Die entwickelten Gesundheitssysteme in Europa sehen sich mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert: zunehmende Beanspruchung des Versorgungssystems durch das Phänomen der alternden Gesellschaft, Kostendruck und Finanzierungslücken, steigende Qualitätsvorgaben, politische Forderungen nach Beiträgen zur Reduktion von CO2-Emissionen und zur Ressourcenschonung. Außerdem prägen Fachkräftemangel und Lieferabrisse bei Medikamenten und Medizinprodukten, vom Hustensaft bis zur Wunddrainage, die Versorgungslage.
Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche Krankenhäuser den Sachkostenbereich als Rationalisierungs- und Kostensenkungsquelle identifiziert und praktizieren eine preisorientierte Beschaffungspolitik gemäß der Maxime: billig ist gut.
Die aktuelle Monitoring-Studie von CKM/Wegweiser hat das tatsächliche Entscheidungsverhalten der Krankenhausmanager analysiert und die Konsequenzen für die Versorgungssicherheit offengelegt:
Aber: Medizinprodukte haben den Charakter von Investitionsgütern. Über ihre Funktionalität, Handhabung und Robustheit nehmen sie nicht nur Einfluss auf die Dauer von Prozeduren, auf Benutzerfreundlichkeit, Patientensicherheit und Patientenbefinden, auch Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen werden beeinflusst.
Da solche volkswirtschaftlich sinnvollen und gesundheitspolitisch wünschenswerten Effekte in den derzeitigen betriebswirtschaftlich geprägten Vergütungssystemen für medizinische Leistungen nicht berücksichtigt werden, wird vorgeschlagen, eine neue Bewertungssystematik einzuführen: Value-Based Procurement (VBP), d.h. die „wertorientierte“ Auswahl von Medizinprodukten.
VBP stellt den Kosten eines Medizinprodukts die mit diesem Produkt erzielbaren Effekte im Hinblick auf Patientenwohlergehen, Mitarbeiterentlastung, Prozess-Effektivität, Nutzen für die Solidargemeinschaft und ökologischer Nachhaltigkeit gegenüber. Zur Umsetzung des VBP-Konzepts bedarf es aber eines neuen, „wertorientierten“ Vergütungssystems, das medizinische Leistungen in evidenz-basierten Behandlungspfaden unter Berücksichtigung volkswirtschaftlicher Opportunitätskosten vergütet. Vier Maßnahmenfelder werden als Elemente eines zukünftigen VBP-Vergütungssystems vorgeschlagen:
Durch dieses wertorientierte Anreizsystem wird die grüne Transformation ebenso unterstützt wie die evidenzbasierte Etablierung innovativer Medizinprodukte mit Vorteilseffekten für die medizinische Qualität, das Patientenwohlbefinden, die Entlastung der Mitarbeiter und die Stabilisierung der Gesundheitskosten in der Versichertengemeinschaft.
Quelle: ÖKZ, 65. JG, 1/2024, Springer-Verlag.