Apotheker Dr. Hendrik Niemann: Interview zum TI in der Apotheke

Anwenderbericht mit Apotheker Dr. Hendrik Niemann zur Telematkinfrastruktur in der Apotheke

Die Anbindung aller Apotheken an die Telematikinfrastruktur steht kurz bevor. Wir haben mit Dr. Hendrik Niemann, Apotheker aus Ahaus, zu seinen Erfahrungen mit der TI in seiner Apotheke interviewt. Im Feldtest konnte Dr. Niemann mit seinem Apothekenteam die Mehrwert-Anwendungen der Telematikinfrastruktur begleiten und diese in seiner Apotheke testen.

Redaktion: Wie kann das Versichertenstammdatenmanagement in der Apotheke sinnvoll eingesetzt werden?

Dr. Hendrik Niemann: Mit der CGM KoCoBox MED+ und der Anwendung Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) ergibt sich für Apotheker erstmals die Möglichkeit, die Versichertenstammdaten – natürlich unter Berücksichtigung der geltenden Datenschutzrichtlinien – direkt ins Warenwirtschaftssystem und damit in unsere Kundendatenbank einfließen zu lassen. Auf diese Weise haben wir immer die aktuellen Kontaktdaten unserer Kunden. Wir haben die Anwendung in unserer Apotheke einem erfolgreichen Praxistest unterzogen und ich kann sagen: Es funktioniert, erleichtert den Alltag und verbessert die Dokumentation zum Kunden!

Redaktion: Wie ist Ihre Einschätzung zum Einsatz des elektronischen Medikationsplans in der Apotheke?

Dr. Hendrik Niemann: Der elektronische Medikationsplan ist für mich eine Anwendung, die wir in der Zukunft oft gebrauchen werden. Insbesondere auch zur Unterstützung der Kommunikation mit den behandelnden Ärzten eines Patienten. Änderungen und Anpassungen können mit dem elektronischen Medikationsplan direkt in der Apotheke durchgeführt werden. Auch hier laufen sämtliche Arbeitsvorgänge, also das Sichten und ggf. Aktualisieren der Medikationsdaten, auf eine datenschutzkonforme Weise ab. Ich sehe dadurch für unser tägliches Arbeiten eine sehr große Erleichterung.

Redaktion: Erinnern Sie sich nun einmal zurück an den Moment, als Sie zum ersten Mal von der TI gehört haben. Welche Vorstellungen hatten Sie zu diesem Zeitpunkt?

Dr. Hendrik Niemann: Mein erster Gedanke war: Es wird Zeit! Zeit, dass wir als Apotheker endlich modernen Techniken einsetzen können, um die Arzneimitteltherapiesicherheit weiter zu erhöhen. Damit meine ich insbesondere auch die Möglichkeit, sich zwischen den Professionen austauschen zu können.

Redaktion: Wie haben Sie Ihre Apotheke auf die TI-Anwendungen vorbereitet?

Dr. Hendrik Niemann: Ich habe das Thema natürlich in meinem Team kommuniziert. Meine Mitarbeiter waren genau wie ich direkt begeistert. Letzten Endes gab es nicht viele Voraussetzungen, die wir im Vorfeld noch schaffen mussten. Die notwendigen Datenverbindungen waren bereits eingerichtet. Alle Kabel lagen sozusagen schon da, wo sie sein mussten. Wir waren bereits EDV-technisch sehr gut ausgerüstet, so dass wir alle Anforderungen an die IT-Infrastruktur problemlos stemmen konnten. Das einzige, was wir zusätzlich einrichten mussten, war der notwendige abschließbare Netzwerkschrank für den Konnektor, die CGM KoCoBox MED+, um auch in diesem Bereich dem Datenschutz vollkommen gerecht zu werden.

Redaktion: Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter konkret an Bord geholt?

Dr. Hendrik Niemann: Ich habe natürlich einigen Mitarbeitern im Vorfeld die Anwendungen im Detail gezeigt, mit ihnen also den ganzen Ablauf einmal durchgespielt. Zum Testen haben wir dabei die elektronischen Gesundheitskarten unserer Mitarbeiter genommen. Dann konnten wir bereits direkt an einem realen Beispiel sehen, wir die Anwendung aussehen wird. Es wird künftig schließlich bei vielen Patienten, die Medikamente über unsere Apotheke beziehen, der Fall sein, dass wir zunächst die elektronische Gesundheitskarte einlesen. Ich denke jedem ist klar, dass sich mit den TI-Anwendungen ganz neue Wege für Patientenversorgung öffnen werden und da müssen meiner Meinung nach gerade die Vor-Ort-Apotheken Nutzungsaktivitäten zeigen.

Redaktion: Wie lief die TI-Installation ab?

Dr. Hendrik Niemann: Die Installation lief sehr unauffällig ab. Im Prinzip hat der zertifizierte Techniker die Komponenten installiert, alles dokumentiert und wir erhielten danach eine Einweisung ins System. Und das war’s. Wir konnten während der Installation auch ganz normal unserem Tagesbetrieb nachgehen. Zusätzlich haben wir per Online-Seminar eine weitere Software-Schulung erhalten.

Redaktion: Worin sehen Sie die Vorteile der TI?

Dr. Hendrik Niemann: Für mich ist es ein großer Vorteil, dass wir jetzt eine direkte und sichere Verbindung zur Ärzteschaft haben. Zusammen mit den Ärzten können nun auch wir Apotheker direkt in der ersten Reihe z. B. die elektronischen Medikationspläne anpassen. Die Arzneimitteltherapiesicherheit kann dadurch weiter erhöht werden. Für uns ist es dabei auch ein großes und wichtiges Thema, dass die neuen Anwendungen allesamt auf einem datenschutzkonformen Weg ablaufen werden. Gerade, wenn man mit so sensiblen Gesundheitsdaten zu tun hat. Deswegen sehe ich in der hohen Sicherheit dieser neuen Anwendungen einen der größten Vorteile. Schließlich sind die TI-Anbindung und die jetzt verfügbaren Anwendungen der erste Schritt hin zum E-Rezept. Wir müssen hier einfach mehr Routine mit den neuen technischen Lösungen gewinnen, um hier nicht von der Online-Konkurrenz abgehängt zu werden.

Redaktion: Was würden Sie anderen Apothekern raten?

Dr. Hendrik Niemann: Mitmachen! Einfach sich bereit erklären, mitzumachen und an den neuen Systemen teilzuhaben. Nutzen entsteht durch Nutzung. Letzten Endes können wir alle nur durch die TI gewinnen. Die medizinischen Informationen sind bereits in elektronischer Form z. B. in den Arztpraxen vorhanden. Trotzdem gibt es auf dem Weg in und in der Apotheke selbst noch immer viele Medienbrüche. Ich denke dabei an den ausgedruckten Medikationsplan oder das Papierrezept. Das sollte der Vergangenheit angehören. Ich denke, wir sollten alle akzeptieren, dass die Digitalisierung der neue Weg sein wird. Wenn man nur mal ins europäische Ausland schaut, dann sieht man, dass solche digitalen Lösungen dort schon lange im Gesundheitswesen eingesetzt werden.

Redaktion: Was würden Sie Zauderern entgegnen?

Dr. Hendrik Niemann: Die größte Skepsis ist meist der befürchtete Mehraufwand für die Apotheke. Den sehe ich jedoch in meiner Apotheke nicht. Auch Befürchtungen beim Datenschutz teile ich nicht. Die Lösungen von CGM LAUER entsprechen allen von der gematik geforderten Sicherheitsrichtlinien und wir haben in der Apotheke alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ich möchte nochmals darauf hinweisen, wie wichtig es auch ist, sich von Anfang an mit den neuen Techniken zu beschäftigen und das Feld nicht anderen zu überlassen. Nur so können wir als Apotheke-vor-Ort für die Zukunft bestmöglich aufgestellt sein.

Redaktion: Welchen Wettbewerbsvorteil sehen Sie? (Am Beispiel der Notfalldaten)

Dr. Hendrik Niemann: Es ist von Vorteil, wenn wir die Notfalldaten einsehen können. So können wir z. B. Grunderkrankungen, die für die Therapie eine hohe Relevanz haben, direkt erkennen und optimiert hierauf beraten. Bei all den digitalen Neuerungen steht schließlich der Patient im Mittelpunkt. Diesen möchten wir bestmöglich versorgen. Je mehr Informationen wir also erhalten, desto besser können wir den Patienten beraten. Auch Unverträglichkeiten oder Allergien, die der Kunde im Gespräch nicht erwähnt können wir so gegen die Medikation professionell abgleichen. Nur so kann die bestmögliche Therapie ermittelt und durchgeführt werden. Natürlich ist das auch ein Wettbewerbsvorteil.

Redaktion: Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht nun die Anbindung aller Apotheken an die TI?

Dr. Hendrik Niemann: Sehr wichtig. Die Telematikinfrastruktur ist ein Thema, das wir nicht außen vorlassen dürfen. Vielmehr handelt es sich um ein zukunftsträchtiges Modell für die Vernetzung zwischen allen Akteuren des Gesundheitswesens. Auch mit Blick auf das kommende E-Rezept sollten die Apotheken sich jetzt schon mit der neuen Technik arbeiten. sich vertraut machen und rechtzeitig alle technischen Voraussetzungen schaffen.

Redaktion: Was hat sich nach Installation der TI am Workflow in Ihrer Apotheke geändert?

Dr. Hendrik Niemann: Wir beziehen nun die elektronische Gesundheitskarte als wichtiges Medium mit in die Beratung ein bzw. informieren die Kunden über diese Möglichkeiten. Es wird nach erfolgreicher Installation in allen Apotheken sehr schnell Standard sein, dass man zuerst die Karte einliest, um weitere Informationen zum Patienten zu erhalten. Zumal die Patienten mit entsprechenden Eintragungen auf Ihrer Karte das zunehmend erwarten werden. Zum Beispiel zum Gesundheitszustand oder zur bereits bestehenden Medikation. Insbesondere bei Patienten, die nicht zur Stammkundschaft gehören, lassen sich dadurch wichtige Erkenntnisse gewinnen, die für uns bei der Abgabe der Medikamente von hoher Bedeutung sind.

Redaktion: Wird die Rolle des Apothekers dadurch aufgewertet?

Dr. Hendrik Niemann: Auf jeden Fall. Die TI ermöglicht uns eine verbesserte Beratung unserer Kunden und eine schnellere Kommunikation mit den behandelnden Ärzten. Eine Kommunikation, die auf Augenhöhe stattfindet und die den Austausch von medizinischen Informationen erheblich erleichtert. Das hat für alle behandelnden Akteure und vor allem für den Patienten große Vorteile. Nur wenn alle notwendigen medizinischen Informationen zugänglich sind, erhält er die bestmögliche Versorgung.

Redaktion: Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch!

TI in der Apotheke: Patientensicherheit im Fokus

Apotheker Dr. Hendrik Niemann berichtet live aus seiner Apotheke in Ahaus, warum es sich lohnt die Mehrwerte der TI-Anwendungen schon jetzt zu nutzen. Erfahren Sie mehr dazu im nachfolgenden Video.

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