Österreich

Lange Warte­zeiten in öster­reichi­schen Spitals­ambu­lanzen und auf OP-Termine

12. Juni 2026 | Walter Zifferer
Männlicher Patient in Spitalbett.
Männlicher Patient in Spitalbett.

Die langen Wartezeiten in österreichischen Krankenhausambulanzen sind kein reines „Wartezimmerproblem“, sondern Ausdruck struktureller Engpässe im Gesundheitswesen. Besonders betroffen sind planbare Untersuchungen, fachärztliche Abklärungen und elektive Operationen. Laut Rechnungshof fehlt weiterhin ein österreichweites, flächendeckendes Wartezeiten-Monitoring; ein Terminmanagement und System zur Erfassung von Öffnungszeiten ist erst mit Zeithorizont Ende 2026 vereinbart.

 

Zentrale Kritikpunkte und Ursachen

Ein Hauptproblem ist die schwache Patientensteuerung. Viele Patient*innen suchen Spitalsambulanzen auf, obwohl sie in Ordinationen, Primärversorgungseinheiten oder Fachambulatorien besser aufgehoben wären. In Oberösterreich wurde etwa berichtet, dass rund 30% der Patient*innen in Notfallambulanzen dort nicht unbedingt richtig seien.2

Hinzu kommt der Engpass im niedergelassenen Bereich. Der Rechnungshof hält fest, dass die Zahl der besetzten allgemeinmedizinischen Planstellen pro Bevölkerung von 2019 bis 2023 um 5,1% zurückging. Primärversorgungseinheiten erreichten 2023 erst 5,2% der Bevölkerung. Dadurch werden Ambulanzen nach wie vor viel zu oft zur Ersatzversorgung genutzt.

Auch der Personalmangel in Spitälern, gesperrte Betten, begrenzte OP-Teams, Nachwirkungen verschobener Eingriffe aus der COVID-Zeit sowie die Alterung der Bevölkerung sind relevante Einflussfaktoren. Die OP-Wartezeitenstudie nennt diese Faktoren ausdrücklich als Haupttreiber für längere Warteschlangen.

Kritisch ist auch die soziale Dimension: Wer privat ausweichen kann, erhält oft schneller Termine; wer ausschließlich auf Kassen- und öffentliche Spitalsstrukturen angewiesen ist, trägt die längeren Wartezeiten. Der Rechnungshof warnt generell vor wachsenden Lücken in der Sachleistungsversorgung und steigenden privaten Wahlarzt-Ausgaben.3

 

OP-Wartezeiten im Bundesländervergleich

Die aktuell verfügbare österreichweite OP-Wartezeitenstudie 2025 basiert auf 525 Terminanfragen bei öffentlichen, landesgesundheitsfondsfinanzierten OP-Einrichtungen. Belastbare Bundesländerwerte wurden nur für Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark ausgewiesen; kleinere Bundesländer wurden wegen zu geringer Stichproben nicht detailliert verglichen1.

BundeslandStichprobeTypische SpannweiteLängste Wartezeitrechnerischer Mittelwert der 10 Kategorien
Wienn=865–24 WochenHNO: 24 Wochenca. 14,7 Wochen
Niederösterreichn=1058–31 WochenKnie: 31 Wochenca. 20,4 Wochen
Oberösterreichn=678–29 WochenKnie/HNO: 29 Wochenca. 19,3 Wochen
Steiermarkn=7111–60 WochenAuge: 60 Wochenca. 28,5 Wochen

Die Steiermark weist in dieser Erhebung die auffälligsten Werte auf: Augenoperationen lagen bei 60 Wochen, Knie bei 36 Wochen, Urologie bei 32 Wochen und Hüfte bei 30 Wochen. Niederösterreich und Oberösterreich zeigen ebenfalls lange Wartezeiten vor allem bei Knie-, Hüft- und HNO-Eingriffen; Wien schneidet im Vergleich etwas besser ab, bleibt aber bei mehreren Kategorien ebenfalls über vier Monaten.

 

Die langen Wartezeiten entstehen also durch das Zusammenwirken von fehlender Patientensteuerung, zu schwacher Primär- und Facharztversorgung, Personalmangel im Krankenhaus, unzureichender Transparenz und steigender Nachfrage. Der Bundesländervergleich zeigt deutliche regionale Unterschiede: Wien ist vergleichsweise kürzer, Niederösterreich und Oberösterreich liegen im Mittelfeld, die Steiermark weist in der verfügbaren Studie die stärksten Verzögerungen auf. Die Datenlage bleibt jedoch unvollständig, solange kein offizielles, österreichweit einheitliches Wartezeiten-Monitoring besteht.

 

Quellen:

  1. Neue OP-Wartezeiten-Studie 2026 (525 Rückmeldungen)
  2. Patientensteuerung: „Viele wären anderswo besser aufgehoben“ (Patientensteuerung: „Viele wären anderswo besser aufgehoben“ - ooe.ORF.at)
  3. Nachhaltige Finanzierung der Österreichischen Gesundheitskasse nicht gegeben – Verbesserungsbedarf bei ambulanter Versorgung (Nachhaltige Finanzierung der Österreichischen Gesundheitskasse nicht gegeben - Rechnungshof Österreich)
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