Universitätsprofessor Dr. Gerald Pruckner, Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz und einer der führenden Gesundheitsökonomen in Österreich, hielt bei der Vollversammlung der AK OÖ das Gastreferat. Er berichtete dabei über spannende Aspekte aus seiner Studie zu den Ungleichheiten in Oberösterreichs Gesundheitssystem, die er im Auftrag der AK OÖ erstellt hatte.
So ging Pruckner etwa darauf ein, dass Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status eine geringere Lebenserwartung haben und häufiger chronisch krank sind. Tatsache ist auch, dass Kinder aus ärmeren Familien ein höheres Risiko für Übergewicht und eine schlechtere gesundheitliche Entwicklung aufweisen. „ Dazu treten Depressionen und psychische Beschwerden gehäuft bei Menschen auf, die in ökonomischer Unsicherheit leben “, sagte Prof. Pruckner.
Weiters führen eine höhere körperliche Belastung am Arbeitsplatz und ein Wohnumfeld mit Lärm und schlechter Luftqualität zu mehr Stress und Krankheiten. „ Es ist auch festzustellen, dass Menschen mit einem geringeren Einkommen bzw. einer geringeren Bildung seltener Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, weniger Zugang zu Gesundheitsleistungen haben und eine teilweise schlechtere Arzt- Patient-Kommunikation erfahren “, erklärte Prof. Pruckner.
Was eng mit dem Thema Gesundheit zusammenhängt, sind der technologische Fortschritt. Dazu zählen Digitalisierung und KI sowie Robotik. Weiters sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, beispielsweise der Einfluss der globalen Wirtschaft (Zolle, Wettbewerb, Energiepreise), die Konjunktur und die Preise. Dazu haben wir eine alternde Bevölkerung und auch die Klimaerwärmung ist zu berücksichtigen. Demografie
47% der Gesundheitsausgaben in Oberösterreich entfallen auf Personen zwischen 18 und 65 Jahre. Die Gesundheitsausgaben der erwerbstätigen Bevölkerung haben sich zwischen 2005 und 2023 verdoppelt.
„Treiber sind Demografie, technologisch-medizinischer Fortschritt und Preissteigerungen “, so Pruckner. Die Ausgaben steigen mit dem Alter deutlich an. Männer haben höhere Spitalsausgaben, Frauen einen höheren Medikamentenkonsum. Signifikant höhere Ausgaben sind bei arbeitssuchenden Menschen zu finden. Dazu ist festzustellen, dass Arbeiter:innen höhere Gesundheitsausgaben haben als Angestellte (+10,7%). „ Auch die stationären Ausgaben haben bei Arbeiter*innen stark zugenommen. Sie sind in diesem Bereich um 26,6 % höher als jene der Angestellten. Dieser Anstieg deutet auf mehr physische Belastungen am Arbeitsplatz hin “, sagte Prof. Pruckner.
Die Anzahl an Allgemeinmediziner*innen pro 1.000 Beschäftigten ist in Oberösterreich zwischen 2013 und 2022 um 17 Prozent gesunken. Der Rückgang betrifft vor allem Kassenpraxen. In städtischen Ballungsräumen wie Linz und Steyr ist vor allem im fachärztlichen Bereich eine höhere Ärztedichte als in ländlichen Regionen (etwa in Schärding, Eferding, Vöcklabruck und Wels-Land) zu verzeichnen.
„In fast allen Bezirken ist ein Rückgang der frauen- und zahnärztlichen Kassenpraxen zu beobachten“, sagte Prof. Pruckner, der auch darauf hinwies, dass mit einer schweren Erkrankung die Beschäftigung (und damit das Einkommen) zurückgeht. Ältere männliche Arbeitnehmer sind am stärksten davon betroffen. Krankenstandstage nehmen nach einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung stark zu, um acht Tage pro Quartal.
Arbeitslosigkeit aufgrund von Massenkündigungen bzw. Firmenschließungen erhöht die Gesundheitsausgaben: ärztliche Leistungen: 8%, Medikamente: 17%, stationäre Aufenthalte: 40%, Verordnungen von Psychopharmaka: 64%. Arbeitslosigkeit führt in weiterer Folge zu einem deutlichen Anstieg der Gesundheitskosten.