Die langen Wartezeiten in österreichischen Krankenhausambulanzen sind kein reines „Wartezimmerproblem“, sondern Ausdruck struktureller Engpässe im Gesundheitswesen. Besonders betroffen sind planbare Untersuchungen, fachärztliche Abklärungen und elektive Operationen. Laut Rechnungshof fehlt weiterhin ein österreichweites, flächendeckendes Wartezeiten-Monitoring; ein Terminmanagement und System zur Erfassung von Öffnungszeiten ist erst mit Zeithorizont Ende 2026 vereinbart.
Ein Hauptproblem ist die schwache Patientensteuerung. Viele Patient*innen suchen Spitalsambulanzen auf, obwohl sie in Ordinationen, Primärversorgungseinheiten oder Fachambulatorien besser aufgehoben wären. In Oberösterreich wurde etwa berichtet, dass rund 30% der Patient*innen in Notfallambulanzen dort nicht unbedingt richtig seien.2
Hinzu kommt der Engpass im niedergelassenen Bereich. Der Rechnungshof hält fest, dass die Zahl der besetzten allgemeinmedizinischen Planstellen pro Bevölkerung von 2019 bis 2023 um 5,1% zurückging. Primärversorgungseinheiten erreichten 2023 erst 5,2% der Bevölkerung. Dadurch werden Ambulanzen nach wie vor viel zu oft zur Ersatzversorgung genutzt.
Auch der Personalmangel in Spitälern, gesperrte Betten, begrenzte OP-Teams, Nachwirkungen verschobener Eingriffe aus der COVID-Zeit sowie die Alterung der Bevölkerung sind relevante Einflussfaktoren. Die OP-Wartezeitenstudie nennt diese Faktoren ausdrücklich als Haupttreiber für längere Warteschlangen.
Kritisch ist auch die soziale Dimension: Wer privat ausweichen kann, erhält oft schneller Termine; wer ausschließlich auf Kassen- und öffentliche Spitalsstrukturen angewiesen ist, trägt die längeren Wartezeiten. Der Rechnungshof warnt generell vor wachsenden Lücken in der Sachleistungsversorgung und steigenden privaten Wahlarzt-Ausgaben.3
Die aktuell verfügbare österreichweite OP-Wartezeitenstudie 2025 basiert auf 525 Terminanfragen bei öffentlichen, landesgesundheitsfondsfinanzierten OP-Einrichtungen. Belastbare Bundesländerwerte wurden nur für Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark ausgewiesen; kleinere Bundesländer wurden wegen zu geringer Stichproben nicht detailliert verglichen1.
| Bundesland | Stichprobe | Typische Spannweite | Längste Wartezeit | rechnerischer Mittelwert der 10 Kategorien |
|---|---|---|---|---|
| Wien | n=86 | 5–24 Wochen | HNO: 24 Wochen | ca. 14,7 Wochen |
| Niederösterreich | n=105 | 8–31 Wochen | Knie: 31 Wochen | ca. 20,4 Wochen |
| Oberösterreich | n=67 | 8–29 Wochen | Knie/HNO: 29 Wochen | ca. 19,3 Wochen |
| Steiermark | n=71 | 11–60 Wochen | Auge: 60 Wochen | ca. 28,5 Wochen |
Die Steiermark weist in dieser Erhebung die auffälligsten Werte auf: Augenoperationen lagen bei 60 Wochen, Knie bei 36 Wochen, Urologie bei 32 Wochen und Hüfte bei 30 Wochen. Niederösterreich und Oberösterreich zeigen ebenfalls lange Wartezeiten vor allem bei Knie-, Hüft- und HNO-Eingriffen; Wien schneidet im Vergleich etwas besser ab, bleibt aber bei mehreren Kategorien ebenfalls über vier Monaten.
Quellen: