Ein Interview mit Arne Petersen, Geschäftsführer und Senior Vice President bei CompuGroup Medical (CGM) - Herr Petersen, warum ist die DMEA 2026 ein Gradmesser für die IT-Strategie in Krankenhäusern?
Arne Petersen: "2026 markiert eine Zäsur im deutschen Gesundheitswesen. Mehrere tiefgreifende Entwicklungen kommen zusammen und verändern die Funktionslogik von Krankenhäusern grundlegend: Krankenhausreform, Transformationsfonds, verpflichtende ePA, neue Interoperabilitätsvorgaben und verschärfte IT-Sicherheitsanforderungen greifen gleichzeitig. Dazu ermöglicht der rasante technologische Fortschritt mit KI völlig neue Möglichkeiten. Diese regulatorischen, wirtschaftlichen und technologischen Kräfte wirken mit einer Intensität zusammen, die direkt über Leistungsportfolio, Finanzierung und damit über die Existenz von Krankenhäusern entscheidet.
Bei der DMEA zeigt sich, wer IT noch als "Klaviatur“ von Einzellösungen versteht oder wer sie bereits als integrierte Versorgungsarchitektur denkt und gestaltet.
Welche konkreten Auswirkungen haben KHVVG und Transformationsfonds aus Ihrer Sicht auf die strategische Ausrichtung von Krankenhäusern?
"In Summe führen KHVVG und Transformationsfonds dazu, dass Krankenhäuser ihre IT-Investitionen strategisch neu ausrichten: weg von der punktuellen Digitalisierung einzelner Prozesse, hin zum Aufbau einer interoperablen, sicheren und skalierbaren Plattform, die Daten gezielt nutzbar macht, KI umfänglich integriert und die zunehmend strengen Nachweis- und Qualitätsanforderungen erfüllt. Digitalisierung wird damit zur Existenzfrage – und IT zur zentralen Grundlage für die Zukunftsfähigkeit von Krankenhäusern in einer integrierten, datengetriebenen Versorgungslandschaft. Dafür reicht es nicht, einzelne Prozesse zu digitalisieren. Es braucht integrierte Systeme, die belastbare, auswertbare Daten erzeugen, zusammenführen und für Steuerungszwecke nutzbar machen. Genau darin liegt die Stärke und Kernkompetenz der CGM."
Sie sagen, Krankenhäuser kaufen künftig nicht mehr nur ein KIS, sondern entscheiden über ihre infrastrukturelle Zukunft. Was meinen Sie damit konkret?
"Der Paradigmenwechsel lässt sich klar beschreiben: Früher ging es beim KIS vor allem um Funktionen und Module. Heute geht es um Architektur und Einbindung in größere Strukturen. Heute sind Interoperabilität, Skalierbarkeit und Integrationsfähigkeit entscheidend. Krankenhäuser müssen ihre IT-Landschaften so gestalten, dass Daten konsistent zusammengeführt und systemübergreifend genutzt werden können. Deshalb sprechen wir zunehmend über Plattformarchitekturen. Sie ermöglichen es, unterschiedliche Anwendungen, Datenquellen und Prozesse miteinander zu verbinden – und sie bilden das Herzstück für den erfolgreichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wenn ein System diese Anforderungen nicht erfüllt, kann es tatsächlich zum Innovationshemmnis werden."
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in dieser neuen Versorgungsarchitektur – und wo liegt ihr tatsächlicher Mehrwert jenseits des Hypes?
"Künstliche Intelligenz ist in der neuen Versorgungsarchitektur ein zentraler Enabler für Skalierbarkeit, Personalisierung und Effizienz. Ihr Mehrwert liegt dort, wo komplexe, vernetzte Datenströme in handlungsrelevante Entscheidungen übersetzt werden müssen – schneller und konsistenter, als es manuell möglich wäre. Der entscheidende Punkt: Der Mehrwert entsteht weniger durch isolierte KI-Anwendungen, sondern durch ihre Integration in eine gemeinsame, interoperable Plattform. Dann werden Assistenzsysteme möglich, die Routinetätigkeiten übernehmen und helfen, die steigende Komplexität beherrschbar zu machen. Über alle Touchpoints der Patient Journey hinweg. Erst in dieser Kombination löst KI ihr Versprechen ein: mehr vorausschauende Steuerung und ein messbarer Zugewinn an Qualität, Wirtschaftlichkeit und Zeit."
Welche Rolle übernimmt CGM in dieser Phase des Umbruchs – und was bedeutet es konkret, als IT-Anbieter zum strategischen Strukturpartner zu werden?
"Der Wandel betrifft auch uns als Technologiepartner. Softwareanbieter entwickeln heute nicht mehr nur – auch durch KI unterstützte – einzelne Lösungen, sondern zunehmend Plattformen, auf denen Versorgung organisiert wird. Gleichzeitig begleiten wir Krankenhäuser stärker bei organisatorischen und strategischen Veränderungen. Unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die interoperabel, skalierbar und langfristig tragfähig sind – von der Praxis über das Krankenhaus bis hin zur sektorübergreifenden Versorgung. Denn am Ende geht es nicht nur um Software. Es geht darum, die Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Versorgung in einer Phase tiefgreifender Veränderungen zu sichern. Integrierte Versorgungslandschaft und KI sind für uns kein Versprechen auf morgen, sondern Verantwortung im Heute. Sie ordnen Informationen, entlasten Menschen und verbessern den Behandlungs-/Genesungsprozess – über Sektor- und Systemgrenzen hinweg."