Österreich

Psycho­soziale Zentren Tirol 2025 erst­malig mit über 10.000 Be­ratungen

6. Mai 2026
Zügel in die Hand nehmen.
Zügel in die Hand nehmen.

Anstieg um 17,51 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor - "Einpendeln auf hohem Niveau" für kommenden Jahre erwartet

Bei den Psychosozialen Zentren Tirol (PSZ) sind 2025 mit 10.128 Gesamtkontakten erstmalig seit deren Bestehen mehr als 10.000 Beratungsgespräche geführt worden. Damit kam es im Vergleich zum Jahr zuvor zu einem Anstieg um signifikante 17,51 Prozent. In den kommenden zwei bis drei Jahren werde sich diese Zahl aber "einpendeln", sagte Geschäftsführer Michael Wolf am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Deshalb brauche es auch "eine stabile Finanzierung".

Derzeit fördert das Land Tirol die tirolweit agierende, seit 2022 bestehende Organisation konstant mit jährlich 2,4 Millionen Euro. Vom Bund kamen 2025 wiederum 137.000 Euro an Krisenfinanzierung. Die Sozialversicherungsträger steuerten zudem 480.000 Euro bei. "Für 2026 wird es vom Bund keine Finanzierung mehr geben", ließ Wolf wissen. Mit den Sozialversicherungsträgern sei man für 2026 in Verhandlung, eine Entscheidung soll "im ersten Halbjahr" fallen. Ein Budget in nahezu gleicher Höhe sei aber "höchst wahrscheinlich". "Mit diesen Gesamtmitteln können wir dann weiterhin gut arbeiten, wir sind aber am Plafond angekommen", konstatierte Wolf. Mit einem allzu großen Anstieg sei allerdings aus heutiger Sicht nicht mehr zu rechnen.

 

Aktuell rund 20 Tage Wartezeit für ein Gespräch

Es sei gegenwärtig aber dennoch bereits der Fall, dass Personen etwas länger auf ein Beratungsgespräch warten müssten. "Bei einer von uns angedachten Spanne von zwei bis 20 Tagen sind wir aktuell eher bei 20 Tagen", so der fachliche Geschäftsführer. Das eigentliche Ziel eines Gesprächs, "innerhalb einer Woche" ein Gespräch anzubieten, ließe sich damit nicht halten. "Dennoch ist es im Vergleich zur Wartezeit für einen kassenfinanzierten Psychiater eine sehr kurze Zeit", gab sich Wolf trotzdem zufrieden. "Es läuft aktuell gut, aber wir müssen zum Teil zaubern", bewertete er außerdem die 2025 von 38 Mitarbeitern geleistete Arbeit. Im Vorjahr sei es zu 3.279 Erstkontakten, 6.080 Folgekontakten und 669 fachärztlichen Beratungen gekommen.

 

Soziallandesrätin: "Stabil an der Seite der Psychosozialen Dienste"

Diese "hohe Zahl" bedeutet natürlich vorrangig, dass sich "Menschen in Krisen befinden", hielt Soziallandesrätin Eva Pawlata (SPÖ) fest. Diese stünden vor allem in Zusammenhang mit Teuerung, Armut und Krisen in der Welt, sagte die Soziallandesrätin. Die hohe Zahl der Gespräche bedeute aber nicht zuletzt auch, dass "immer mehr Menschen das Angebot der PSZ annehmen", führte Pawlata aus. Die Finanzierung der "wichtigen Arbeit" für das PSZ sei jedenfalls gesichert: "Wir stehen stabil an der Seite der Psychosozialen Dienste." Über eine Erhöhung des Budgets müsse man indes aktuell nicht diskutieren. "Wenn es zu einer massiven Steigerung der Beratungen kommt, werden wir aber darüber reden", stellte die SPÖ-Politikerin in Aussicht.

 

Beratungsgespräche mit immer "schwereren Inhalten"

Einstweilen ließen sich die "vielfältigen Anfragen" aber noch bewältigen, erklärte Alexandra Steiner-Mangweth, Leiterin des Psychosozialen Zentrums in Innsbruck. Bemerkbar bei den Gesprächen sei allerdings, dass "die Inhalte immer schwerer werden", berichtete sie konkret aus ihrem Arbeitsalltag. Es gehe nämlich zunehmend um "schwere Krisen" oder Suizidalität. Auch immer mehr junge Menschen suchten bei den Psychosozialen Zentren Hilfe, assistierte ihr Wolf: "32 Prozent der Personen bei uns sind unter 30 Jahre alt." Das sei unter anderem auf "Belastungen während der Corona-Zeit zurückzuführen, die sich jetzt manifestieren."

Zudem sei die Gesellschaft "bewusster und aufmerksamer" gegenüber psychischen Krisen und Belastungen geworden. Personen suchten sich rascher "Hilfe und Unterstützung", so Wolf. Bei dieser Entwicklung dockten auch die Psychosozialen Zentren an: "Unsere Angebote sind niederschwellig und niemand soll bei Krisen und Herausforderungen alleine gelassen werden."

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