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Jeder zehnte Erwachsene weltweit leidet an Diabetes. International bedeutet das enorme Aufwendungen. Für den Zeitraum 2020 bis 2050 führt das laut einer neuen Berechnung durch ein internationales Wissenschafterteam mit Beteiligung aus Österreich zu Kosten, die einer jährlich 0,22%igen Steuer entsprächen, berichten die Autoren in "Nature Medicine".
"Mithilfe eines gesundheitsbezogenen makroökonomischen Modells für 204 Länder und Regionen schätzten wir die wirtschaftlichen Auswirkungen von Diabetes von 2020 bis 2050. Dabei berücksichtigten wir den Verlust an Arbeitskraft aufgrund von Sterblichkeit und Krankheit, die Aufwendungen von Ressourcen für die Behandlung der Erkrankten sowie die Kosten informeller Pflege", schrieben jetzt Simiao Chen (Universität Heidelberg) und die Co-Autoren, unter ihnen Klaus Prettner (WU Wien) und Michael Kuhn (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse/IIASA).
Das Hauptergebnis: "Ohne Berücksichtigung informeller Pflege beläuft sich die globale Belastung auf 10,2 Billionen US-Dollar (internationale US-Dollar auf Basis 2017; Anm.), was 0,22 Prozent des jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Unter Einbeziehung informeller Pflege steigt die Belastung drastisch auf 78,8 Billionen US-Dollar (...). Die absoluten Kosten sind in den Vereinigten Staaten, China und Indien am höchsten, während die relative und die Pro-Kopf-Belastung in Ländern wie Samoa und Australien am größten ist."
Weltweit lebten im Jahr 2021 mehr als 537 Millionen Erwachsene (mehr als zehn Prozent der Menschen) mit Diabetes mellitus. Fast die Hälfte der betroffenen Erwachsenen (45%) der Erwachsenen im Alter von 20 bis 79 Jahren wussten nichts von ihrer Erkrankung. Bis 2045 wird die Zahl der Erwachsenen mit Zuckerkrankheit weltweit voraussichtlich auf 783 Millionen ansteigen. Laut der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) wurden 2021 weltweit mindestens 966 Milliarden US-Dollar für die Versorgung der Betroffenen ausgegeben. Das entsprach rund 11,5 Prozent der globalen Gesundheitsausgaben und einer Steigerung um 316% innerhalb von nur 15 Jahren.
Die Wissenschaftler berechneten die gesamte wirtschaftliche Belastung durch Diabetes - rund 90% der Erkrankungen entfallen auf den anfänglich nicht insulinabhängigen Diabetes vom Typ 2 - im Vergleich zu einem Status ohne der Erkrankung. Dazu dienten die vollständigen Daten von 144 Staaten der Erde (knapp 93% der Weltbevölkerung) sowie berechnete Daten für weitere 60 Staaten mit unvollständigen Informationen. Das Modell bezog sich auf die Zeitspanne zwischen den Jahren 2020 und 2050.
Einige der wesentlichen Resultate, wie es in "Nature Medicine" (doi: 10.1038/s41591-025-04027-5) heißt: "Die USA tragen mit 2,5 Billionen US-Dollar die größte wirtschaftliche Belastung durch Diabetes, gefolgt von Indien mit 1,6 Billionen US-Dollar und China mit einer Billion US-Dollar. Betrachtet man den Verlust inklusive informeller Pflegeleistungen, so belaufen sich die größten wirtschaftlichen Belastungen auf 16,5 Billionen US-Dollar in den Vereinigten Staaten, 11,4 Billionen US-Dollar in Indien und elf Billionen US-Dollar in China."
Diese Ergebnisse zeigten, dass die wirtschaftliche Belastung durch informelle Pflege bei Diabetes mellitus besonders hoch sei, Der Anteil der wirtschaftlichen Abschläge durch Diabetes mellitus vom Bruttoinlandsprodukt reichten von 0,04% in Nigeria bis 0,7% im südpazifischen Inselstaat Niue. "Unter den Nicht-Inselstaaten weist Tschechien mit 0,5 Prozent den höchsten BIP-Anteil auf, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Deutschland mit jeweils 0,4 Prozent", heißt es in der Wissenschaftlichen Arbeit.
Die wirtschaftliche Belastung durch die Zuckerkrankheit entspreche einer jährlichen Steuer von 0,22% des globalen BIP bzw. 1.157 US-Dollar pro Kopf im Zeitraum 2020 bis 2050. Nordamerika trage die höchste Gesamtbelastung aller Weltbankregionen mit einer jährlichen "Steuer" von 0,385%. Lateinamerika und die Karibik hätten die zweithöchste Belastung mit 0,229% der prognostizierten jährlichen BIP-Reduktion für diesen Zeitraum, gefolgt von Europa und Zentralasien mit 0,221%.
Österreich liegt mit einem Wert von minus 0,169% am jährlichen BIP durch Diabetes etwas unterhalb des Durchschnitts in Europa und Zentralasien. Diabetes allein verursacht insgesamt weltweit ein jährlich reduziertes BIP, das etwa die Hälfte des Schadens durch alle Krebserkrankungen zusammen ausmacht.