Frage von "mehr Geld", sondern auch und vor allem die Frage des richtigen Mitteleinsatzes. Der Schlüssel heiße "Vorsorge statt Versorgung", sagte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser am Dienstag. Insbesondere brauche es Sturzprävention, regelmäßige Medikationschecks, Delir-Prävention und ein besseres Krankenhaus-Entlassungsmanagement.

Es gelte dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem und die Langzeitpflege gut zusammenspielen, erklärte Moser in einem Online-Pressegespräch. An die Regierung gerichtet sagte die Direktorin, es könne keine Ausrede sein, dass dies nicht konkret im Regierungsprogramm stehe. Denn darin sei sehr wohl verankert, dass die Schnittstelle zwischen Langzeitpflege und stationärer Versorgung verbessert werden soll, es also beim Entlassungsmanagement Maßnahmen geben soll. Außerdem sei festgehalten, dass Präventionsleistungen "in allen Lebenslagen" massiv ausgebaut werden sollen.

Ziel müsse sein, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, denn die Versorgung im Krankenhaus sei die teuerste - und für Hochaltrige eine Belastung. Auch würde der Gang ins in Alters- oder Pflegeheim oft viel zu früh geschehen. Prävention im Alter bedeute selbstständig bleiben, möglichst lange selbstständig zu Hause leben können und den Pflegebedarf niedrig halten, so die Diakonie.

 

Sturzprävention zu Hause als Voraussetzung

Stürze und Brüche seien der Hauptgrund für Übersiedelungen ins Pflegeheim (nach dem Krankenhausaufenthalt). Um Stürze zu vermeiden, müssten etwa "Stolperfallen" zu Hause beseitigt werden. Durchgeführt werden könnte dies durch aufsuchende Beratung (etwa Community Nurses). Die Diakonie verweist auf Berechnungen des Hilfswerkes, wonach durch Mängel bei der Sturzprävention und -nachsorge jährlich Kosten von 1,7 Mrd. Euro im Gesundheitsbereich und in der Langzeitpflege entstehen.

Auch sollte - sobald ein Patient über Schwindel klagt - der Hausarzt eine Beraterin bzw. einen Berater zu den Betroffenen schicken. Neben Entfernungen von Stolperfallen wie etwa Teppichen könnten auch Maßnahmen wie Haltegriffe auf der Toilette oder im Bad ergriffen werden.

 

"Medikationschecks" als Präventionsmaßnahme

Schwindel und daraus folgende Stürze stehen auch im Zusammenhang mit der Diakonie-Forderung nach einem regelmäßigen Medikamenten-Check. Ältere Menschen würden "viele Pulverl" nehmen, fast die Hälfte der Menschen in Pflegeheimen nehmen zehn Medikamente und mehr pro Tag ein, so Moser. Nach der Entlassung nach Hause oder ins Pflegeheim sei die Verunsicherung diesbezüglich oft groß, vor allem wenn es zu Änderungen kam. Durch Fehlmedikamentation könnten beispielsweise der Blutdruck absacken, Folgen seien Schwindel und Stürze. Diese Fehl- oder Übermedikation würde einen "Drehtüreffekt" auslösen: Nach der Entlassung komme es zu Hause zum Sturz und damit wieder zur Krankenhaus-Einlieferung.

Das Regierungsprogramm sehe zwar eine "verpflichtende Gesamtmedikationsanalyse bei Polypharmazie-Patientinnen und -Patienten vor Krankenhausentlassung" vor. Dies sei aber "zu kurz gegriffen", so die Diakonie. Es müsse - nach deutschem Vorbild - bei Patient*innen, die mehr als fünf Medikamente einnehmen, zweimal pro Jahr zu "Medikationschecks" kommen. Hierbei müssten etwa Wechselwirkungen und die Verträglichkeit analysiert werden, auch das Ess- und Trinkverhalten.

 

Delir vermeiden und erkennen

Auch ein Delir könne zu einer starken Pflegebedürftigkeit führen und müsse daher erkannt und gegebenenfalls behandelt werden. Oftmals werde diese akute Problematik mit einer Demenz bzw. einer Verschlechterung einer demenziellen Erkrankung verwechselt, so die Diakonie. Ein Delir stellt hingegen einen akuten (schweren) Verwirrungszustand dar, ausgelöst durch etwa Fehlmedikamentation, Flüssigkeitsmangel oder Elektrolytstörungen, Infektionen wie einem Harnwegsinfekt oder einer Lungenentzündung, Schmerzen, Operationen oder Narkose. Auslöser können auch Medikamente oder deren Wechselwirkungen sein, auch Umgebungsänderungen, Reizüberflutung oder Isolation.

Melanie Maier, Diakonie-Fachbereichsleitung Pflege und Hospiz, betonte, dass Delir oft im Krankenhaus auftrete. Eine Vermeidung desselben im Krankenhaus würde jährlich rund 90 Millionen Euro an Pflege-Folgekosten sparen. Gefordert wird von der Diakonie daher, dass in allen Stationen von Krankenhäusern, in denen ältere Menschen behandelt werden, Delirkonzepte entwickelt werden, zur Vermeidung, Erkennung und Behandlung des Syndroms. Auch bei der Pflege daheim müsste es ein "Delir-Monitoring" durch Pflegenotdienste geben.

 

Entlassungsmanagement verbessern

Bezüglich des Entlassungsmanagements hieß es seitens der Diakonie, zentral sei, dass Menschen nur dann aus dem Krankenhaus entlassen werden, wenn die Pflege zu Hause sichergestellt ist. Notwendig sei dazu in ganz Österreich u.a. ein verlässlicher und leistbarer Zugang zu Akutpflege, Übergangspflege und Pflegenotdiensten.

Verwandte Artikel